Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

 

 

 

 

 

 

PDF-Download

Download:
Hier können Sie das nebenstehende Dokument als PDF-Datei herunterladen.

Download starten

Rasenthema: April 2013

Autor: © Dirk Fellenberg, Wolfenbüttel

Disc-Golf

Ein Sport in und mit der Natur

Eine umweltverträgliche Sportart inmitten der Natur bei schönem Wetter auszuüben, das kommt dem Idealbild einer aktiven Freizeitgestaltung vieler Menschen wohl sehr nah. Früher konnte man dafür einfach vor die Haustür treten, heutzutage gestaltet sich das ungleich schwieriger. Die demografische Entwicklung zeigt, dass es immer mehr Menschen in die Metropolen zieht, Ballungszentren wachsen und entwickeln sich. Dadurch entstehen häufig neue Wohngebiete, Straßenzüge und damit auch Grünanlagen mit Rasenflächen.

Die grünen Lungen der Städte sind besonders beliebte Orte geworden, an denen sich die Bürger mit vielfältigen Freizeitaktivitäten sportlich betätigen. Damit einher geht der Trend weg vom institutionalisierten Sport hin zu einem individuellen und persönlich zugeschnittenen Bewegungsverständnis.

 

Disc-Golf – ein Sport in und mit der Natur
Abb. 1: Foto: Stefan Brandes
Kurzes Anspiel beim Disc-Golf in der Parkanlage

Trendsport Disc-Golf

Viele Sportarten und -Vereine in Deutschland klagen über teils eklatanten Mitgliederschwund, doch es gibt auch Sportarten, die in den letzten Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen haben und rasant wachsen. Eine davon ist Disc-Golf, in den USA momentan „the fastest growing sport“. Vor knapp drei Jahrzehnten wurde in Kalifornien die Kombination aus Golf und Frisbee-Scheibe erfunden. Statt mit einem Golfschläger einen Ball zu schlagen, warf man nun also einfach eine Wurfscheibe so weit wie möglich und spielte dann von dort weiter, wo sie zum Liegen gekommen war. Die Golfregeln und die Fach-Terminologie wurden direkt übernommen, schon konnte es losgehen. So freuen sich zum Beispiel Disc-Golfer nach dem Tee-Off auch über Birdies und werfen einen Driver, um auf maximale Distanzen zu kommen.

Ein Problem galt es allerdings noch zu lösen: Ein Loch als Ziel für eine fliegende Scheibe war denkbar ungeeignet, deshalb wurde ein massiver Fangkorb mit locker herunterhängenden Stahlketten erfunden, die die Scheiben bremsen.

Mittlerweile gibt es in den USA über 3000 fest installierte Disc-Golf-Parcours, in Europa haben Schweden und Finnland die Vorreiterrolle mit mehreren hundert Anlagen übernommen. Zweistellige Zuwachsraten auch in Deutschland zeugen jährlich davon, dass ein Ende dieser Entwicklung noch nicht abzusehen ist. Derzeit gibt es bei uns 56 fest installierte Anlagen, Hochburgen der jungen Sportart sind Potsdam, Rüsselsheim und die Region Süd-Ost-Niedersachen um Wolfenbüttel.

Was macht Disc-Golf so attraktiv?

Die Spieler freuen sich über die sanfte sportliche Betätigung an der frischen Luft, die Einstiegsschwelle ist im Gegensatz zum doch kostenintensiven Golfsport niedrig. Weil fast alle Anlagen im öffentlichen Raum stehen und kostenlos zu nutzen sind, kann man sich schon mit einer einzigen Scheibe (Kosten ca. 10 €) auf die Runde begeben. Darüber hinaus kommt der Sport der demografischen Entwicklung sehr entgegen, auch ältere Menschen genießen die maßvolle physische Anstrengung gepaart mit taktischen Überlegungen in Bezug auf Abwurfwinkel oder die Einbeziehung der Windverhältnisse. Für Städte und Gemeinden ist das Golfspiel mit den aerodynamischen Scheiben, die bei guten Spielern locker über 100 m fliegen können, ebenfalls interessant.

 

Disc-Golf – ein Sport in und mit der Natur
Abb. 2: Foto: Stefan Brandes
Abwurfzone am Anfang einer Bahn der Disc-Golf Anlage

 

Für eine 9-Bahnen-Anlage benötigt man nur etwa zwei ha Fläche, eine Bahn ist dabei zwischen 40 und 150 m lang. Als Abwurf genügt ein ebenerdig eingelassener Rasenkantenstein, der Korb wird mit einer 40 cm tief einbetonierten Metallhülse im Boden fixiert. Die Anschaffungskosten, die sich mit Abwurfschildern und der professionellen Bahnenplanung im knapp fünfstelligen Bereich bewegen, sind überschaubar.

Anforderungsprofil von Spielflächen und deren Pflege

Geeignet für Disc-Golf sind nahezu alle Rasenflächen und Parkanlagen im urbanen Raum. Für die Bahnen wird die vorhandene Restvegetation mit in die Planung einbezogen. Einzelne Bäume, aber auch ganze Baum- und Strauchgruppen bieten oftmals interessante Gestaltungsmöglichkeiten, nichts ist für Disc-Golfer langweiliger als eine freie Wiese.
Besonders Parkanlagen mit Naturrasenflächen eignen sich also für diesen Sport, deren Vorteile sind evident:

  • Wohlfühlverhalten in der Natur,
  • Rasen als ästhetischer Anziehungspunkt,
  • Umfeld von Altbäumen und natürlichen Strauchgruppen,
  • Größenverhältnisse der vorhandenen Flächen,
  • Sichtachsen verdeckt,
  • ganzjährig nutzbar.

