RASENTHEMEN SEIT 1999

Rasenthema: April 2020

Autor: © Dr. Klaus Müller-Beck, Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e. V.


Rasen im Frühjahr - Lücken und Winterschäden ausbessern

 

Einleitung

In diesen Tagen der Bewegungseinschränkung durch die Corona-Pandemie gewinnt der häusliche Garten eine besondere Bedeutung. Dabei vermittelt ein grüner, vitaler Rasenteppich positive und beruhigende Gefühle, und bietet als Spielfläche ideale Voraussetzungen für Bewegungsspiele mit den Kindern. Nach dem Winter und der Vegetationsruhe der Gräser in Verbindung mit möglichen Schäden in der Rasennarbe, ist der optische Eindruck oft getrübt. Die Homogenität der Rasennarbe nimmt ab und je nach Größe der Flecken dauert der „Selbstheilungs-Prozess“ durch nachwachsende Triebe zu lang und die Gefahr der Einwanderung von Kräutern und Moosen nimmt zu.

Frischer, vitaler Rasen im Frühjahr
Abb.1: Frischer, vitaler Rasen im Frühjahr.
(Foto: K.G. Müller-Beck)

Frühjahrs-Startdüngung

Nach der Winterruhe führen die abgestorbenen Blatt- und Stängelteile im Rasen insgesamt zu einem grau-grünen Farbaspekt bei dem die entstandenen Schadflecken nochmals hervorstechen. Da die Rasengräser in ihrer Entwicklung durch den Temperaturverlauf im zeitigen Frühjahr stimuliert werden, zeigen sich bei einer entsprechenden Temperatursumme (Wachstumsgradtage = „WGT“ oder Growing Degree Days = „GDD“) die ersten grünen Spitzen junger Triebe. Das aktive Wurzelwachstum hat zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen.

Als erste Frühjahrsmaßnahme können bei einer größeren, abgestorbenen und möglicherweise verklebten Restblattmasse, die betroffenen Bereiche mit einem Laubrechen oder einem Garten- /Straßenbesen abgekehrt werden. Auf diese Weise wird der braune Blattanteil verringert und das frische Grün setzt sich somit rasch durch.

Damit die Gräser genügend Kraft für das Regenerationswachstum entwickeln können, empfiehlt es sich, bereits zu diesem Zeitpunkt die erste Frühjahrsdüngung eines Rasendüngers auszubringen.

Verschiedene Untersuchungen und Beobachtungen haben gezeigt, dass die Rasengräser schon in einem sehr frühen Vegetationsstadium auf eine Düngung reagieren. So ist eine zeitige Frühjahrsdüngung im Zeitraum des Vor- und Erstfrühlings (Forsythienblüte, s. Kasten) durchaus wirkungsvoll, da die Wurzeln die Nährstoffe aktiv aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt sollten etwa 5 - 6 g Stickstoff/m² appliziert werden. Für die Praxis bedeutet das eine Düngermenge von 20 bis 30 g/m² eines stickstoffbetonten Rasendüngers.

Phänologische Daten beachten

Der meteorologische Kalender bestimmt den Frühlingsanfang für den 1. März. Das kalendarische Frühjahr startet immer  aufgrund des Sonnenstandes zur Tag- und Nachtgleiche (20./21. März).
Unabhängig von diesen Daten deuten bestimmte Zeigerpflanzen mit ihrer Blüte auf die aktuelle Vegetationsentwicklung hin. So wird im phänologischen Kalender der Entwicklungsstand der Natur in Abhängigkeit von den jährlichen Witterungsverhältnissen  berücksichtigt. Dabei wird der Vorfrühling durch das Schneeglöckchen und die Haselnussblüte definiert. Mit der Blüte der Forsythie beginnt dann der Erstfrühling.

 

Schäden beseitigen

Bei einer übersichtlichen Anzahl von Flecken lassen sich die geschädigten Stellen durch eine Spot-Behandlung bearbeiten. Dazu werden die Kahlstellen zunächst mit einer Harke aufgelockert und ggf. vorhandener alter Rasenfilz und verkrustete Bodenteile entfernt. Die entstandenen Mulden werden mit Rasenerde aufgefüllt und leicht angedrückt. Die Nachsaat wird mit einer geeigneten Rasenmischung (z.B. Spiel+ Gebrauchsrasen Typ RSM 2.3 oder Nachsaatmischung) vorgenommen. Anschließend werden die Rasensamen circa fünf bis zehn Millimeter stark mit Rasenerde abgedeckt. Die Reparaturstelle wird nachfolgend durch Antreten verfestigt und bis zur Keimung regelmäßig feucht gehalten.
Spezielle Reparatur-Mischungen, wie „Rasenpflaster“ oder „Rasen Pad“, erleichtern die Anwendung und Dosierung. Für die Keimung sind Bodentemperaturen von 8 -10 °C erforderlich, sodass mit dieser Maßnahme in jedem Falle bis zum Vorfrühling/Vollfrühling gewartet werden sollte!
(„Rasenmischungen“ siehe: https://www.rasengesellschaft.de/rasenthema-detailansicht/rasenthema-maerz-2009.html )

 

: Spot-Behandlung einer Rasenlücke mit Rasenerde und Saatgut
Abb. 2: Spot-Behandlung einer Rasenlücke mit Rasenerde und Saatgut.
(Foto: K.G. Müller-Beck)

Regeneration unansehnlicher Rasenflächen

Sieht der alte Rasen insgesamt unschön aus, er hat viele Lücken und Flecken, ist vermoost, verunkrautet, hat kaum noch Rasengräser oder es wachsen die falschen Grasarten, so ist eine gründliche Regenerationsmaßnahme sinnvoll. Seit vielen Jahren hat sich die Methode „Rasenerneuerung ohne Umgraben“ in der Praxis bewährt.

