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Rasenthema: Juni 2010

Autor: © Dr. Gabriela Schnotz, Juliwa-Hesa GmbH, Heidelberg und
Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft e.V.

Nachhaltige Winterschäden auf Rasenflächen erfordern Regenerationsmaßnahmen

Der Winter 2009 /10 hatte ganz Deutschland extrem lange fest im Griff. Auch die Gebiete, in denen üblicherweise nicht besonders viel Schnee fällt, waren betroffen, was sich unter anderem darin widerspiegelte, dass viele Kommunen nicht genug Streusalz zur Verfügung hatten.
Entsprechend geschwächt sahen die Rasenflächen am Ende des langen Winters aus. Schneeschimmel (Microdochium nivale) in Kombination mit Typhula-Fäule oder Grauer Schneeschimmel (Typhula incarnata),) verursachten zum Teil den totalen Ausfall kompletter Rasenflächen, andere waren mehr oder weniger stark geschädigt.

 

Starker Schneeschimmelbefall

Abb.1:
Starker Schneeschimmelbefall (Microdochium nivale) und Typhula-Fäule (Typhula incarnata) auf einer Strapazierrasenfläche

Auftreten der Rotspitzigkeit
Abb.2:
Auftreten der Rotspitzigkeit (Laetisaria fuciformis) bei geschwächten Rasenflächen
Fotos: G. Schnotz

 

Gräser sind in sehr hohem Maße in der Lage, sich nach den meisten Krankheiten bei richtiger Pflege wieder aus eigener Kraft zu regenerieren. Bei einem derartigen Befallsdruck (s.Bild) zu Beginn des Frühjahrs ist sicherlich ein Pflegekonzept mit einer zielgerichteten Nachsaat zur Wiederherstellung einer Rasennarbe erforderlich.
Folgende Maßnahmen erschienen auch in diesem Jahr notwendig und erfolgversprechend:

  • Entfernung des abgestorbenen Pflanzenmaterials z.B. durch striegeln oder vertikutieren,
  • stickstoffbetonte Frühjahrsdüngung zur Stimulierung der Vitalkraft,
  • Nachsaat der größeren Fehlstellen.

Das Wachstum muss jetzt durch die natürlichen Vegetationsbedingungen unterstützt werden.

Kritische Witterungsbedingungen

Leider spielte die Natur aber im Frühjahr nicht mit. Der April war bis auf ein paar Tage am Ende des Monats kalt und extrem trocken. Im Mai regnete es häufig und auch sehr ergiebig, die Temperaturen stiegen aber auch in diesem Monat nicht auf die sonst üblichen Werte an.
Somit fehlte ein entscheidender Faktor für das Wachstum und die Regeneration der Gräser, nämlich die Wärme.

Die vom abgestorbenen Pflanzenmaterial befreiten Rasenflächen schlossen sich wochenlang nicht. Der aufgebrachte Dünger wurde aufgrund der niedrigen Bodentemperaturen von den Pflanzen nur eingeschränkt aufgenommen, die erste Düngung verpuffte sozusagen und durch die erheblichen Niederschläge im Mai wurden leicht verfügbare Nährstoffanteile in tiefere Bodenschichten eingewaschen.

Die früh durchgeführten Nachsaaten konnten sich nicht etablieren, da für eine Keimung die Bodentemperatur ebenfalls viel zu niedrig war. Selbst Lolium perenne, die am schnellsten keimende Grasart, zeigte nach zwei bis drei Wochen keine normale Auflaufentwicklung,
damit war die komplette Rasenregeneration förmlich von einem Wachstumsstillstand betroffen. Auch der Aufwand für die Mäharbeiten war entsprechend gering.

Zwischen Mitte und Ende Mai trat dann schlagartig als weitere Krankheit Laetisaria fuciformis, die Rotspitzigkeit, massiv auf. Dieser Erreger entwickelt sich bevorzugt bei schlechter Nährstoffversorgung der Gräser. Dieser Zustand galt trotz Frühjahrsdüngung für zahlreiche Rasenflächen, da eine Nährstofffreisetzung  witterungsbedingt kaum erfolgte.

Vorbeugung zahlt sich aus

Auf allen Gebrauchsrasenflächen bestätigte sich, dass eine ausreichende und relativ späte Herbstdüngung positive Effekte zeigte. Auf diesen Flächen war der Schaden durch die Winterkrankheiten geringer ausgeprägt und die Gräser hatten genügend Reservestoffe, um unabhängig von der Frühjahrsdüngung die gewünschte Vitalität zu zeigen.

Kritischer sind die auch im Winter genutzten und oft sehr stark strapazierten Funktionsflächen einzustufen. Dazu gehören neben Fußballplätzen auch die Abschlags- und Grünsflächen auf Golfplätzen. Diese erlitten zusätzlich weitere Schäden durch die jeweilige Nutzungsintensität. Der Rasenzustand verschlechterte sich im Verlauf des Frühjahrs weiter und die Funktionsfähigkeit nahm ab.
In derartigen Fällen hilft nur die Schonung, bei Sportplätzen z.B. durch Ausweichen auf Kunststoffrasen, Hartplätze oder weitere Naturrasenplätze.

Spielpause für Regeneration nutzen

In den kommenden Wochen muss nun besonderer Wert auf angemessene Regenerationsmaßnahmen mit Nachsaat gelegt werden. Diese können nur dann erfolgreich sein, wenn den Sportrasenflächen genügend Zeit zur Etablierung einer frischen Rasennarbe erhalten. Sofern die Plätze nicht temporär gesperrt werden können, werden sich die Platzverhältnisse weiter verschlechtern, was unter Umständen im Anschluss tiefgreifende und teure Maßnahmen erforderlich macht.

 

Nachsaat

Abb. 3:
Erfolgreiche Nachsaat ist nur bei fachberechter Saattechnik zu erwarten, wie hier mit doppelreihigen Scheibensechen

Junge, Lolium dominante Rasennarbe
Abb. 4:
Junge, Lolium dominante Rasennarbe nach einer Regenerationssaat.
Fotos: K.G. Müller-Beck

 

Letztlich ist hier die Vernunft der Verantwortlichen gefordert –an den Rahmenbedingungen wie beispielsweise dem Wetter lässt sich nichts ändern. Der umsichtige und vernünftige Umgang mit Funktionsflächen, die ja immer einem bestimmten Zweck dienen sollen, fordert eben auch aus der Sicht der Nutzer unbeliebte Maßnahmen.

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