Bei Wettkämpfen bedienen sich die Sportler auch gerne mobiler Abwurfmarkierungen und Körbe. Diese werden temporär aufgebaut und verwandeln innerhalb kurzer Zeit jede Grünfläche in einen potenziellen Disc-Golf-Park. Großer Vorteil: Nach dem abendlichen Rückbau gibt es durch die sportliche Nutzung der Fläche keine Restspuren.

 

Disc-Golf – ein Sport in und mit der Natur
Abb. 3: Foto: Dirk Fellenberg
Regelmäßig gemähte Rasenfläche in einer Parkanlage der Stadt Wolfenbüttel zur Ausübung der Sportart Disc-Golf. Im Vordergrund Fangkorb mit locker herunterhängenden Stahlketten

 

Für die Rasenflächen gibt es aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen folgendes Anforderungsprofil: Bei einer extensiv gepflegten Parkanlage sind die Schnitthöhen oft sehr variabel. Mit der sportfunktionalen Nutzung der Flächen ändert sich das grundlegend. Disc-Golfer benötigen für ihren Spielbetrieb eine Schnitthöhe von ca. 5-7 cm. Bedingt durch die Intensivierung der Schnitthäufigkeit verbessert sich die Narbendichte relativ schnell. Sie kann durch eine ein- bis zweimalige Düngung (N-betont) pro Jahr (April und Juli) unterstützt werden. Da sich bei der stärkeren Benutzung auch einige Schadstellen bilden, lohnt es sich, mit einer Gebrauchsrasenmischung eine Nachsaat zur Regeneration der Flächen durchzuführen. Um einen schnellen Erfolg zu haben, sollte eine Lolium-dominante Mischung genutzt werden, mit Anteilen von Festuca rubra rubra (ausläuferbildend) und Poa pratensis zur Förderung der Scherfestigkeit. Als Alternative wäre hier eine Mischung mit Trifolium repens (Microclover) sinnvoll. Sollte es eine stark beschattete Parkanlage sein, so wäre eine Mischung mit Poa supina empfehlenswert. Damit die Poa supina nachhaltig gefördert wird, ist eine ausreichende Nährstoffversorgung erforderlich. Mit einer derartigen Nachsaat verbessert sich die Rasennarbe langfristig und ist somit auf die spätere Nutzung besser abgestimmt.

Hier ein Beispiel für die Nachsaatmischung:
  • 20 % Festuca rubra rubra
  • 65 % Lolium perenne ( in 3 Sorten)
  • 10 % Poa pratensis
  • 5 % Trifolium repens, alternativ 5 % Poa supina
Die Fläche muss jederzeit so gemäht sein, dass sie erkennbar begehbar ist. Aufwuchshöhen von über 10 cm haben sich als untauglich erwiesen, da die Scheiben oftmals zu lange gesucht werden müssen. Da Disc-Golf das ganze Jahr über und bei jeder Witterung gespielt wird, gestaltet sich Nachpflege und Renovation bei den Abwürfen und im Bereich um die Fangkörbe herum schwierig. Bei diesen sensiblen Teilflächen kann mit Fertigrasen für eine rasche Ausbesserung gesorgt werden. Eingeschränkte Bewässerungsmöglichkeiten verhindern jedoch oft eine nachhaltige Reparatur besonders im Bereich der Abwurfpunkte (hier könnten z. B. Kunstrasen oder Grantflächen eine Alternative bieten).

Verkehrssicherung im öffentlichen Grün

Regelmäßige Kontrollen im Sinne der Verkehrssicherung sind im öffentlichen Grün Pflicht. Neben der natürlichen Ansiedlung von Maulwürfen, Wühlmäusen und Kaninchen kommen zusätzlich Wühllöcher von Hunden hinzu. Die daraus resultierende Pflegenotwendigkeit bedeutet ständige Aufmerksamkeit, verbunden mit einem erhöhten Aufwand. Die Rasenflächen im öffentlichen Grün entwickeln sich verstärkt zu Lebensräumen, damit ergibt sich auch die Situation der Müllproblematik, sodass neben der Rasenpflege häufig Reinigungsmaßnahmen im Vordergrund stehen. Hindernisse in der Natur sind teilweise gewollt und nehmen auf die fliegenden Spielobjekte keinen Einfluss. Sollte dennoch ein natürliches Hindernis einen Abwurf behindern, so kann der Disc-Golfer vorher darauf reagieren und dementsprechend seinen Abwurfpunkt verändern.

Fazit

Disc-Golf im öffentlichen Grün liegt bei der Entwicklung hin zur freien sportlichen Nutzung von Rasenflächen und Parkanlagen voll im Trend. Die Stadt Wolfenbüttel fungiert dabei mit zwei Disc-Golf-Anlagen in öffentlichen Parkanlagen als bundesweites Vorbild und wird ihrem Ruf als Sportstadt gerecht.

Weiterführende Hinweise zum Thema:

www.discgolf.de – die offizielle deutsche Disc-Golf-Seite
www.discgolfpark.de – professionelle Parcoursgestaltung
www.tee-timers.de – einer der bekanntesten deutschen Vereine

 

« zurück

 

 

© 2017 Deutsche Rasengesellschaft e.V. (DRG) Telefon 0228-81002 35

Artikelarchiv:
Unsere Artikelsammlung wird seit 1999/2000 monatlich mit einem neuen Beitrag zum Thema Rasen versehen.
Artikelarchiv öffnen