RASENTHEMEN SEIT 1999

Rasenthema: Mai 2020

Autor: © Dr. Klaus Müller-Beck, Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e. V.


Fachgerechtes Pflegemanagement
berücksichtigt Nachhaltigkeit in der Sportrasenpflege

 

Einleitung

Die Anforderungen an eine sachgerechte Sportplatzpflege sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die „Belagsart“ Sportrasen muss eine Reihe von Qualitätsmerkmalen erfüllen, damit die jeweilige Sportart, beispielsweise Fußball oder Golf, regelgerecht ausgeführt werden kann. Mit der Definition bestimmter Qualitätsmerkmale für den Bodenaufbau (DIN/FLL) aber auch für die Rasenzusammensetzung, lassen sich Prüfkriterien, wie Scherfestigkeit, Oberflächenhärte oder Wasserdurchlässigkeit messen und über einen längeren Zeitraum bezüglich Veränderungen dokumentieren (Monitoring). Narbendichte, Vitalität und Homogenität der Rasenzusammensetzung sowie die Auswirkung der Schnitthöhe auf das Ballrollverhalten (Golf und Fußball) lassen sich ebenfalls regelmäßig erfassen MÜLLER-Beck; 2017). Neben diesen Daten werden standortspezifische Werte für Niederschlag, Lichtverhältnisse bzw. Temperaturverläufe mit Hitze- und Trockenperioden ermittelt.
Auf der Grundlage dieser Vegetations- und Standortdaten lassen sich dann sehr spezielle Pflegekonzepte zur Erreichung der angestrebten Platzqualität erstellen.
Verantwortungsbewusste Greenkeeper berücksichtigen verstärkt das Prinzip der Nachhaltigkeit.


Abb.1: Erfassung der Wachstumsparameter auf dem Stadionrasen zur Steuerung
einer nachhaltigen Sportplatzpflege
(Foto: K.G. Müller-Beck)

Nachhaltigkeit als handlungsleitendes Prinzip

Der Idee der Nachhaltigkeit liegt das Bewusstsein für die Endlichkeit natürlicher Ressourcen und für die „absoluten Grenzen der Belastbarkeit“ der Erde zugrunde.
Häufig wird „nachhaltig“ als Ersatz für „langfristig“ oder „dauerhaft“ gebraucht, aber tatsächlich steckt viel mehr dahinter. Das Konzept der Nachhaltigkeit bietet Orientierung und zeigt Konfliktlinien auf!

Der UN-Brundtland Bericht (1987) „Our Common Future“ (Unsere gemeinsame Zukunft) definiert den Begriff Nachhaltigkeit allgemein und grundsätzlich wie folgt:

„Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

 

Abb. 2: a+b: Modelle zur Darstellung der Grundelemente von Nachhaltigkeit nach PUFÉ, 2014.


Basierend auf den vielfältigen  Aspekten von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung wurden in der wissenschaftlichen Debatte verschiedene Modelle entwickelt, wie das Konzept am besten auch bildlich dargestellt werden kann, siehe hierzu beispielhaft die Abbildung 2 a+b (PUFÉ, 2014).
Hier wird deutlich, dass es bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen immer um ganzheitliche Konzepte gehen sollte, wobei die Schwerpunkte in der Realisierung durchaus unterschiedlich ausfallen können.

Nachhaltigkeit von Sportfreianlagen beginnt beim Bau

In einer Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) wird von den Autoren KATTHAGE und THIEME-HACK (2017) ein System zur nachhaltigen Entwicklung von Sportfreianlagen vorgestellt, welches einen dauerhaften Konsens zwischen den Akteuren einer Sportfreianlage, den Kosten und der Umwelt berücksichtigt. Dort heißt es: „Ein derartiges Bewertungssystem bietet den Betreibern, Nutzern, Planern und ausführenden Unternehmen von Sportfreianlagen eine Handlungsanweisung zur Abstimmung von ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen, technischen sowie prozess- und standortbezogenen Anforderungen. Dadurch entsteht die Möglichkeit, bereits in der Planungsphase Optimierungen bezüglich des Lebenszyklus voranzutreiben, sodass neben Kosteneinsparungen auch natürliche Ressourcen geschont und hohe Flächenverbräuche verringert werden“

Somit liegt die Zielsetzung der Nachhaltigen Sportfreianlage in der Entwicklung eines Konzeptes zum langfristigen Betrieb der Sportanlage unter Berücksichtigung der Belange von Nutzern, Betreibern, Anwohnern und Umwelt. In der Planungsphase sollte ein Zeitraum von 50 Jahren betrachtet werden, damit ein Abwägungsprozess zwischen den verschiedenen Kriterien ermöglicht wird.

