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Rasenthema: Juli 2010

Autor: © Dipl. Agr. Biologe Martin Bocksch, Rasenfachberater Echterdingen

Krocket – der fast vergessene Rasensport

Krocket ist in Deutschland noch eine junge Sportart. Oder besser, sie ist wieder da, denn Krocket (englisch Croquet) hatte seine Hochzeit Ende des 19. Jahrhunderts. Der All England Lawn & Croquet Club (besser bekannt als Wimbledon) war früher einer der bekanntesten Krocket-Clubs in Europa, bevor Tennis dem beliebten Krocketspiel den Rang ablief. Dass die Wurzeln von Tennis im Krocket liegen ist bis heute unverkennbar: Die Fläche eines „Krocket-Lawns“ entspricht exakt dem von zwei (Rasen-)Tennisplätzen. Und auch die weiße Spielbekleidung der Krocketspieler wurde im Tennis übernommen. Der internationale Sport Krocket war bis 1904 Disziplin der Olympischen Spiele der Neuzeit.

 

Starker Schneeschimmelbefall

 

Was ist eigentlich Krocket?

Stellen wir uns einmal vor, ein Spaziergänger bleibt erstaunt und interessiert an einem Krocketfeld stehen und fragt sich, was die weißgekleideten Spieler da eigentlich machen.
Der Zuschauer sieht sechs Tore auf einem rechteckigen Feld stehen, vier außen in der Nähe der Ecken, zwei in der Mittelachse, dazu noch ein bunter Stab genau in der Mitte des Feldes. Offenbar sind vier Bälle im Spiel, ein blauer, ein roter, ein schwarzer und ein gelber. Zwei Spieler wechseln sich auf dem Platz ab. Was hat das für einen Sinn?
Einem Spieler gehören der blaue und der schwarze, dem anderen Spieler der rote und der gelbe Ball, also zwei für jeden. Die sechs Tore (englisch = hoops) werden im Uhrzeigersinn angespielt, links beginnend zuerst die vier Außentore, dann die zwei in der Mitte.

Die Spieler wechseln sich ab in dem Versuch, mit einem großen Schläger aus Holz (englisch = mallet) ein Tor zu schießen. Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Schlägen. Entscheidend und schwierig ist der Torschlag;  denn das Tor ist gerade einmal ca. 3 mm breiter als die Kugel. Da ist Präzision gefragt. Jedes durchspielte Tor ist ein Punkt. Gespielt wird bis sieben Punkte, in einem Turnierfinale auch bis zehn Punkte.

 

Der Krocket-Parcours nach internationalem Standard (26,5 x 32 Meter)

Der Krocket-Parcours nach internationalem Standard (26,5 x 32 Meter)

 

Die Spielregeln sind international festgelegt. Krocket ist ein sehr faires Spiel ohne Schiedsrichter. Die Spieler besprechen sich untereinander. Nur in seltenen unklaren Situationen wird ein Schiedsrichter hinzugezogen. Bis dahin erscheint alles einfach und logisch: Zwei Spieler, zwei Bälle für jeden, dazu sechs Tore. Wäre Krocket nicht mehr als ein Kinderspiel wären die Regeln damit wahrscheinlich zu Ende. Krocket ist aber nicht nur ein Spiel sondern echter Sport im Freien. Die Definition Spiel oder Sport ist nur eine Frage des Blickwinkels. Es gibt als Wettkampf zwei verschiedene Spielarten, Golfcroquet und Association Croquet.

 

Die Ausrüstung

Zum Spiel braucht man spezielle Schläger (Mallets). Diese sind eine Wissenschaft für sich und nicht an jeder Ecke erhältlich. In Deutschland können sie nur über einen Vertrieb, ansonsten ausschließlich in England und in Neuseeland gekauft werden. Für Interessierte stellen alle Clubs gerne Schläger zur Verfügung.

Der Krocket-Parcours nach internationalem Standard (26,5 x 32 Meter)

 

Das Spielset selbst besteht aus

- sechs schmiedeeisernen, weiß lackierten Toren (Hoops);

- einem Mittelstab (Peg);

- vier Kugeln (rot, gelb, schwarz, blau),

- vier Eckpfeiler (Cornerpegs);

- vier Eckfahnen (blau, rot, schwarz, gelb).

Ansonsten braucht man feste Sportschuhe (im Sommer wird auch gern barfuß gespielt). Bei Turnieren tragen alle Spieler weiße Kleidung.

 

Der Krocketrasen

Das wichtigste (und zugleich schwierigste) ist ein geeigneter Rasen. Die Fläche eines Krocketplatzes nach internationalem Standard ist 32 m x 26,5 m (35 x 28 yds) groß. Der Rasen muss kurz, dicht und sehr eben sein, damit die Kugeln gleichmäßig und auch über weite Strecken „treu“ laufen. Ein Rasen in Golfgrün-Qualität ist die beste Voraussetzung für einen perfekten Krocketplatz.
Damit sind wir sofort bei einer sandreichen Rasentragschicht und oft den ersten Problemen, denn die regelmäßige Düngung und bei Trockenheit im Sommer auch Beregnung sind Voraussetzungen um einen solchen Platz zu unterhalten.

