Rasenthema: März 2026
Autor: M. Bocksch Vorstandsmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.
Der Japankäfer (Popillia japonica) in Deutschland
Einleitung
Der Japankäfer (Popillia japonica) stammt aus Asien und ist seit über 100 Jahren auch in den USA etabliert. 2014 kam er nach Europa, in die Lombardei im Norden von Italien. In abgelegenen Graslandschaften hat er sich mittlerweile so fest etabliert, dass man die Situation dort als „außer Kontrolle“ bezeichnen muss.
2023/24 schaffte er dann den Sprung über die Alpen nach Zürich. In der Südschweiz war er bereits seit 2020. Durch Genanalyse in Zürich gefangener Tiere zeigte es sich jedoch, dass diese Käfer amerikanischen Ursprungs waren. Ganz schön weit für einen kleinen Käfer, der es mit eigenen Flügeln pro Jahr gerade einmal 1,5 km weit schafft. Aber die Tiere reisen als „Hitchhiker“ bzw. „Blinde Passagiere“ in LKWs, Autos oder eben auch Flugzeugen mit. Die Population, die sich seit 2024 um Freiburg etabliert hat (2025 wurden 30 Käfer gefangen), stammt aus der Schweiz und hat italienische Ursprünge. Einzelfunde gab es bereits in Bayern und 2025 einen größeren Befall (8 Käfer italienischen Ursprungs wurden gefangen) bei Trebur in Hessen südlich von Frankfurt.
Der Japankäfer – ein weiterer Blatthornkäfer
Er ist ein kleiner Käfer aus der Familie der Blatthornkäfer, hierzu zählen u. a. auch Maikäfer, Junikäfer, Gartenlaubkäfer, Purzelkäfer. Ihre Larvenstadien werden als Engerlinge bezeichnet. Der Japankäfer wird etwa so groß wie eine Kaffeebohne und sieht aus wie ein etwas kleinerer Gartenlaubkäfer. Neben der Größe unterscheiden die beiden Arten die jeweils fünf weißen Punkte an der Seite die der Japankäfer neben zwei weiteren weißen Punkten am Hinterleib (wie Rückleuchten) besitzt.
Typisch für die Engerlinge sind der weiße Körper, 3 Beinpaare mit längeren Beinen, eine dunkle, braune Kopfkapsel und das von innen dunkel vom Kot durchscheinende Abdomen. Die Engerlinge fressen an den Wurzeln der Gräser, aber auch von Topfpflanzen, wenn sie nur gut gegossen werden. Wüchsige Pflanzen kompensieren das in der Regel jedoch gut, wenn es nicht zu viele Larven sind. Leider sind alle diese Larven ein begehrtes Fressen von vielen Tieren – Krähen, Möwen, Dachse, Wildschweine – sind vielleicht die Bekanntesten. In der Folge „leidet“ der Rasen, wenn hier nach den Engerlingen, die flach unter der Grasnarbe leben, gegraben, gestochert oder gewühlt wird.
Und was ist nun beim Japankäfer anders? Bis auf den Maikäfer fressen die als ausgewachsene Käfer nicht in großem Umfang. Der Japankäfer jedoch ist auch als adulter Käfer gefräßig und nicht wählerisch dabei. Obstbäume, Laubbäume, Stauden, Mais – alles, was Blätter hat (über 400 Arten) wird kurz und klein gefressen, inklusive der Blüten und Früchte. Nur die Blattadern der Blätter verschmähen sie. Es ist typisch, unversehrte Pflanzen direkt neben kahlgefressenen zu finden. Denn die Käfer machen sich systematisch über eine Pflanze her und wenn die kahl ist, zieht man gemeinsam zur nächsten weiter.
Abb. 1: Der Engerling des Japankäfers.
(Quelle: JKI)
Abb. 2: Ein Größenvergleich einiger bekannter Käfer. (Quelle: JKI)
Ein prioritärer Quarantäneschädling
Der Japankäfer (Popillia japonica) wird als prioritärer EU-Quarantäneschadorganismus eingestuft. Daher gilt für das Auffinden dieser Schädlinge eine bundesweite Meldepflicht. Wird er nachgewiesen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Verbreitung des Käfers innerhalb der EU möglichst zu verhindern bzw. einzudämmen, mit weitreichenden Konsequenzen.
Der Japankäfer (Popillia japonica) – ein Steckbrief
Erwachsene Japankäfer sind 8 - 11 mm lang, also in etwa so groß wie eine Kaffeebohne bzw. etwas kleiner als eine 1-Cent-Münze. Sie ähneln dem heimischen und harmlosen Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola).

Abb. 3: Ein adulter Japankäfer – typisch grünes Halsschild und fünf weiße Haarbüschel seitlich und zwei weitere hinten. (Quelle: JKI)
Das Halsschild des Japankäfers schimmert auffällig goldgrün. An jeder Körperseite befinden sich unterhalb der Flügeldecken, gut sichtbar, fünf weiße Haarbüschel sowie zusätzlich zwei Büschel am letzten Körpersegment.