Wichtige Erfolgsfaktoren sind:

  • Genaue Einhaltung der Arbeitsschritte;
  • Verwendung von geeignetem Rasensaatgut;
  • angemessene Nährstoffversorgung der jungen Gräser.

Die umfassende Erneuerung des unansehnlichen Rasens bietet sich im Frühjahr (April/ Mai) an. Eine kleine Übersicht soll den chronologischen Ablauf zur Rasenerneuerung ohne Umgraben erläutern.

Schritt 1

Tiefschnitt des Rasens
Der alte Rasen wird in der niedrigsten Schnitteinstellung des Rasenmähers so tief wie möglich heruntergemäht. Auf diese Weise wird die Konkurrenzkraft des Altbestandes geschwächt, sodass für die neuen Rasengräser bessere Startchancen entstehen. Das Mähgut muss in jedem Falle komplett aufgenommen werden.

Schritt 2

Vertikutieren des Bestandes
Der kurze Rasen wird nun gründlich vertikutiert, und zwar intensiv in Längs- und in Querrichtung. Je gründlicher das geschieht, umso besser. Auf diese Weise bekommt der neue Rasensamen bei der Nachsaat überall Bodenkontakt und hat somit gute Keim- und Entwicklungsbedingungen.

Nach dieser Bearbeitung der Fläche lassen sich, falls notwendig, kleinere Korrekturen von Bodenunebenheiten durch Auf- oder Abtrag von Oberboden, bzw. Verwendung von Rasenerde vornehmen.

Verkrustete Rasenlücken. Vertikutierer zur Bearbeitung der Rasenlücken

Abb. 3: Verkrustete Rasenlücken.
(Fotos: K.G. Müller-Beck)

Abb. 4: Vertikutierer zur Bearbeitung der Rasenlücken.

 

Schritt 3

Startdüngung als Basis
Auf die vorbereitete Fläche wird jetzt ein spezieller Starter-Dünger (phosphorbetonte Nährstoff-Formel) gleichmäßig ausgebracht und leicht eingeharkt.  Zur sicheren, fachgerechten Ausbringung sollte  am besten ein Streuwagen oder bei kleinen Flächen ein Handkreisel-Streuer genutzt werden, so wird das Saatbeet für die Gräser einheitlich aufgedüngt.

Schritt 4

Nachsaat zur Verjüngung
Ebenfalls mit dem Streuwagen bzw. Kreiselstreuer wird anschließend die spezielle Nachsaatmischung ausgebracht. Bei einem sehr geringen Restbestand des Altrasens sollte bevorzugt ein Gebrauchsrasen  Typ RSM 2.3 (Spielrasen) zum Einsatz kommen.
Für Schattenlagen sollte in der Mischung ein Anteil von 5 % der Grasart Poa supina enthalten sein. (Siehe Information auf grünem Saatgut-Etikett am Boden der Packung.)
Alternativ bietet sich ein Nachsaatrasen mit einem hohen Anteil an Lolium perenne an.

Schritt 5

Abdecken der Saat
Für einen guten Bodenschluss des Saatgutes wird abschließend die gesamte Fläche mit einen ungedüngten Substrat (Kompost-/Sandmischung oder Rasenerde) gleichmäßig bis maximal 10 mm Stärke abgedeckt. Die Verteilung erfolgt mit einem Rechen. Das Saatgut ist auf diese Weise geschützt und wenn die Substratabdeckung hell wird sollte die neue Rasenfläche wieder beregnet werden.

Bearbeitung des unansehnlichen Rasens Abdeckung der Rasenlücken mit Rasenerde und Saatgut

Abb.5: Bearbeitung des unansehnlichen Rasens.

(Fotos: K.G. Müller-Beck)

Abb.6: Abdeckung der Rasenlücken mit Rasenerde und Saatgut.

 

Abb.7: Rasenschnitt des erneuerten, etablierten Rasens.

 

Schritt 6

Beregnung zur Keimung
Die Keimung der verschiedenen Rasengräser in einer Mischung verläuft unterschiedlich lang. Während Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) innerhalb von gut einer Woche keimt, benötigt Rotschwingel (Festuca rubra) fast zwei Wochen und Wiesenrispe (Poa pratensis) gut drei Wochen. Für den Keimvorgang und die anschließenden Wochen nach der Aussaat ist eine geregelte Wasserversorgung entscheidend für den Erfolg. Die obere Bodenschicht muss stets genügend Feuchtigkeit enthalten, damit die empfindlichen feinen Rasenkeimlinge nicht austrocknen. Daher muss bei trockener Witterung mehrfach täglich für ca. zehn Minuten beregnet werden. Bereits nach vier bis sieben Tagen starten die ersten Gräser mit zarten, grünen Trieben. Bis zur Etablierung der Gräser (Wurzelausbildung) muss die Bewässerung kontinuierlich weitergeführt werden.

Schritt 7

 

Folgepflege

Der erste Schnitt erfolgt bei einer Aufwuchshöhe von ca. sieben Zentimetern bei einer Schnitthöhe von vier Zentimetern. Etwa sechs Wochen nach der Rasenerneuerung sollte eine Etablierungs-Düngung mit einem Rasenlangzeitdünger erfolgen. Diese Nährstoffzufuhr ist sehr wichtig für die jungen Rasengräser, damit sie sich weiter bestocken, Blattmasse bilden und den Rasen dicht machen. Die weiteren Pflegemaßnahmen Mähen, Düngen, Wässern, werden jetzt nach Bedarf ausgeführt.

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