Welche Partnerschaften braucht das Grün der Zukunft?
Bericht zum 9. Forschungsforum-Landschaft
Autor: Prof. Gert Bischoff, FH Erfurt, Vorstandsmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.
Das 9. FLL-Forschungsforum 2025 stand unter dem weit angelegten Leitthema „Welche Partnerschaften braucht das Grün der Zukunft?“ Am 13. und 14. März 2025 folgten 130 Teilnehmer der Einladung in das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt und somit war die Veranstaltung ausgebucht.
Die Teilnehmer der Auftakt-Diskussion (v.l.n.r.): Doris Törkel, Düsseldorf (GALK), Prof. Dr. Wolfgang Dickhaut, Hamburg (HCU), Dr. Carlo Becker, Berlin, Rebecca Landwehr, Berlin (BuGG), Andreas Krüger, Berlin (NABU). (Foto: G. Bischoff)
Eröffnung mit Podiumsdiskussion
Die Deutsche Rasengesellschaft war auch 2025 wieder einer der Sponsoren dieser hochkarätigen Veranstaltung mit 19 Vorträgen und 21 Postern, die vom Beirat des Forschungsforums aus den eingereichten Beiträgen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt wurden.
Nach der Begrüßung durch FLL-Altpräsident Dr. Karl-Heinz Kerstjens startete eine erste Podiumsdiskussion unter Moderation von Dr. Carlo Becker, Landschaftsarchitekt aus Berlin. In der Runde beteiligten sich Prof. Dr. Wolfgang Dickhaut von der Hafen City University Hamburg, neben Dr. Becker ein weiterer Vordenker für die blau-grüne Infrastruktur, Jörg-Andreas Krüger vom NABU, Rebeca Landwehr vom Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) und Doris Törkel, Gartenamtsleiterin aus Düsseldorf und Vizepräsidentin der Gartenamtsleiterkonferenz GALK.
Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass die blau-grüne Infrastruktur in Zeiten von Klimawandel und dem rasanten Verlust an Biodiversität wichtiger denn je ist. Um Projekte im grünen Bereich erfolgreich umzusetzen, kann dies effektiv nur vor Ort auf der kommunalen Ebene erfolgen, wo die Menschen die Auswirkungen unmittelbar spüren. Dabei ist es wichtig, die Projekte von Anfang an über die Fachgrenzen hinweg zusammenzudenken. Kooperationen sind deshalb erforderlich. Die Fachfragen und -regeln sind heute nicht mehr das Problem, sondern die Lösung der gesellschaftspolitischen Verteilungskämpfe und die Konkurrenz der Beteiligten.
Kritische Bestandsaufnahme
Manfred Hansel, GaLaBau-Unternehmer aus Dresden und Vizepräsident des BGL, stellte in seinem Vortrag am zweiten Tag über Synergieeffekte zwischen BGL und FLL fest, dass wir kein Erkenntnisproblem bei Stadtgrün und Klimafolgenanpassung haben, sondern ein Umsetzungsproblem. Demgegenüber sagte Dr. Michael Kollmair von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, dass die Kommunen zwar Daten zu ihren Grünanlagen haben, aber kaum zur Bewertung der Qualität der Pflege und der Qualität der Ausstattung.
Die Vorträge und die Diskussionen waren in Themenblöcke gegliedert und brachten zahlreiche Beispiele aus der Forschung und aus der Praxis. Zu den behandelten Stichworten zählten Klimabäume, Baumstandorte und Stadtbaumkonzepte, begrünte Bahnsteige, Fassadenbegrünungen, aber auch Grauwasser zur Bewässerung, Regenwassernutzung und vieles mehr wurde in den Fachvorträgen vorgestellt.
Neue Ansätze
Die Idee von Prof. Dr. Ferdinand Ludwig von der TU München, Bäume ganz dicht vor Fassaden zur Beschattung zu pflanzen oder sogar als tragendes Gerüst der Architektur zu nutzen, bot eher eine neue Perspektive über die Regeln der Technik hinaus.
Der Vorsitzende der GALK, Rüdiger Dittmar aus Leipzig, legte am zweiten Tag in seinem Keynote-Vortrag über Innovatives Grün für neue Nutzergruppen den Fokus auch auf die Nutzbarkeit des Stadtgrüns. Wie die Gesellschaft, so verändern sich auch die Ansprüche an die Nutzung des Stadtgrüns. Mit dem Tool www.stadtgruen.wertschäetzen.de der GALK lässt sich schon jetzt der Wert von einigen unterschiedlichen Begrünungsmaßnahmen berechnen.
Beispiele zur Umgestaltung nur mit „Abstandsrasen“ gestalteter Gewerbe- und Industriegrundstücke in Thüringen zu blühenden und lebendigen Betriebsgeländen mit Stauden und Blühwiesen stellte Ingrid Theurich, Landschaftsarchitektin aus Erfurt, vor.
Doris Tausendpfand von der Zürcher Hochschule berichtete über Wildstauden-Mischpflanzungen und Förderung der Biodiversität. Diese Mischungen sind zwar „pflanzleicht“, aber keinesfalls pflegeleicht, betonte sie, und empfahl, dass die Planer ihr Pflanzkonzept deshalb auch mal selbst pflegen sollten.
Dr. Heiko Mibus-Schoppe, Professor an der Hochschule Geisenheim, lenkte in seinem Vortrag den Blick auf die Produzenten, indem er die Diskrepanz zwischen Produktion und Verwendung am Beispiel einer Baumschule darstellte, die schon früh Bäume für den Klimawandel produziert hat, diese dann aber nicht losgeworden ist und viele der Bäume wieder schreddern musste. Ein Austausch von Forschenden, Verwendern und Produzenten ist deshalb wichtiger denn je, um die Produktionszeiten mit dem sich ändernden Bedarf in Einklang zu bringen.
Informative Poster-Präsentation
Zwischen den Themenblöcken gab es Zeit für Diskussionen und zur Betrachtung der Poster. Von den insgesamt 21 Postern waren auch zwei aus der Rasenforschung an der Hochschule Osnabrück dabei:
- „Nachhaltige Nutzung von Rasenflächen im Klimawandel“ von Daniel Hunt.
- „Definierung von Schnittqualität für Strapazierrasen und Kurzschnittrasen als Teil des Integrierten Pflanzenschutzes“ von Maximilian Karle.
Der von der Fachjury vergebene Poster-Preis ging an Thomas Maier, Informatiker an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, für sein Poster über KI-gesteuerte Bewässerung von Stadtbäumen. Die Auswertung der Daten der installierten Messfühler mit künstlicher Intelligenz ist deutlich effektiver, als die Auswertung durch Menschen, wie der Anwuchserfolg der Bäume, sowie der geringere Personalaufwand und Wasserbrauch zeigten.
Den Publikumspreis der Poster erhielten Kerstin Sirch und Vanessa Weidemann von der Fachhochschule Erfurt für Ihre Arbeit über „Urbane Grünqualität per Fahrrad – Radmobilitätskonzepte als Schnittstelle zwischen Landschaftsarchitektur, Verkehrs- und Stadtplanung“. Hierbei wurde die Umgestaltung großflächig gepflasterter Straßen und Fußgängerzonen zu grünen Bereichen mit hoher Aufenthaltsqualität, bei gleichzeitiger Nutzbarbarkeit für den Fahrradverkehr und die Straßenbahn aufgezeigt.
Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung, auch wenn der Rasen hierbei nur am Rande behandelt werden konnte.