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Rasenthema: Januar 2006

Autoren: © Dr. agr. Harald Nonn, Rasenforschung WOLF-Garten/EUROGREEN, Betzdorf

Agrostis-Arten und Poa annua im Tiefschnittversuch

Auf der Rasenversuchsanlage von WOLF-Garten/EUROGREEN in Betzdorf wurden von 2001 bis 2005 zwanzig verschiedene Sorten folgender Arten auf ihr Verhalten unter Tiefschnitt getestet:

  • Agrostis stolonifera (Weißes Straußgras)
  • Agrostis capillaris (Rotes Straußgras)
  • Agrostis canina (Sumpfstraußgras)
  • Poa annua (Jährige Rispe)

Versuchsanlage und Pflege

Der Bodenaufbau der Versuchsfläche entsprach einem Golfgreen nach Bauweise G3 (FLL, 2000). Die Rasentragschicht mit 25 cm Stärke setzte sich aus einem Sand der Körnung 0/2 mit etwa 5 Vol.-% schwach zersetztem Weißtorf zusammen. Darunter stand eine Drainschicht aus Basaltkies an.
Die Schnitthöhe während der Vegetationsperiode betrug 5 mm. Die Fläche wurde 2 mal pro Jahr vertikutiert und gesandet. Es wurden keine Fungizid- oder Herbizidbehandlungen durchgeführt. Eie Belastung durch Spielbetrieb fand im Versuchszeitraum nicht statt. Die Stickstoffdüngung lag in den ersten beiden Jahren bei etwa 30 g N/m². Gedüngt wurde mit den golfspezifischen Langzeitdüngern Spring, Greens und High-K. Ab 2003 wurde das Stickstoffniveau auf etwa 18 g N/m² reduziert, damit die Eigenschaften von Agrostis canina besser beurteilt werden konnten.

Ergebnisse

Agrostis stolonifera zeigte erwartungsgemäß in den ersten beiden Jahren die höchste Narbendichte. Auffallend war, dass es kaum visuelle Unterschiede zischen der mittlerweile 50 Jahre alten Sorte Penncross und den neuen Sorten wie Barifera, Providence, L-93 und Penn G-2 gab. Unterschiede in der Anhäufung von Rasenfilz konnten zwischen den einzelnen Sorten nicht gemessen werden. Sie Sorte Penn G-2 zeigte in aller Regel als erste Krankheiten. Während des Versuchszeitraums wurden Rhizoctonia, Dollar spot, Fusarium und Laetisaria festgestellt. Aufgrund ihres sehr aggressiven Wachstums sind die Schäden bei Penn G-2 aber auch wieder am schnellsten ausgewachsen. In den Wintern 2001, 2002 und 2003 wies Agrostis stolonifera den geringsten Befall mit Schneeschimmel auf, wobei es zwischen den Sorten Schwankungen von 2% bis 47% befallene Fläche gab. Generell zeigten die Sorten von Agrostis stolonifera aber den besten Winteraspekt.

Die Sorten von Agrostis capillaris hatten generell eine hellere Narbenfarbe als die Sorten von Agrostis stolonifera. Während des Winters nahmen die Lücken bei allen Sorten von Agrostis capillaris zu. Besonders im ersten Winter 2001 wurden die Sorten von Schneeschimmel befallen. In die entstandenen Lücken wanderte ab Frühjahr 2002 Silber-Birnmoos (Bryum argentum) ein, welches während der gesamten Versuchsdauer im Bestand vorhanden war. Der Moosbesatz lag bei Agrostis capillaris höher als bei Agrostis canina und Agrostis stolonifera.

Agrostis canina zeigte im Vergleich zu Agrostis stolonifera während der Versuchsdauer einen etwas höheren Befall mit Schneeschimmel und mehr Moosbesatz. Die Narbenqualität im Winter lag auf vergleichbarem Niveau mit Agrostis capillaris wobei sie sich im Winter 2004 verbesserte. Insgesamt sind die Ergebnisse teilweise mit Vorsicht zu bewerten, da Agrostis canina empfindlich auf die N-Düngung reagiert. Während hohe N-Gaben Agrostis stolonifera im Wachstum fördern und die Qualität anheben, scheinen diese bei Agrostis canina genau das Gegenteil zu bewirken. In diesem Versuch haben wir den Eindruck gewonnen, dass Narbendichte und Rasenqualität von Agrostis canina bei niedrigerem N-Niveau steigen.

Beide geprüften Poa annua-Sorten konnten in keiner Weise an die Leistung der Strauß-gräser heranreichen. Die Narben blieben lückig und grob. Beide Sorten wurden jährlich bis zu 70% der Fläche von Schneeschimmel befallen. Bemerkenswert war auch die starke Blütentriebbildung, die erst im letzten Versuchsjahr etwas zurückging. Der Anteil an Moos stieg während der Versuchsdauer stetig an.

Organisations -Komitee „ETS“
Teilansicht Sortenversuch im Oktober 2004 (links Parzelle mit Poa annua,
teilweise mit Agrostis überwachsen)

Organisations -Komitee „ETS“
März 2003: Befall mit Schneeschimmel bei Poa annua (vorn) im Vergleich
zu Agrostis stolonifera (hinten)

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