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Rasenthema: August 2007

Autoren: © Dr. Hermann Freudenstein und Katharina Brandau, Bundessortenamt Hannover

Tiefschnittverträglichkeit von Festuca rubra L. sensu lato

Rotschwingel gehört bekanntermaßen zu den wichtigsten Rasengräsern. Er zeichnet sich vor allem durch eine dichte und feine Narbe aus und wird deshalb vorwiegend im Zierrasenbereich eingesetzt. Aufgrund seines sehr tief liegenden Vegetationskegels ist er relativ tiefschnittverträglich und somit auf Golf- oder Rasentennisanlagen, neben den in der Regel verwendeten Straußgräsern, von großer Bedeutung.

Das Bundessortenamt führt Raseneignungsprüfungen durch

Die Rasenprüfungen des Bundessortenamtes umfassen u. a. auch besondere Tests zur Prüfung der Tiefschnittverträglichkeit.

In der Prüfperiode 2003-2005 wurden dazu 60 Sorten der Art Festuca rubra L. sensu lato auf diese Eignung geprüft. Davon erhielten 30 Sorten die Noten 7-9 (= hohe bis sehr hohe Eignung) und haben somit ihre Tiefschnitteignung bewiesen. Die Hälfte der getesteten Sorten allerdings wurde mit den Noten 3-6 ( = geringe bis mäßige Eignung) bewertet und ist somit für diese Nutzungsrichtung nicht empfehlenswert.

 

Verteilung der Sorten
Abb.1: Verteilung der Sorten auf die Noten 3-9 in der Prüfung auf Tiefschnittverträglichkeit

 

Letzte Prüfperiode: 2003-2005
Standorte: Scharnhorst und Berlin
Aussaat: Mai 03
Düngung: je Standort und Jahr ca. 383kg N/ha in Form von Langzeitdünger in mehreren Gaben
Schnittanzahl: ca. 3 x pro Woche
Schnitthöhe: 5 mm
Vertikutiert: 2 x pro Jahr
Besandung 2 x pro Jahr
Beregnung: nach Bedarf
Bemerkungen: kein Tragschichtaufbau, gewachsener Sandboden

Abb.2: Technische Daten der Prüfung auf Tiefschnittverträglichkeit

Ob nun eine Sorte als tiefschnittverträglich eingestuft wird oder nicht, ergibt sich aus der Beurteilung von in einer Prüfungsrichtlinie festgelegten, für die Praxis relevanter Werteigenschaften, wie zum Beispiel dem allgemeinen Aspekt, der Narbendichte, der Blattfarbe, der Blattbreite, Krankheitsresistenz usw. Die Gesamtheit der Bewertungen führt letztendlich zu einem Index von 1-9, der die allgemeine Tiefschnittverträglichkeit benotet. Wobei die höchste Eignung mit der Note 9 bewertet wird.

 

Tiefschnittverträglichkeit
Abb.3: Rasenparzellen Tiefschnitteignung (Photos: alle BSA)
Tiefschnittverträglichkeit
Abb.4: Tiefschnittrasenmäher                                                 
Tiefschnittverträglichkeit
Abb.5: Besandung der Rasenparzellen

Wie sind die neuen Sorten zu beurteilen?

Als über beide geprüften Rotschwingeltypen (Horst- und Kurzausläuferrotschwingel) herausragend stellte sich die Sorte ’Musica’ (Festuca rubra ssp. commutata) dar. Sie wurde, wie die bekannte Standardsorte ’Barcrown’, mit der Höchstnote 9 in der Eignung für Tiefschnittrasen ausgezeichnet. Diese Sorten überzeugen durch eine hohe Narbendichte und einen über die ganze Vegetation besonders schönen Aspekt.
In der Gruppe der Horstrotschwingel (Festuca rubra ssp. commutata) neigt die Sorte ’Barswing’, im Vergleich zu ’Musica’, zu einer geringfügig stärkeren Lückigkeit und Verunkrautung, die Sorte ’Carioca’ bildet eine weniger dichte Narbe aus und weist zeitweilig geringe Mängel im Aspekt auf. Diese beiden Sorten werden deshalb mit der Note 8 bewertet und sind für den Einsatz unter Tiefschnittbedingungen ebenfalls bestens geeignet. Mit der Note 7 (= gute Eignung) bewertet wurden folgende Sorten: ’Barbirdie’, ’Capriccio’, ’Eurocrown’, ’Greensleves’, ’Legende’, ’Liresa’, ’Ursula’
In der Gruppe der Rotschwingel mit kurzen Ausläufern (Festuca rubra ssp. trichophylla) fallen die Sorten ’Borluna’, ’Corsaire’, ’Mirador’ und ’Niola’ positiv auf. Die Dichte der Narbe ist bei diesen Sorten besonders ausgeprägt und sie werden somit insgesamt mit der Note 8 bewertet.
Mit der Note 7 bewertet und damit für den Einsatz in Tiefschnittrasen geeignet sind folgende Sorten: ’Barmalia’, ’Borfebo’, ’Borsimo’, ’Euromaster’, ’Libeauty’, ’Lifair’, ’Little’, ’Mocello’, ’Reggae’, ’Toucan’.

Wie oben beschrieben kann etwa die Hälfte aller geprüften Sorten für den Einsatz im Tiefschnittrasen nicht empfohlen werden. Besonders in der Dichte der Narbe und im allgemeinen Aspekt können viele Sorten nicht mit den hoch bewerteten Sorten mithalten und werden früher oder später im Anbau zu Problemen führen. Die Wahl der richtigen Sorte ist also gerade im Profibereich, wie Golf- oder Rasentennisanlagen, besonders wichtig und Grundlage einer optisch wie spieltechnisch anspruchsvollen Anlage.

Für detailliertere Information wird auf die Ende des Jahres 2006 erschienene, Beschreibende Sortenliste ’Rasengräser’ des Bundessortenamtes verwiesen. Sie wird im Zweijahresrhythmus aktualisiert und enthält die Beurteilung aller in Deutschland zugelassenen Sorten und gibt somit einen Überblick über das gesamte Sortenspektrum im Bereich der Rasengräser.
Ein Blick hinein lohnt sich, denn diese Broschüre bietet infolge objektiver Beurteilung der Sorten Hilfestellung bei der Auswahl der für den gewünschten Zweck geeigneten Rasensorten.

Bezugsquelle: Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH
E-Mail: vertrieb.hannover@dlv.de

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