RASENTHEMEN SEIT 1999

Rasenthema: Februar 2026

Autor: M. Bocksch, Vorstandsmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.


Moose im Rasen

 

Einleitung

Viele Rasenbesitzer klagen gerade nach den Wintermonaten über eine deutliche Zunahme von Moosen in ihrem Rasen. Auch in diesem Jahr. Aber wie kommt es zu diesem Phänomen? Es lohnt sich einen genaueren Blick auf diese uralte Pflanzengattung zu werfen.

 

Moose (Bryophyta)

Die Gattung der Moose, Bryophyta, eint ihr einfacher Aufbau. Sie haben sich direkt aus den Algen entwickelt und gehörten zu den ersten Landpflanzen. Moose verfügen weder über Wurzeln noch über Leitgewebe. Und viele auch nicht über eine Epidermis. Sie besitzen jedoch Chlorophyll und sind in der Lage Photosynthese zu betreiben. Für Verankerung sorgen sogenannte Rhizoide, die aber sonst keine Funktion haben. Alle Aufnahmeprozesse laufen über die meist aus nur einer Zelllage bestehenden Blätter. Nur sie sind in der Lage Wasser, Nährstoffe etc. aufzunehmen.
Die Vermehrung der Moose erfolgt vegetativ oder über Sporen, die durch verschiedene Mechanismen weggeschleudert werden. Regentropfen spielen bei der Verbreitung der Sporen eine große Rolle.

Man unterscheidet 3 Klassen von Moosen:

  • Lebermoose (Hepaticopsida) mit ca. 6.000 Arten
  • Hornmoose (Anthocerotopsida) mit ca. 100 Arten
  • Laubmoose (Muscopsida) mit ca. 9.500 Arten

Die größte Klasse, die Laubmoose, wird in 3 Unterklassen aufgeteilt:

  • Echte Laubmoose (Bryidae)
  • Torfmoose (Sphagnidae) mit ca. 300 Arten
  • Klaffmoose (Andreaeidae) mit ca. 50 Arten

Wenn man von Moos spricht, denken viele sofort an Moore und feuchte Bedingungen. Aber nur wenige der rund 16.000 Moosarten sind Torfmoose. Gerade die im Rasen lebenden Moose und es gibt einige, u.a. aus den Ordnungen der Bryales (Garten-Filz-Moos, Silbermoos), den Hypnales (Schönes Widertonmoos, Etagenmoos, Sparriges Kranzmoos/Sparriger Runzelbruder) und viele andere, kommen sowohl mit Trockenheit als auch feuchten Bedingungen sehr gut zurecht.

Hierzulande werden Moose als bodenbedeckende Grünpflanzen weniger geschätzt. Vermutlich, weil sie die erwünschten Gräser verdrängen können und nicht belastet werden können. In anderen Ländern und Kulturen – insbesondere in Japan – ist das anders.

 

Was sind die Ursachen für den Erfolg der Moose in Rasenflächen?

Das Graswachstum wird aus den verschiedensten Gründen geschwächt oder ganz verhindert. Lichtmangel, Trockenheit, Nährstoffmangel, Staunässe, Kälte, Bodenverdichtungen, um nur die wichtigsten zu nennen.

Ein zu tiefer Schnitt, gerade bei Lichtmangel, schwächt die Rasengräser und auch Trockenheit, besonders unter Bäumen, wird als Faktor regelmäßig unterschätzt.

Moosen reichen geringe Lichtmengen, das wenige Wasser und fast keine Nährstoffe. Und auch Kälte bremst Moose nicht. Im Gegenteil. Eine Beobachtung die man regelmäßig im Frühjahr machen kann. Das Moos hat über den Winter zugenommen. Ursache dafür ist u.a., das Moose auch bei Frost Photosynthese betreiben können und bei Kälte (kein Frost!) wachsen können. Rasengräser haben in dieser Zeit der Ausbreitung der Moose nichts entgegenzusetzen.

Schatten schwächt die Gräser – für die Moose reicht das Licht völlig aus! Genauso verhält es sich bei Staunässe, Trockenheit oder Nährstoffmangel. Und so verhält es sich auch mit dem pH-Wert. Aber nicht nur in eine Richtung (zu niedrig – also zu sauer) sondern auch in die andere Richtung – also zu hoch und somit zu basisch. Gräser bevorzugen einen pH-Wert von 5,5 – 6,5 (7,0) schwach sauer bis neutral. Ihnen bekommt weder zu sauer noch zu basisch.

 

Was kann man gegen Moose unternehmen – helfen Kalkgaben?

Alles das, was hier angesprochen wurde, im Sinne der Gräser optimieren!

  • Schatten reduzieren – nicht immer einfach wenn das Haus falsch steht oder der große Baum auf dem Nachbargrundstück Schatten wirft.
  • Nährstoffversorgung optimieren. Unter Schattenbedingungen heißt das vorsichtige Stickstoffgaben, um das Haupttriebwachstum nur moderat zu fördern.
  • Wassergaben – nur bei anhaltender Trockenheit.
  • Unter Bäumen regelmäßig, aber nicht zu oft bewässern. Selbst bei Regen, kommt von diesem Wasser unter den Bäumen nur ein Bruchteil an und die Baumwurzeln saugen viel stärker als das die Gräser vermögen. Daher sollte hier trotz Niederschlägen beregnet werden.
  • Die Schnitthöhe anheben! Hilfreich ist es auch den Rasen in Schattenbereichen nur jedes zweite Mal zu mähen.

