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Rasenthema: Februar 2006

Autoren: © Thomas Pasch, Gepr. Head-Greenkeeper, Borussia-Park, Mönchengladbach

Stadionrasen – Sonderpflege im Winter

Die heutige professionelle Sportvermarktung hat den Fußball so stark in den Focus der Öffentlichkeit gerückt, dass es kaum noch möglich scheint, Spiele aufgrund von unbespielbaren Platzverhältnissen abzusagen.
Aus diesem Grunde ist jeder Head-Greenkeeper in der Pflicht, für seinen Verein sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um seinen Platz in einem spieltechnisch einwandfreien und optisch makellosen Zustand zu präsentieren.
Die Möglichkeiten scheinen sich zwar wie immer an den finanziellen Rahmenbedingungen zu orientieren aber die örtlichen Verhältnisse sowie die  Witterung und nicht zuletzt der enge Zeitplan von Bundesliga, DFB-Pokal und Internationalem Wettbewerb zwingen die Rasenpflege immer wieder in ein recht enges Korsett.
Das Hauptaugenmerk der Pflege beschränkt sich im Winter auf die Vermeidung, Erkennung und Bekämpfung von Rasenkrankheiten und auf die Reparatur von Spielschäden.

Vorsorge-Maßnahmen:

Eine kalibetonte Düngung vor dem Wintereintritt ist Grundvoraussetzung für die erwünschte Pflanzenentwicklung. Der permanente Einsatz der Rasenheizung während des Winterspielbetriebes sorgt bei konstanten Bodentemperaturen von 8°-10° Celsius für minimales Wachstum und einen ansprechenden Farbaspekt.
Selbst eine Perforationssaat beginnt zu keimen und sorgt in den Lücken für eine leichte Bedeckung. Der Abtrocknungseffekt durch die Bodenheizung und eine vorausgegangene mechanische Lockerung der Böden sorgen für einen optimalen Gasaustausch im Wurzelhorizont und verbessern die Scherfestigkeit der Böden.

Achtung: Zu starkes Abtrocknen der Pflanzenbestände muss jedoch vermieden werden,
wenn die Beregnungsanlage aus Witterungsgründen nicht zur Verfügung steht.

Reparatur-Maßnahmen

In der Regel werden Ausbesserungen am Platz nach folgendem Schema durchgeführt:

Kleine Narbenschäden werden nach jedem Spiel durch so genanntes „Stöpseln“ ausgebessert. Hierbei werden runde Rasenstopfen mit einem Durchmesser von 10 cm  (maximal bis – 30 cm) mit einem Locheisen ausgetauscht.
Je nach Witterung und Spielverlauf werden nach dem Spiel ca. 400 bis weit über 1000 Stopfen pro Platz eingesetzt.
Das Ersatzmaterial sollte möglichst auf einer beheizbaren Ausgleichsfläche in Reichweite des Stadions „geerntet“ werden können.
Die identische Sportrasenmischung und geeignete Bodenverhältnisse einer Rasentragschicht gewährleisten einen spieltechnisch und optisch erfolgreichen Einbau. Auf die exakte Einbauhöhe der Stopfen ist unbedingt zu achten, um die gegebene Ebenflächigkeit nicht zu beeinträchtigen.

 

Einsatz von „Rasenstöpseln“
Abb. 1: Einsatz von „Rasenstöpseln“ zum Ausgleich
von Rasenschäden nach einem Fußballspiel,
Foto: Th. Pasch

 

Größere Rasenschäden, beispielsweise im Bereich der Schiedsrichter Assistenten Wege, werden mit so genannten Rasenplatten oder Blockrasen beseitigt.
Die Platten haben eine Größe von 45 x 45 cm und sind 4 cm dick. Bei einem Gewicht bis zu 20 kg lassen sie sich bei sachgemäßem Einbau nicht mehr vom Spieler heraustreten.

 

Verwendung von „Blockrasen“
Abb. 2: Verwendung von „Blockrasen“ zur Ausbesserung
vongrößeren Rasenschäden am Spielfeld, Foto: Th. Pasch

 

Die beschädigten Flächen werden mit einem tiefenjustierbaren Rasenhobel ausgehöhlt.
Im Anschluss wird die Rasenplatte eingesetzt und angestampft. Hierbei verkeilt sich die Platte trittfest im Spielfeld.
Je nach Schadbild werden nach jedem Spiel bis zu 250 Platten eingesetzt.