  

Anforderungen beim Sportrasen berücksichtigen

Bei der Platzpflege eines Fußballrasens gilt es, die Standardbedingungen für ein regelgerechtes Spiel herzustellen. In den verschiedenen Handbüchern des DFB, der DFL oder der UEFA werden die anzustrebenden Qualitätskriterien für das Greenkeeping definiert.
Die komplexen Zusammenhänge dieser  spieltechnischen Anforderungen setzen ein gezieltes Pflegemanagement voraus, das nur mit fundiertem Fachwissen durch das Greenkeeping sichergestellt werden kann. In Deutschland wird diese qualifizierte Fortbildung an den DEULA-Bildungsstätten in Freising und Kempen angeboten.

Hierzu zählen:

  • die pflanzenbauliche Gräserentwicklung,
  • die ökonomischen Voraussetzungen,
  • die ökologischen Anforderungen,
  • die sozialen Herausforderungen.

Die Forderung nach einer nachhaltigen Sportplatzpflege verlangt vom Greenkeeper deshalb eine ständige Aktualisierung und Entwicklung seiner Fachkompetenz durch Fort- und Weiterbildung. In den Fortbildungs-Lehrgängen der DEULA-Lehranstalten (Freising und Kempen) werden die Grundlagen für eine fachgerechte und nachhaltige Platzpflege vermittelt. Genau diese Ziele verfolgt auch der Greenkeeper Verband Deutschland e.V. (GVD) mit seinem aktuellen Zertifizierungs-Konzept in Verbindung mit dem Weiterbildungsangebot.

 

Weiterbildung für Nachhaltigkeits-Prinzipien

Im Sinne einer nachhaltigen Sport- und Golfplatzpflege hat sich der Greenkeeper Verband Deutschland e.V. (GVD) die Aufgabe gestellt, die Weiterbildung seiner Mitglieder durchgängig zu fördern. Seit Jahren gibt es qualifizierte Tagungen und Seminare, die vom Bundesverband und von den Regionalverbänden organisiert und durchgeführt werden. Der Nachweis einer regelmäßigen Teilnahme an diesen Bildungsmaßnahmen ist somit eine logische Konsequenz des GVD-Qualifizierungssystems. Mit der neuen, erweiterten Zertifizierung wird die Bedeutung der aktiven Weiterbildung durch die Vergabe der Auszeichnungen „Certified Greenkeeper GVD” bzw. “Certified Head-Greenkeeper GVD” unterstrichen. 

Ausgebildete Greenkeeper auf den Sport- und Golfanlagen (Fachagrarwirt Sportplatz- bzw. Golfplatzpflege) sind sich bei der Platzpflege dieser Verantwortung bewusst. Eine wichtige Handlungsorientierung bildet dabei das Prinzip: „Best Management Practice“! Auf diese Weise werden innovative Techniken und Ergebnisse aus der Rasenforschung bei der praktischen Umsetzung der Pflegekonzepte genutzt.

 Quellenangaben:

DEMOKRATIEZENTRUM, 2017: Nachhaltigkeit als handlungsleitendes Prinzip.
http://www.demokratiezentrum.org/themen/demokratie-und-nachhaltigkeit/handlungsleitendes-prinzip.html?type=98

DGV, 2016: Qualitätsmanagement Golf&Natur.
http://www.golf.de/publish/binarydata/A1608419__GuN__Broschuere__2016_Web.pdf

GVD, 2018: Das GVD-Zertifizierungssystem zum Certified Greenkeeper GVD / Certified Head-Greenkeeper GVD. https://www.greenkeeperverband.de/fileadmin/content/Dokumente/GVD-Zertifizierungssystem/Zertifizierungssystem_2018.pdf  

KATTHAGE, J. u. M.THIEME-HACK, 2017: Nachhaltige Sportfreianlagen, Ansätze zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung auf Sportfreianlagen. Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Bonn. https://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/sonstige_Publikationen_Ratgeber/OH_Sportfreianlagen_Nachhaltige.pdf?__blob=publicationFile&v=2

MÜLLER-BECK, K.G., 2017: Nachhaltige Golfplatzpflege - Konzepte für die Zukunft, Handout GVD-Jahrestagung, Nierstein.

PUFÉ, I., 2014: Was ist Nachhaltigkeit? In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Nachhaltigkeit. 64. Jhg. Vol. 31-32, S. 15–21.

UN, 1987: Bruntland Bericht. http://www.un-documents.net/our-common-future.pdf, https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm

 

 

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