Kalk hilft nur bei tatsächlich zu niedrigen pH-Werten. Ansonsten verpufft seine Wirkung, im Gegenteil schwächt er die Gräser erneut, weil der pH-Wert je nach Größe der Kalkgabe und der verwendeten Kalkform, weit über den pH-Wert von 7 hinaus angehoben werden kann.

Eine Möglichkeit das Moosproblem insbesondere in schattigen Verhältnissen zu lösen kann die Verlegung eines Fertigrasens vom Typ „Gebrauchsrasen mit Lägerrispe“ nach TL-Fertigrasen sein. Die Grasart Lägerrispe (Poa supina) bevorzugt schattige, kühlere aber unbedingt auch feuchte und nährstoffreiche Bedingungen. Die Art bildet gerade unter diesen scheinbar ungünstigen Bedingungen extrem dichte, unkraut- und moosfreie Rasendecken.

 

Sind Moosbekämpfungsmittel sinnvoll?

Ist viel Moos in einem Rasen vorhanden wird es schwer werden ohne den Einsatz von Moos-bekämpfungsmitteln weitestgehend moosfreie Bedingungen zu erzeugen.

Gängige Wirkstoffe sind Eisen-II-sulfat (Fe-II-S) und auch Pelargon- und Essigsäure. Bei zu hoher Dosierung Letzterer werden jedoch auch die verbleibenden Gräser abgetötet. Daher genau auf die Gebrauchsanweisung achten.
Eisen-II-Sulfat ist in dieser Hinsicht ungefährlich für die Gräser – im Gegenteil fördert das Eisen die Grünfärbung der Blätter, da es die Chlorophyllsynthese anregt.

Im Handel gibt es zahlreiche Produkte für den „Haus- und Kleingarten“. Ohne und mit Rasendünger, zudem auch in Kombination mit anderen Herbiziden. Sie sind nach eingehender Beratung im Garten-Center oder Baumarkt uneingeschränkt verwendbar.

Im Profibereich, z.B. auf Golfanlagen wird gerne mit „Rasensand“ gearbeitet. Eine Mischung aus 1/3 Eisen-II-Sulfat, 1/3 Ammonium-Dünger und 1/3 scharfkantiger Sand.
Der Sand kratzt die Moosblätter an. In diese Verletzungen kann der Ammonium-Dünger gut ätzen und verstärkt so die moosschädigende, ebenfalls ätzende Eisenwirkung.

Wichtig für die erfolgreiche Anwendung sowohl dieses Rasensandes als auch Eisen-II-Sulfat solo sind ausreichende Feuchtigkeit (Niederschlag/Beregnung) und keine extremen Temperaturen (weder Kälte noch Hitze) in der Wirkphase.
Achtung – auf Steinen hinterlässt Eisen-II-Sulfat Rostflecken. Ihre Beseitigung ist je nach Gestein schwierig und aufwändig.

Nach rund 10 Tagen ist das Moos schwarz und sollte aus der Rasennarbe entfernt werden, z.B. durch richtiges Vertikutieren – ganz flach nur durch die Rasennarbe und den Moosbewuchs. Der Boden wird fast nicht berührt. Anschließend trägt eine Nachsaat mit einer Nachsaat- oder einer Gebrauchsrasenmischung nach RSM zum schnellen Schließen der Lücken bei.

Wer aber die Hoffnung hat, damit dem Moos für immer den Garaus gemacht zu haben, unterschätzt seinen Gegner! Reste und Sporen lassen es u.U. bald frohe Urständ feiern.

Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg ist, dass die Bedingungen für die Gräser so verändert werden, dass sie nun besser wachsen und sich somit gegen die Moose auch durchsetzen können.

Also einer Anhebung der Schnitthöhe, regelmäßiger Nährstoffgaben und Bewässerung bei Trockenheit. Aber schlussendlich hängt es am Schatteneinfluss, der bekämpft werden muss.

 

Sparrige Runzelbruder (Rhytidiadelphus squarrosus)
Abb. 1: Der Sparrige Runzelbruder (Rhytidiadelphus squarrosus) ist ein sehr häufiges Moos in Rasenflächen.
Es ist auf vegetative Vermehrung angewiesen und wird z. B. durch Rasenmähen gefördert. Essen-Schönebeck (02.2019)
(Bild: Thomas Kalveram)

 

Silbermoos syn. Silberbirnmoos (Bryum argenteum)
Abb. 2: Das Silbermoos syn. Silberbirnmoos (Bryum argenteum) bildet niedrige Polster. Die eiförmigen Blätter entwickeln in der oberen Hälfte kein Chlorophyll und sind daher durchsichtig-weisslich. Zur vegetativen Vermehrung werden Brutkörper in den Blattachseln ausgebildet. Silbermoos ist stickstoffliebend und gilt als Kulturfolger der Menschen. (Bild: Martin Bocksch)

 

Dichter „Moosrasen“ auf einer schattigen Rasenfläche in Niedersachsen
Abb. 3: Dichter „Moosrasen“ auf einer schattigen Rasenfläche in Niedersachsen. (Bild: Martin Bocksch)

 

Detailansicht des Mooses – der Sparrige Runzelbruder? Viel spricht dafür.
Abb. 4: Detailansicht des Mooses – der Sparrige Runzelbruder? Viel spricht dafür. (Bild: Martin Bocksch)

 

Quellenhinweise:

 

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