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Rasenthema: Juli 2018

Autor: © Dr. Klaus Müller-Beck, Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.

Nachhaltigkeit in der Golfplatzpflege Begriffe – Chancen - Perspektiven

Nachhaltigkeit als handlungsleitendes Prinzip

Der Idee der Nachhaltigkeit liegt das Bewusstsein für die Endlichkeit natürlicher Ressourcen und für die „absoluten Grenzen der Belastbarkeit“ der Erde zugrunde. Häufig wird „nachhaltig“ als Ersatz für „langfristig“ oder „dauerhaft“ gebraucht, aber tatsächlich steckt viel mehr dahinter. Das Konzept der Nachhaltigkeit bietet Orientierung und zeigt Konfliktlinien auf!

Der UN-Brundtland Bericht (1987) „Our Common Future“ (Unsere gemeinsame Zukunft) definiert den Begriff Nachhaltigkeit allgemein und grundsätzlich wie folgt:

„Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.

 

Sekundärschaden auf der Rasenfläche durch Rabenvögel.   Besatz mit Haarmückenlarven in der RTS.

Abb.1: a+b: Modelle zur Darstellung der Grundelemente von Nachhaltigkeit nach PUFÉ, 2014.

 

Basierend auf den vielfältigen Aspekten von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung wurden in der wissenschaftlichen Debatte verschiedene Modelle entwickelt, wie das Konzept am besten auch bildlich dargestellt werden kann, siehe hierzu beispielhaft die Abbildung 1 a+b (PUFÉ, 2014).

Anforderungen beim Golfsport

Für den Golfsport gilt es, durch eine nachhaltige Platzpflege die Herstellung regelgerechter Spielbedingungen auf der Anlage zu gewährleisten.
Die komplexen Zusammenhänge dieser spieltechnischen Anforderungen setzen ein gezieltes Pflegemanagement voraus, das nur mit fundiertem Fachwissen durch das Greenkeeping sichergestellt werden kann.

Hierzu zählen:

  • die pflanzenbauliche Gräserentwicklung,
  • die ökonomischen Voraussetzungen,
  • die ökologischen Anforderungen,
  • die sozialen Herausforderungen.

Die Forderung nach einer nachhaltigen Golfplatzpflege verlangt vom Greenkeeper deshalb eine ständige Aktualisierung und Entwicklung seiner Fachkompetenz durch Fort- und Weiterbildung. Genau diese Ziele verfolgt der Greenkeeper Verband Deutschland mit seinem aktuellen Zertifizierungs-Konzept.

Golf ist gut für die Natur und die Gesellschaft, wenn man die Möglichkeiten zur Erhaltung von Ökosystemen und den Schutz von wild lebenden Tieren, sowie die positiven Aspekte für Gesundheit und die Chancen für das Berufsleben berücksichtigt und nachhaltig damit umgeht. Ausgehend vom Ursprungsgedanken hat Golf das Potenzial zur beispielhaften Führung für nachhaltigen Sport und Business.
Alle Beteiligten haben das inzwischen erkannt, sodass sich die betroffenen Verbände und Organisationen mit der Entwicklung sinnvoller Standards befassen.

 

Wesentlichkeitsmatrix zur Illustration der Bewertungskriterien für die Nachhaltigkeit von Golfanlagen (beispielhaft).
Abb.2: Wesentlichkeitsmatrix zur Illustration der Bewertungskriterien für die Nachhaltigkeit von Golfanlagen (beispielhaft).

In einer sogenannten Wesentlichkeitsmatrix lassen sich die unterschiedlichen Kriterien bezüglich ihrer Bedeutung aus der Sicht des Greenkeepings bzw. aus der Perspektive der Stakeholder übersichtlich darstellen. Durch die Position und Kreisgröße werden die Prioritäten für die Handlungsfelder verdeutlicht. Auf der Grundlage einer derartigen Matrix können individuelle Konzepte zur Realisierung einer nachhaltigen Golfplatzpflege entwickelt werden.

Nachhaltigkeitsstrategie der Verbände

Eine verbindliche und einheitliche Ausrichtung auf die Ziele einer nachhaltigen Golfplatzpflege lässt sich derzeit nicht ausmachen. Die formulierten Ansätze und praktizierten Maßnahmen sind von der jeweiligen Perspektive der beteiligten Organisationen geprägt.

FEGGA-Strategie

Die europäische Greenkeeper Dachorganisation FEGGA verfolgt einen strategischen Ansatz zur nachhaltigen Golfplatzpflege. Seit 1996 engagiert sich die europäische Greenkeeper-Branche im Dachverband FEGGA bei der Beratung und der Diskussion zum nachhaltigen Pflegemanagement. Daraus resultiert der strategische Ansatz zu nachhaltigem und verantwortungsvollem Unterhalt auf Golfplätzen. Im Fokus stehen dabei das Prinzip „Best Practice of Maintenance“ zur Förderung eines nachhaltigen Verhaltens, die Forschung und Ausbildung für den Berufsstand, die Stärkung des Umweltbewusstseins sowie die Unterstützung der öffentlichen Berichterstattung (FEGGA, 2017).
Der Fokus liegt auf “Best Practice of Management” Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Leistungsfähigkeit und zur Unterstützung der Nachhaltigkeits-Aktivitäten.

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Abb. 3: FEGGA-Strategie zur nachhaltigen Golfplatzpflege. Quelle: FEGGA, 2017.