Umfangreiche Spielschäden während der laufenden Saison, die einen kontrollierbaren Umgang mit dem Fußball nicht mehr gewährleisten, sollten großflächig ausgetauscht werden. Im Winter geschieht dies durch Verwendung einer „Dicksode“ (35-42 mm Sodenstärke). Durch ihr hohes Eigengewicht ist die Dicksode auch ohne Verwurzelung sofort voll belastbar.
Eine Großrolle ist ca.1 m. breit und ca.12-14 m. lang. Sie wiegt je nach Bodenbeschaffenheit ca. 800 Kg.

Die geschädigten Flächen werden abhängig von Größe und Kontur mit einer Spezialmaschine ausgefräst oder mit einem Sodenschneider abgeschält. Anschließend wird das Feinplanum auf der bestehenden Rasentragschicht erstellt.

 

Entfernung des Rasens
Abb. 3: Entfernung des Rasens bei stark geschädigten
Teilflächen (z.B. Strafraum) zur Vorbereitung auf die
Verlegung einer „Dicksode“, Foto: Th. Pasch

 

Vor der Verlegung der Dicksode sollte das Planum von Hand aufgeraun werden, um eine bessere Verzahnung der Horizonte zu gewährleisten. Bodenhilfsstoffe und Dünger können hierbei mit eingearbeitet werden, damit die Wurzeln stimuliert werden, rasch in die Tragschicht einzuwachsen.

 

Entfernung des Rasens
Abb. 4: Verlegung einer „Dicksode“ mit Spezialgerät
zum Rasentausch  im Strafraum eines Stadionrasens,
Foto: Th. Pasch

 

Die vom Fertigrasen-Produzenten gelieferte Dicksode wird mit Hilfe einer Verlegemaschine abgerollt und fugenfrei angerückt. Je nach Zustand der Sode und der vorherrschenden Witterungsverhältnisse ist ein Anwalzen sinnvoll.

 

Abschließendes Anwalzen
Abb. 5: Abschließendes Anwalzen einer frisch verlegten
„Dicksode“, zur Vermeidung von Fugenbildung und
Erhöhung der Ebenflächigkeit, Foto: Th. Pasch

 

Unmittelbar nach der Beendigung derartiger Reparaturmaßnahmen ist die neue Dicksode voll belastbar und kann bespielt werden.

Problembereiche bei der Winterarbeit:

  1. Frostperioden sind nicht kalkulierbar. Die Rasenheizung lässt zwar die Erdarbeiten im Stadion zu, aber mit dem Heizungsbetrieb sind immense Kosten verbunden. Außenarbeiten sind auf Grund der hart gefrorenen Böden nicht möglich und somit können keine Soden geschält oder Stopfen und Platten geerntet werden.
  2. Fehlendes Wachstum lässt die verlegte Sode im Stadion noch lange als      Fremdkörper erscheinen. Verlegekanten verwachsen nicht und müssen nach jedem Spiel wieder kontrolliert und ggf. angestampft werden.
  3. Das Abschälen der Sode bedeutet eine Einschränkung für die Rasenpflanze. Sie verliert durch den Schälvorgang Wurzelmasse und wechselt gleichzeitig in ein lichtarmes und schlecht durchlüftetes Kleinklima im Stadion. Rasenkrankheiten sind hier häufig vorprogrammiert. Aufgrund der Nachtfröste während der Wintermonate können Krankheiten nicht effektiv bekämpft werden.
  4. Bei frostigen Tagen und Nächten stehen die Gräser mit den Wurzeln auf der Heizung und mit den Blättern im „Gefrierfach“. Der Standortwechsel ist für die Pflanzen extrem, sie brauchen häufig mehrere Wochen, um sich den Verhältnissen anzupassen.
  5. Die Pflanzen regenerieren sich aufgrund des stark verlangsamten Stoffwechsels sehr zögerlich. Änderungen im Zustand der Narbenqualität und des optischen Erscheinungsbildes lassen sich nur mit hohem Aufwand künstlich herbeiführen.

Fazit

Umfangreiche Pflege- und Reparaturmaßnahmen am Rasen gehören heute in den Stadien
und Arenen auch im Winter zur Tagesordnung. Der Umgang mit der lebenden Graspflanze
erfordert jedoch die Beachtung von Wachstumsregeln, die auch der kommerzielle Fußball
nicht außer Kraft setzen kann.

Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen den Ansprüchen der Stadionbetreiber und
der Leistungsfähigkeit der Rasenpflanzen kann im Pflegebereich nur durch eine
fachkompetente, effiziente und leistungsstarke Pflegecrew kompensiert werden.
Eine wichtige Grundvoraussetzung hierzu muss durch eine komplette, hoch technisierte Maschinenausstattung gewährleistet sein.

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