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Rasenthema: Mai 2007

Autoren: © Dr. Gabriela Schnotz, JULIWA-HESA GmbH, Heidelberg

Bewässerung von Rasenflächen - richtig gemacht

Kaum ist der Winter 2006/07 – der ja eigentlich gar keiner war – vorbei, geht es nahezu übergangslos in ein sommerliches Wetter über. Die erste Frühjahrspflege mit Rasendüngung, Regenerations- und Nachsaatmaßnahmen ist kaum erledigt, da taucht ein neues Problem auf: Trockenheit und Hitze.
Auch Rasengräser benötigen einen gewissen Zeitraum, um den Stoffwechsel von Winter- auf Sommerverhältnisse umzustellen. Fehlt diese Zeit, so bedeutet das auch für Gräser erhöhten Stress, der die Rasenqualität negativ beeinflussen kann.
Bereits Mitte April müssen Rasenflächen bewässert werden, um sie am Leben zu erhalten. Besonders sandige Böden und sandreiche Tragschichten, wie sie im Sportplatzbau verwendet werden, haben eine zu geringe Wasserspeicherfähigkeit, um die bereits jetzt auftretende anhaltende Trockenheit zu überstehen.

Im Allgemeinen wird der Beginn der Bewässerung so weit wie möglich heraus gezögert, denn es gilt die Regel: Einmal mit der Beregnung begonnen, sollte sie auch weitergeführt werden.

 

Mobile Beregnung
Abb 1: Mobile Beregnung des Hausrasens sorgt für sattes Grün.
(Foto: K.G. Müller-Beck)

 

Was sich nun offensichtlich im Sinne eines vitalen Rasens nicht vermeiden lässt, sollte zumindest sachgerecht durchgeführt werden. Es gibt einige grundlegende Regeln, die für die verschiedenen Bereiche – Pflege von Altbeständen, Neuansaaten und Nachsaaten sowie für Fertigrasen nach dem Verlegen – eingehalten werden sollten. Nur so wird eine gute Durchwurzelung des Bodens erreicht und die gewünschte Zusammensetzung des Pflanzenbestandes gewährleistet.

Es wird immer wieder gefragt:

  • Wie oft muss ich beregnen?
  • Wie lange muss ich beregnen?
  • Darf ich tagsüber beregnen?

Diese Fragen sind nicht pauschal zu beantworten, da die Beregnung von verschiedenen Faktoren abhängig ist.

  • örtliche Gegebenheiten (Relief, Windexposition, Witterung),
  • anstehende Bodenart bzw. Art des Substrates,
  • vorhandener Pflanzenbestand – Gräserarten,
  • vorhandene Beregnungstechnik und verfügbarer Wasserdruck.

Beregnungsanlage beim Sportplatz
Abb 2: Beregnungsanlage beim Sportplatz.
(Foto: G. Schnotz)

Beregnung von Altbeständen

Grundsätzlich gilt, möglichst große Mengen in großen Intervallen zu verabreichen. Das heißt, auch bei heißer Witterung sollte keineswegs täglich gewässert werden, sondern Zielsetzung ist es, ein Beregnungsintervall von 3-4 Tagen einzuhalten. Die ausreichende Wassermenge lässt sich sehr gut mit einer Spatenprobe definieren. Dazu sticht man einen Rasenziegel von ca. 15 cm Tiefe aus und kontrolliert die Eindringtiefe des Wassers. Diese sollte bei ca. 15 cm liegen, dann ist der Boden ausreichend durchfeuchtet und die Wurzeln sind bestrebt, dem Wasserangebot folgend tiefer zu gehen. Ein solcher Rasenbestand kann dann auch oberflächliche Austrocknung aushalten. Die angestrebten Intervalle sind damit durchführbar.

Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise ist das Fernhalten unerwünschter Gräserarten im Rasen. Poa annua (Jährige Rispe) und Poa trivialis (Gemeine Rispe) – nicht gern gesehen wegen ihrer hellen Farbe und geringen Scherfestigkeit – sind ausgesprochene Flachwurzler und können sich unter solchen Bedingungen nur schwer im Bestand halten. Zwar ist besonders die Jährige Rispe kaum vollständig aus Rasenflächen zu eliminieren, doch kann man den Besatz sehr gering halten.

Beregnung von Neuansaaten und Nachsaaten

Jeder Keimling ist durch Trockenheit und Hitze stark gefährdet, da sich zwar schon eine kleine Wurzel und ein Keimblatt gebildet haben, die für die Wasserversorgung aber nur einen sehr begrenzten Bodenraum nutzen kann. Bereits in der Phase der Quellung des Saatgutes, durch Wasser ausgelöst, besteht die Gefahr der Austrocknung und damit des Absterbens.
Daher gilt hier: Der Boden muss in der obersten Schicht feucht gehalten werden, sobald einmal Wasser zugeführt wurde. Bei extremen Witterungsbedingungen heißt dies auch mehrmaliges, kurzes Wässern tagsüber und eine ausgiebige Wassergabe, am besten in den frühen Morgenstunden, um den Boden tiefer zu durchfeuchten.
Haben die jungen Gräser erst einmal eine Wurzellänge von 3-4 cm erreicht (z.B. mit einem Messer nachprüfen) wird die Beregnung tagsüber eingestellt – die Gräser sind „aus dem Gröbsten raus“.
Dabei muss auch auf die Zusammensetzung der Saatgutmischung geachtet werden. Unter optimalen Bedingungen keimt das Lolium perenne (Ausdauernde Weidelgras) nach ca. 7 Tagen, Festuca rubra (Rotschwingel) nach 10-12 Tagen und die Poa pratensis (Wiesenrispe) erst nach 15-20 Tagen.

Beregnung nach der Verlegung von Rollrasen

Der Rollrasen (Fertigrasen) sollte auf ein erdfeuchtes Planum verlegt werden und anschließend wird durchdringend gewässert – die darunter befindliche Tragschicht muss durchfeuchtet sein. Bei größeren Flächen ist es wichtig, schnell mit der Bewässerung zu beginnen, da sonst der zuerst verlegte Rasen bereits eingetrocknet ist, wenn die gesamte Fläche fertig verlegt ist.

Ansonsten sollte in der ersten Woche, bis der Rasen ausreichend tiefe  Wurzeln gebildet hat, ähnlich vorgegangen werden wie bei der Neuansaat. Einmalige tiefgehende Bewässerung kombiniert mit kurzen Beregnungsgängen tagsüber, die dafür sorgen, dass die Rasensode stets feucht bleibt.

 

Versenkregneranlage
Abb 3: Versenkregneranlage auf einem Golf-Grün zur flächendeckenden
Bewässerung, Trockenschäden im Vorgrün-Bereich (Foto: K.G. Müller-Beck)

Fazit

Jeder Gartenbesitzer, der eine funktionstüchtige, gut eingestellte und gewartete Beregnungsanlage einbauen ließ, hat sehr gute Bedingungen für die Neuanlage und Pflege der Rasenflächen. Ist die Anlage noch über Zeitschaltuhren geregelt, ist auch das zeitliche Problem bei der Bewässerung von Neuanlagen oder Nachsaaten geregelt.
Bei einer notwendigen Bewässerung von Hand sind unbedingt die o.g. Tipps zu beachten – es erstaunt immer wieder, wie lange man beregnen muss, um eine ausreichend durchfeuchtete Vegetationsschicht zu erhalten.

Um noch eine wichtige Frage zu beantworten:

Rasen darf oder muss sogar tagsüber beregnet werden. Die Angst vor Verbrennungen ist im Gegensatz zu krautigen Pflanzen unnötig, da an den schmalen, aufrecht stehenden Blättern das Wasser abläuft und keine Tropfen stehen bleiben, die den gefürchteten Brennglaseffekt haben.

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