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Rasenthema: August 2009

Autor: © Dr. agr. Harald Nonn, Rasenforschung EUROGREEN

Versuchsergebnisse zu Rasenmischungen mit Weißklee

In einem top gepflegten Rasen hat Weißklee (Trifolium repens) eigentlich nichts zu suchen. Hier wirken das nesterweise Auftreten und die weißen Blütenköpfe störend. Daher wird Weißklee in aller Regel von den Rasenbesitzern mit Herbiziden bekämpft. Seit einigen Jahren gibt es jedoch Züchtungen von kleinblättrigem Weißklee, der zusammen mit Gräsern in Mischungen für Rasen und Begrünungen unter dem Namen Microclover* angeboten wird.

In Versuchen, die wir seit 2000 an unterschiedlichen Standorten und verschiedenen Bodenarten durchgeführt haben, wies die Mischung aus dem kleinblättrigen Weißklee und hochwertigen Rasengräsersorten generell eine dichte Narbe mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Struktur und eine ganzjährig mittelgrüne Farbe auf. Eine Unterhaltsdüngung war nicht erforderlich, da der Weißklee als Leguminose mit Hilfe der Knöllchenbakterien (Rhizobien) Luftstickstoff binden kann. Dieser steht dann sowohl dem Klee als auch den Gräsern zur Verfügung und hält die Fläche grün. Im Folgenden werden die im Zeitraum Herbst 2005 bis Herbst 2008 gewonnenen Versuchsergebnisse vorgestellt.

 

Versuch 1
Foto 1:
Versuch 1: Microclover (1) im Vergleich zu ungedüngtem Rasen (2) und zu bedarfsgerecht gedüngten Rasenmischungen (3). Aufnahme im Juli 2008 (Fotos: H. Nonn)

Versuch 1 Detailaufnahme:
Foto 2:
Versuch 1 Detailaufnahme: Microclover (oben) im Vergleich zu ungedüngtem Rasen (unten). Aufnahme im Juli 2008 (Fotos: H. Nonn)

Versuch 1

Die Einsaat auf unseren Versuchsflächen in Betzdorf erfolgte im Oktober 2005. Bis Herbst 2008 wurde die Mischung nicht gedüngt. Trotzdem zeigte sie ganzjährig eine gleichmäßige Grünfärbung, die mit einem bedarfsgerecht gedüngten Rasen vergleichbar ist. Der Effekt der autarken Stickstoffversorgung von Rasengräsern und Klee war natürlich gegenüber einer ungedüngten Rasenfläche eklatant (Foto 1). Bemerkenswert war auch der anhaltende Grünaspekt während Trockenperioden. Krankheiten konnten im Untersuchungszeitraum nicht festgestellt werden.
Der Besatz mit anderen zweikeimblättrigen Kräutern blieb auf einem tolerierbaren Niveau. Die Blühwilligkeit des Klees war bei wöchentlichem Schnitt gering und auf einige Einzelpflanzen beschränkt.

Einzig und allein die Narbenstruktur ist und bleibt gewöhnungsbedürftig. Obwohl die Kleeblätter gegenüber normalem Weißklee klein sind, fallen sie in der Detailbetrachtung ins Auge (Foto 2). Da bei den meisten Menschen Rasen in Verbindung mit feinblättrigen Gräsern gesehen wird, ist es aus unserer Sicht besser, bei Microclover® von einer Grünfläche und nicht von Rasen zu sprechen.

 

Versuch 2
Foto 3:
Versuch 2: Nachsaatbereich (rot umrahmt) von Microclover im Fairway/Semirough. Aufnahme im Juli 2008 (Fotos: H. Nonn)

Versuch 3
Foto 3:
Versuch 3: Mit Micoclover nachgesäter Bolzplatz. Aufnahme im August 2008 (Fotos: H. Nonn)

Versuch 2

In einem weiteren Versuch wurde die Mischung in einem Fairway/Semirough  auf einer Golfanlage nachgesät. Die bestehende Rasennarbe wurde im Oktober 2006 stark vertikutiert und mit 25 g/m² Microclover®-Mischung nachgesät. Im gesamten Jahr 2007 konnten nur vereinzelt Kleepflanzen bonitiert werden, während sich die nachgesäten Gräser gut im Altbestand etablierten. Überraschend war dagegen die gleichmäßige Durchdringung des Bestandes mit Klee im Frühjahr 2008. Im Sommer 2008 bestach die nachgesäte Fläche gegenüber dem übrigen Fairway/Semirough durch eine bessere Trockenheitsverträglichkeit und durch einen gleichmäßigen Grünaspekt (Foto 3).

Versuch 3

Ende September 2006 wurde Microclover®-Mischung auf einem Bolzplatz nach intensivem Vertikutieren nachgesät. Anders als auf der Golfanlage etablierte sich auch der Klee bereits in 2007. Foto 4 zeigt den Gesamtaspekt im August 2008. In den stärker belasteten Torräumen konnte der Klee der hohen Belastung nicht standhalten. Hier war nur noch ein lückiger Bestand aus Gräsern vorhanden. Dagegen bleibt in den weniger beanspruchten Bereichen der Klee gleichmäßig im Bestand erhalten (Foto 5). Auffällig waren auch hier der ganzjährig befriedigende Grünaspekt und die gute Regenerationskraft der Gräser ohne zusätzliche Stickstoffdüngung.

 

Versuch 3 Detailaufnahme:
Foto 5:
Versuch 3 Detailaufnahme: Micoclover hat sich über die Nachsaat gleichmäßig im Bestand etabliert. Aufnahme im August 2008 (Fotos: H. Nonn)

Fazit

Zusammenfassend können auf Basis dieser Versuche folgende Feststellungen zu Microclover® getroffen werden:

  • Ganzjähriger Grünaspekt ohne Düngung
  • Befriedigender Grünaspekt bei Trockenheit, wenig Trockenschäden
  • Geringe Blühwilligkeit bei wöchentlichem Schnitt
  • Gleichmäßige Verteilung des Klees im Bestand bei Neueinsaat oder Nachsaat
  • Teilweise langsame Durchsetzung bei Nachsaat
  • Akzeptable Unkrautunterdrückung
  • Mittlere Belastbarkeit

Microclover® stellt somit eine Alternative für alle Grünflächen dar, deren Pflegeintensität hinsichtlich Düngung und Beregnung reduziert werden soll. Eine wöchentliche Mahd während der Vegetationszeit bleibt jedoch erforderlich. Einsatzschwerpunkte sehen wir im öffentlichen Grün sowie auf mittel belasteten Grünflächen wie z.B. Bolzplätze und Freizeitanlagen.

*Microclover ist ein eingetragenes Warenzeichen von DLF-Trifolium

 

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