Die Gräser werden auf eine Schnitthöhe von 5 – 10 mm gemäht. Damit kommen für die Ansaat in erster Linie die klassischen Gräser für Golfgrüns in Frage. Rotschwingel (Festuca rubra spp.) und das Rote Straußgras (Agrostis capillaris). Aber auch feinblättrige Sorten der Wiesenrispe (Poa pratensis) können hier zum Einsatz kommen.

Die notwendigen Pflegemaßnahmen für einen Tiefschnittrasen sind für die Platzverantwortlichen in der Regel nur schwer umzusetzen. Oft scheitert es an der dazu benötigten technischen Ausstattung vom Aerifiziergerät über die Spritze bis zum Vertikutierer und noch manch anderem Spezialgerät.
Im Vergleich mit dem Golfsport kommt noch eine weitere Schwierigkeit für die Pflege hinzu: Die Position der sechs Tore und des Pegs sind auf dem Krocketplatz exakt vorgegeben und können nicht versetzt werden. Um zu verhindern, dass die Belastung immer am selben Punkt ist, muss bei der Anlage des Platzes gleich die Möglichkeit der „Verschiebung“ nach rechts und links oder vorn und hinten berücksichtigt werden.

Was macht für Sportler und Fans den Reiz und die Faszination an Krocket aus?

Der große Reiz des Krocket-Sports ist die Mischung aus Konzentration, Präzision, Technik, Kraft und Ausdauer und das alles an der frischen Luft. Vergleichbar ist Krocket mit Curling, Billard oder Schach. Krocket ist keine Action-Sportart, eher etwas für Denker und Genießer und für all die, die gut mit Schläger und Ball umgehen können.

 

Der Krocket-Parcours nach internationalem Standard (26,5 x 32 Meter)

 

Dennoch hat Krocket jede Menge Spannung, denn die Faszination liegt darin, sich selbst in gute Position zu spielen und gleichzeitig den gegnerischen Spieler am Torschlag zu hindern. Das erfordert auch Geduld und man muss zwei oder drei Spielzüge im Vorhinein antizipieren können.

Krocket ist perfekt zum Abschalten, weil man sich voll auf Schläger, Kugeln, Tore, Rasen und den Spielablauf konzentriert. Dabei muss man sich immer wieder neu auf den natürlichen Spielbelag, den Rasen, einstellen.

Krocket ist grenzenlos. Es spielt jeder gegen jeden, Frauen gegen oder mit Männern, Jung gegen oder mit Alt. Die deutschen Krocketspieler sind im Alter zwischen Ende zwanzig und Ende siebzig.

Welche Wünsche hat der Krocket-Sport an die Zukunft?

Krocket ist durch die engagierte Arbeit des Krocketbundes und der Clubs heute fest in Deutschland etabliert, aber doch noch recht unbekannt.
Leider wird Krocket in den Medien mehr als Gartenspiel dargestellt und nicht als „richtige“ Sportart, die ernsthaft betrieben wird.
Wünschenswert wäre es, wenn sich mehr junge Leute für den Sport begeistern würden. Krocket ist hervorragend für Kinder und Jugendliche geeignet, da es Konzentration und Motorik fördert. Hier sollten Schule und Sportvereine sich stärker öffnen.

Gleiches gilt für die ausreichende Anzahl der notwendigen guten Rasenflächen. Sie müssen entsprechend groß und gut gepflegt sein. Es wäre zu wünschen, dass mehr Golfclubs dem Beispiel des Hamburger Land- und Golfclubs in Hittfeld folgen würden und  dem Krocketsport Rasenflächen als Krocketplätze zur Verfügung stellen. Eine Verbindung, die für beide Seiten sehr lohnend werden kann.

Der Deutsche Krocketbund (DKB)

Der Deutsche Krocketbund (DKB) besteht seit 1998. Ihm gehören zurzeit 10 Vereine sowie einige Einzelmitglieder an. Der Bund vertritt heute ca. 170 deutsche Spieler. Er ist Mitglied im europäischen sowie im Krocketweltverband. Öffentliche Clubs gibt es in Hamburg, in Wachenheim/Pfalz und in Bonn. Die weiteren Clubs sind eher privater Natur, aber ebenso offen für neue Mitglieder und Krocket-Interessierte.
In diesem Jahr trägt der Deutsche Krocketbund zum 13. Mal die Deutschen Meisterschaften aus.
Viel Interessantes zu den deutschen Clubs, Schnupperveranstaltungen und den Sport sowie die großen Turniere findet sich auf der Internetseite des Deutschen Krocketbundes (DKB) www.krocket.de und auf www.croquet-news.de.

 

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