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Rasenthema: April 2010

Autor: © Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft e.V.

WM-Rasen 2010 in Südafrika mit „Warm und Cool Season Grasses“

Die Tage bis zur Eröffnung der Fußball-WM in Südafrika am 11. Juni 2010 sind überschaubar. Fußballexperten diskutieren über die teilnehmenden Teams und die Spezialisten kommentieren die möglichen Spieler-Kader der jeweiligen Länder.
Fachleute aus der europäischen und internationalen Rasenszene beschäftigten sich jüngst bei der 2. ETS-Rasenkonferenz in Angers (11.-14.04.2010) mit aktuellen Fragen zur Rasenentwicklung.

Dabei fand der Beitrag von Dr. At Schoeman, vom Department of Zoology and Entomology, University of Pretoria, zum Thema: „Challenges in Preaparing Pitches for the 2010 FIFA World Cup in South Africa“ großes Interesse bei den Teilnehmern.

 

Dr. At Schoeman und Dr. Klaus Müller-Beck

Dr. At Schoeman (li.), Local Consultant Committee für die FIFA WM-Stadien in Südafrika, nach seinem Vortrag bei der 2. ETSC in Angers (F) im Gespräch mit Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft e.V., der als Chairman der Vortrags-Session fungierte, vor der Bildkulisse Cape Town mit Green Point Stadium (o.li.).
Foto: K.G. Müller-Beck


Nicht nur für die Konferenzteilnehmer sondern auch für viele Rasenexperten und Rasenfreunde lautet eine wichtige Frage:
Welche Gräser werden in den 10 WM-Stadien und auf den Trainingsplätzen in Südafrika eingesetzt?

Alle Rasenfelder sollen perfekt und in exakt gleicher Weise angelegt werden, um einheitliche Bedingungen für alle Teams zu gewährleisten. Neben den Empfehlungen einiger Berater vom Sports Turf Research Institute (STRI) in Bingley, ist der einheimische  Experte Dr. At Schoeman vor Ort für die praktische Umsetzung der Rasenvorbereitung  verantwortlich.

 

DLF-Versuchsanlage in Les Alleuds bei Angers, Frankreich
DLF-Versuchsanlage in Les Alleuds bei Angers, Frankreich, mit  „dormant“ Bermudagrass (braun) und verschiedenen „Overseedings“ zur Erhaltung des Rasenaspektes und der Bespielbarkeit von Rasenflächen während der Wintermonate.
Foto: K.G. Müller-Beck

Kikuyu-Grass mit „Overseeding“

Bei seinen Ausführungen im Rahmen der 2.ETS-Rasenkonferenz machte Schoeman deutlich, dass es im Vergleich zur letzten WM in Deutschland gleich mehrere Herausforderungen für einen perfekten Rasen gibt. Aufgrund der geografischen Lage in der südlichen Hemisphäre werden bei den Grasarten natürlicherweise die „warm season grasses“ in Südafrika bevorzugt. Für die Rasennutzung werden vornehmlich die Arten Pennisetum clandestinum (Kikuyu-Gras) und Cynodon dactylon (Bermudagrass) als Basisgräser in den Stadien genutzt. Da nun im Juni in Südafrika der Winter voll einsetzt treten diese Grasarten bekannterweise in eine Vegetationsruhe ein, die als „dormant“ bezeichnet wird und mit einer völligen Braunfärbung verbunden ist.
Ein fachgerechtes Programm zum „Overseeding“ mit „cool season grasses“  zählt deshalb zu den üblichen Pflegemaßnahmen.

Abgesehen vom „Green Point Stadium“ in Cape Town, mit einer Mischung aus Lolium perenne und Poa pratensis, nutzen alle anderen Stadien zur Stabilität und Sicherung der Scherfestigkeit Pennisetum clandestinum als Basisgras (Ausnahme im „Moses Mabhida Stadium“ in Durban mit Cynodon dactylon).

Abgeleitet aus den langjährigen Erfahrungen mit Rugbyplätzen und zahlreichen Golfplätzen testete At Schoeman verschiedene Mischungen mit unterschiedlichen Sorten, bevor er für die kommende Weltmeisterschaft eine Overseeding-Mischung aus 85 % Lolium perenne und 15 % Poa pratensis in jeweils mehreren Sorten zusammenstellen ließ.

 

Versuche zum Overseeding

 

Versuche zum Overseeding bei „dormant“ Bermudagrass in Angers (F) hier mit Lolium perenne NERUDA (25 g/m²)
Foto: K.G. Müller-Beck

Versuche zum Overseeding

 

Versuche zum Overseeding bei „dormant“ Bermudagrass in Angers (F) hier mit Lolium Westerwoldicum AXCELLA (40 g/m²)
Foto: K.G. Müller-Beck

Versuche zum Overseeding

 

Versuche zum Overseeding bei dormant Bermudagrass in An-gers (F) hier mit Poa trivialis SABRENA (15 g/m²)
Foto: K.G. Müller-Beck

Für die erfolgreiche Übersaat des Kikuyu-Rasens werden im März die Flächen mit Wachstumsregulatoren stark in der Entwicklung eingeschränkt. Vor der Nachsaat erfolgt eine intensive Ausdünnung der Rasennarbe mit dem „Scarifier-Gerät“, damit so die eingebrachte Mischung aus Lolium perenne (85 %) und Poa pratensis (15 %) eine gute Entwicklungschance bekommt. Zu Optimierung der Spieloberfläche folgen dann nach dem „Overseeding“ verschiedene Arbeitsgänge zum Topdressing.

Sanierung mit GrassMaster

Unter normalen Wachstumsbedingungen verläuft die Umstellung von „warm season“ auf „cool season grasses“ problemlos. Schwierigkeiten entstehen in milden Wintern, wenn das Kikuyu Grass erneut austreibt und anschließend durch Nachtfröste abstirbt. Auf diese Weise entstehen braune Flächen und eine unebene Oberfläche, die durch Topdressing nachgearbeitet werden muss.

Nach den jüngsten Tests und Beurteilungen durch die FIFA-Kommission werden nun im April
die Rasenplätze im Mbombela-Stadion in Nelspruit und im Peter-Mokaba-Stadion in Polokwane mit dem GrassMaster-System ausgestattet, nachdem die Rasenflächen noch einmal saniert wurden. Da hier die Stabilität des Kikuyu Grass fehlt, erfolgt die Armierung der Rasentragschicht durch eine Implantierung von ca. 20 Millionen Kunstfasern bis zu einer Tiefe von 20 cm.

Eine große Herausforderung für die Organisatoren liegt in der Nutzung der Stadien für den Rugby-Spielbetrieb. Bis vier Wochen vor der WM-Eröffnung werden zahlreiche Arenen mit allen Farbmarkierungen in der Rugby-Liga bespielt. Der Stadion-Greenkeeper muss dann kurzfristig durch Auswaschung von Logo und Markierungen für einen optisch ansprechenden Rasen sorgen!

Wir wünschen At Schoeman und allen Beteiligten ein gutes Gelingen!

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