 

Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen u.a.:

  • Verringern des Verbrauchs von natürlichen Ressourcen.
  • Verringern der Umweltauswirkungen auf Fauna und Flora.
  • Fördern der Biodiversität durch die Schaffung von Lebensräumen für lokale Tier- und Pflanzenarten.

In der Rasenforschung werden beispielsweise folgende Aktivitäten gefördert:

  • Schaffung neuer Bewertungsinstrumente zur Bespielbarkeit von Golf- und Sportrasen
  • Förderung zusätzlicher Forschungsprojekte für chemiefreie Pflegetechniken.
  • Unterstützung und Schaffung von neuen und freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards.
  • Unterstützung, Förderung und Anerkennung von GEO (OnCourse, Legacy).

Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit durch:

  • Transparente Berichterstattung zu nachhaltigen Pflegekonzepten aus internationalen (GEO-OnCourse) und nationalen Umwelt-Programmen (z.B. „Golf & Natur).
  •  Sensibilisierung der Golfbranche und darüber hinaus der Öffentlichkeit für Nachhaltigkeitsfragen.

DGV mit Golf & Natur Programm

Seit den 90er Jahren setzt der Deutsche Golf Verband DGV mit dem Programm „Qualitätsmanagement Golf und Natur“ auf die Chancen einer nachhaltigen Golfplatzpflege. Bei Fragen der Platzpflege und des Umweltschutzes arbeiten der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A) und der Deutsche Golf Verband (DGV) eng zusammen.

2002 wurde “The R&A Golf Course Committee” (R&A Golfplatz- Ausschuss) gegründet und sein Ziel ist es, eine nachhaltige Golfplatz-Entwicklung und Pflege über die Einführung von Leitlinien für eine „gute fachliche Praxis“ zu fördern. The R&A Golf Course Committee hat hierzu eine umfassende Definition erstellt:

„Die Herausforderung bei der Golfplatzpflege besteht darin, die Qualität und Spielbarkeit des Platzes aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die soziale und natürliche Umgebung zu würdigen und positiv zu beeinflussen.“

Um die Arbeit des R&A Golf Course Committee zu unterstützen und eine Orientierungshilfe bei allen Fragen zur Golfplatz-Entwicklung und Pflege zu geben, wurde im Jahr 2004 die Homepage www.bestcourseforgolf.org frei geschaltet. Zusätzlich zu den Handlungsempfehlungen, die die Golfanlagen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen, sind Listen zum „Selbst-Check“ und „Benchmarking-Tools“ entwickelt worden. Der DGV empfiehlt seinen Mitgliedern und allen Interessierten ausdrücklich, von diesem nützlichen und kostenfreien Angebot des R&A Gebrauch zu machen (DGV, 2016).

Ansatz beim GVD

Im Sinne einer nachhaltigen Golfplatzpflege hat sich der Greenkeeper Verband Deutschland e.V. (GVD) die Aufgabe gestellt, die Weiterbildung seiner Mitglieder durchgängig zu fördern. Seit Jahren gibt es qualifizierte Tagungen und Seminare, die vom Bundesverband und von den Regionalverbänden organisiert und durchgeführt werden. Der Nachweis einer regelmäßigen Teilnahme an diesen Bildungsmaßnahmen ist somit eine logische Konsequenz des GVD-Qualifizierungssystems. Mit der neuen, erweiterten Zertifizierung wird die Bedeutung der aktiven Weiterbildung durch die Vergabe der Auszeichnungen „Certified Greenkeeper GVD” bzw. “Certified Head-Greenkeeper GVD” unterstrichen.

„Nachhaltigkeit bietet die Basis für eine sichere Zukunft“.

 

Untersuchungen im Rhizotron zur Wurzel- und Sprossentwicklung bei Poa pratensis in Abhängigkeit von der Konzentration der Nährlösung.

 

Die Entwicklung eines klaren Nachhaltigkeits-Konzeptes seitens des GVD, mit entsprechenden Standards und Prüfkriterien, steht noch aus.

Quellenangaben:

DEMOKRATIEZENTRUM, 2017: Nachhaltigkeit als handlungsleitendes Prinzip.
http://www.demokratiezentrum.org/themen/demokratie-und-nachhaltigkeit/handlungsleitendes-prinzip.html?type=98
DGV, 2016: Qualitätsmanagement Golf&Natur.
http://www.golf.de/publish/binarydata/A1608419__GuN__Broschuere__2016_Web.pdf
FEGGA, 2017: Responsible Golf Course Management.
http://www.fegga.org/wp-content/uploads/FEGGA-Responsible-Golf-Course-Management.pdf
GEO, 2017: https://sustainable.golf/about/geo
GVD, 2018: Das GVD-Zertifizierungssystem zum Certified Greenkeeper GVD / Certified Head-Greenkeeper GVD.
https://www.greenkeeperverband.de/fileadmin/content/Dokumente/GVD-Zertifizierungssystem/Zertifizierungssystem_2018.pdf
MÜLLER-BECK, K.G., 2017: Nachhaltige Golfplatzpflege - Konzepte für die Zukunft, Handout GVD-Jahrestagung, Nierstein.
PUFÉ, I., 2014: Was ist Nachhaltigkeit? In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Nachhaltigkeit. 64. Jhg. Vol. 31-32, S. 15–21.
UN, 1987: Bruntland Bericht. http://www.un-documents.net/our-common-future.pdf,
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm

 

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