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Rasenthema: Mai 2010

Autor: © Dr. Gabriela Schnotz, Juliwa-Hesa GmbH, Heidelberg

Besondere Verfahren zur Begrünung

Auf Extremstandorten bedarf es besonderer Techniken, um eine Begrünung zu ermöglichen. Dazu zählen Steillagen ebenso wie sogenannte Rohböden, die keine biologisch aktive Schicht (Oberboden) aufweisen.

Diese Gegebenheiten entstehen zum Beispiel bei Aufschüttungen von Lärmschutzwällen, Straßenböschungen oder der Abdeckung von Deponien. Um dennoch ein Pflanzenwachstum möglich zu machen, kommen verschiedene spezielle Techniken zur Anwendung. Diese wurden entwickelt, um zum einen die Ansaat in extremen Geländeausprägungen überhaupt zu ermöglichen, zum anderen aber auch im Anschluss an die Ansaat mögliche Winderosion oder das Wegspülen des Saatgutes nach einem Starkregen zu verhindern. Zusätzlich müssen Bodenhilfsstoffe und Düngemittel mit aufgebracht werden, um ein Wachstum auf den oft „toten“ Böden zu ermöglichen.

Matten oder Gewebe zur Fixierung von Steillagen

Hier werden überwiegend Materialien wie Stroh, Kokos oder Jute eingesetzt – je nach Material und Stärke der Matten dauert die Verrottung ca. zwischen einem und fünf Jahren. Die Wahl des Materials richtet sich daher in erster Linie nach der Steilheit des Hanges – je steiler, desto länger muss der mechanische Schutz erhalten bleiben.

 

Strohmatten, am Hang einer neu gebauten Unterführung

Abb.1: Strohmatten, am Hang einer neu gebauten Unterführung
Foto: Foto: Dr.G. Schnotz


Die Begrünung kann dann entweder durch natürlichen Anflug erfolgen oder es wird vor Verlegung der Matten die gewünschte Saat ausgebracht – die Pflanzen sind geschützt und können problemlos durch die Mulchabdeckung durchwachsen. Auch die nachträgliche Pflanzung von Gehölzen stellt kein Problem dar. Die Matten werden eingeschnitten und die Pflanzen in die entstandene Lücke eingesetzt. So geht dabei der Schutz des Hanges nicht verloren.

Anspritzbegrünung oder Nassansaat (Hydroseeding)

Besondere Bedeutung kommt der Nassansaat im Straßen- oder Bahnlinienbau, im Bergbau und bei der Rekultivierung von Deponien oder Skipisten zu. Dabei wird eine Mixtur aus Wasser, Saatgut, Dünger, Bodenverbesserungsstoffen, Mulchmaterial und Haftklebern in sogenannten Hydroseedern hergestellt. Diese Mischung wird durch ständiges Rühren homogen gehalten und mit Hilfe von Pumpaggregaten und Hochdruckkanonen aufgebracht. Das Saatgut wird dadurch gleichmäßig verteilt, ein organischer Haftkleber fixiert die Saat wie auch die oberste Bodenschicht, und es entsteht ein zusätzlicher Schutz durch Mulchmaterial.

 

Aufbringen der Begrünungsmixtur an einem Straßenrand mit Sickermulde
Abb. 2: Aufbringen der Begrünungsmixtur an einem Straßenrand mit Sickermulde und hohem Verschlämmungsrisiko
Foto: J. Bloemer, Bender Rekultivierungen, Düsseldorf

 

Dieses Verfahren erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und Technik und kann daher nur von spezialisierten Betrieben bei größeren Flächen eingesetzt werden. Die Spritzweiten betragen bis zu 60 m, durch entsprechende Schlauchverlängerungen werden sogar Entfernungen bis zu 200 m überwunden. Gänzlich unzugängliche Flächen können sogar vom Flugzeug aus angespritzt werden.

Aufbringen der Begrünungsmixtur an einem Straßenrand mit Sickermulde
Abb.3: Begrünung mit Hydroseeder an einer senkrechten Lärmschutzwand
Foto: J. Bloemer, Bender Rekultivierungen, Düsseldorf

 

Eingesetzte Saatgutmischungen

Auf diesen extrem exponierten Standorten stellt natürlich auch die Pflege ein Problem dar. Oft kann nur einmal im Jahr mit Spezialmaschinen gemäht werden, manchmal muss man auf eine Pflege sogar ganz verzichten. Daher sind genügsame Arten, die nicht hoch wachsen, gefragt – Spezialisten, die mit wenig Nährstoffen auskommen, dabei aber durch ausreichende Durchwurzelung den Standort genügend fixieren. Häufiger geht man dazu über, die Ansaat nur als sogenannte „Initialsaat“ zu betrachten, die den Problemstandort festigt, es aber zulässt, dass sich die gebietsheimischen Arten durch Anflug ebenfalls ansiedeln können.

Zunehmende Bedeutung erlangt die sofortige Begrünung mit sogenanntem gebietsheimischem Saatgut – auch hier gibt es spezialisierte Saatgutlieferanten, die diesen Anspruch erfüllen können. Ziel dabei ist es, eine an die Region angepasste Vegetation zu erstellen. Durch Einsatz standorttypischer Arten wird die Etablierung auf der Fläche erleichtert und damit der Begrünungserfolg gesichert. Auch hier haben die Fachfirmen Erfahrung und Know-how und liefern damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung von Artenvielfalt und ökologischem Gleichgewicht.

Für manchen Autofahrer mag es gelegentlich störend wirken, wenn man auf der Straße durch einen Unimog oder LKW ausgebremst wird, auf dem ein Mann mit einem Feuerwehrschlauch steht und munter eine schmutzig-gelbe Brühe an die Böschung spritzt. In Zukunft wundern Sie sich vermutlich nicht mehr über eine derartige Behinderung; denn hier handelt es sich um eine sehr wertvolle landschaftspflegerische Arbeit handelt, die uns allen zu Gute kommt. Grüne Vegetationsflächen auch an extremen Standorten zu etablieren, ist eine schwierige Aufgabe, unser Auge erfreut sich jedoch am Begrünungserfolg.

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