Auffällig ist sein Alarmverhalten. Dabei spreizt er ein Beinpaar seitlich extrem ab.
Sein Entwicklungszyklus vom Ei bis zum erwachsenen Käfer wird bei günstigem Klima in einem Jahr durchlaufen. Die Käfer schlüpfen im Mai/Juni und beginnen sich zu paaren. Die Hauptflugzeit ist von Mitte Mai bis August. Bei Temperaturen zwischen 21 °C und 35 °C sind die Käfer aktiv, jedoch nicht in der Mittagshitze. Die Weibchen legen zwischen 40 und 60 Eier – bevorzugt in feuchte Wiesenböden und Rasenflächen.
Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven, die kaum mobil sind. Im Spätherbst, bereits im 3. Larvenstadium, ziehen sie sich zum Überwintern in tiefere Bodenschichten zurück, um im Frühjahr erneut im Oberboden mit der Nahrungsaufnahme zu beginnen. Dann verpuppen sie sich, um im Mai zu schlüpfen.

Abb. 4: Der Lebenszyklus des Japankäfers. (Quelle: e-nema)
Das kleine Insekt kann riesige Schäden anrichten. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sieht in ihm das Potenzial, zu einem echten Problem für die heimische Landwirtschaft, den Gartenbau und Wälder zu werden.
Umfangreiche Materialien zum Japankäfer wie ein Flyer, ein Plakat und eine Postkarte sowie Informationen zur Meldung eines Verdachts, finden sich auf der BMLEH-Webseite.
Ein Befall oder Verdacht muss dem Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes gemeldet werden – am besten mit Foto oder mit einem sicher verpackten Exemplar des Käfers und genauen Ortsangaben zum Fundort.
Geplante Eindämmungsmaßnahmen 2026
Aktuell stehen wir noch am Anfang und sammeln Erfahrungen. Aber man möchte verhindern, dass hierzulande die Situation außer Kontrolle gerät, denn die wirtschaftlichen Folgen wären enorm. Es ist nur eine Eindämmung möglich, dass ist allen Beteiligten klar. Und so gehen die Behörden aktuell vor:
Nach einem Fund, jeder Fund ist meldepflichtig, werden rund um den Fundort Pheromonfallen aufgestellt. Bleibt es bei dem Einzelfund, passiert nichts weiter. Werden jedoch weitere Tiere gefangen (mindestens 5), wird ein sogenanntes „Abgegrenztes Gebiet“ definiert. Mindestens einen Kilometer Radius um den Fundort ist die „Befallszone“, an die sich eine 5 km breite „Pufferzone“ anschließt. Genauso ist es in Trebur gelaufen. Nach einem Fund wurden in drei der in der Folge aufgestellten Fallen innerhalb von 500 m weitere 7 Käfer gefangen.
Für 2026 wurde der gültige Notfallplan – den es für alle Bundesländer gibt – in Zusammenarbeit von JKI und den Pflanzenschutzdiensten der Länder überarbeitet. Ab 2026 wird eine Ausbringung eines Insektizids während der Hauptphase der Eiablage gefordert. Dann dürfen Fertigrasen aus der Pufferzone verkauft und auch Sportrasen in der Befallszone uneingeschränkt weiter genutzt werden. Sonst gilt ein Bewässerungsverbot für alle Rasenflächen in der Befallszone von Juni bis September.
Es kann jeden treffen. Und jeder muss sorgfältig sein. Wenn wir unser Zelt auf dem italienischen Campingplatz zusammenpacken und dabei ein paar Käfer einwickeln, können die zuhause weiterfliegen, überall. Aber auch über Topfpflanzen verbreitet sich der Käfer und nicht zuletzt in Grünschnittabfällen, in Rasensoden und weiteren Vektoren. Es wird schwer werden, das alles zu kontrollieren.
Informationsmaterialien zum Download:
- Flyer: Japankäfer stoppen: Helfen Sie mit! (PDF, 769KB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)
- Plakat: Japankäfer stoppen: Helfen Sie mit! (PDF, 1MB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)
- Postkarte: Japankäfer stoppen: Helfen Sie mit! (PDF, 358KB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)
Mehr Informationen
Publikationen
Quellenhinweise:
- JKI, 2024: Flyer „Japankäfer – Popillia japonica“.
www.julius-kuehn.de/media/Veroeffentlichungen/Flyer/Japankaefer.pdf - Landtag B.-W., 2024: Drucksache 17 / 7393: Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf die Anfrage des Abg. Klaus Burger u.a., CDU.
- AKTIONSPLAN JAPANKÄFER des Landes Rheinland-Pfalz, 09-2025
Aktionsplan Rheinland-Pfalz zur Verhinderung der Ansiedlung und Ausbreitung des Japankäfers (Popillia japonica) - Vortrag: Alexander Grüner vom Pflanzenschutzdienst Hessen, 02-2026; DRV-Wintertagung
Autor:
Prof. Martin Bocksch
E-Mail: info@rasenzeit.de