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Rasenthema: Februar 2003

Autoren: © Dr. Heinz Schulz, Institut für Pflanzenbau und Grünland 340 Rasen-Fachstelle Universität Hohenheim 70593 Stuttgart

Gräserauswahl in der Diskussion!
Agrostis-Sorten der neuen Generation für jedermann?

Die höchsten Ansprüche an Homogenität und Tiefschnittverträglichkeit eines Rasens werden bei der Anlage von Golfgrüns verlangt. Hier kommt es nicht nur auf die richtige Mischung sondern auch auf die geeignete Sortenwahl an. In jüngster Zeit ist das Angebot an Agrostis-Sorten deutlich ausgeweitet worden und so ist es nur verständlich, das Greenkeeper und verantwortliche Betreiber von Golfanlagen nach den Spitzensorten verlangen. Diese Sorten haben ihren Preis, nicht nur bei der Beschaffung sondern auch bei der Pflege.

Mit der Einführung neuer Gräsersorten wird in der Regel eine Verbesserung der Leistungseigenschaften des Rasens, wie Narbendichte, Belastungsresistenz, Tiefschnittverträglichkeit sowie Krankheitsresistenz und Trockenresistenz verbunden.
Der Fortschritt in der Gräserzüchtung berücksichtigt aber auch Merkmale wie Blattfarbe, Textur oder Wuchsform. Die Optimierung und Vereinigung aller Eigenschaften bei der Züchtung einer neuen Sorte ist jedoch nicht zu erwarten.

Bei der Einführung der Sorten aus der Serie Penn "A" und Penn "G", für den Einsatz auf Golfgrüns, spricht man heute von einer neuen Generation bei den Flechtstraußgräsern (Agrostis stolonifera). Für diese Sorten gelten neue Maßstäbe bei der Beurteilung der Narbendichte; denn mit einem außerordentlichen Triebbildungsvermögen erreichen Gräser aus dieser Kategorie nach Angaben des Züchters, eine Triebdichte von 200 000 bis 250 000 Trieben pro m².
Im Vergleich hierzu erscheint die Dichte von 90 000 Trieben bei der Sorte Penncross eher gering, obwohl diese Sorte weltweit auch heute noch als guter Standard gilt.

Gräser-Eigenschaften

Die charakteristischen Eigenschaften der neuen Straußgräser lassen sich in folgenden Merkmalen zusammenfassen:

  • Aufrechter Wuchs
  • Feinste Textur mit höchster Triebdichte
  • Treue Puttoberfläche
  • Verbesserte Hitzetoleranz
  • Tiefe Wurzelbildung zur Optimierung der Gräser-Gesundheit
  • Hohe Verdrängungskraft gegenüber Poa annua
  • Ausgeprägte Tiefschnittverträglichkeit (Tiefschnitt erforderlich)

Mit diesen Leistungseigenschaften bieten die neuen Agrostis-Gräser den Golfern die besten Voraussetzungen für ein optimales Spiel, das in der Regel beim Putten auf dem Grün entschieden wird.
Ballrollstrecken von >300 cm sind der klare Beweis für die exzellente "Speedgeschwindigkeit", die bei der Stimpmeter-Messung ermittelt wird.

Sodengarten mit Penn-A4 Ansaat
Sodengarten mit Penn-A4 Ansaat
(Foto: K.Müller-Beck)

 

Pflegemanagement entscheidet über Qualität

Die herausragenden Leistungskriterien dieser neuen Gräser-Generation sind allerdings nicht zum "Nulltarif" zu haben. Eine eindeutige Abgrenzung der sogenannten Standardpflege in Verbindung mit den möglichen "Extras" wurde bisher in der Praxis nicht vorgenommen.
Es klingt verlockend, schnelle und treue Grüns mit einer Sorte wie "Penn A-4" oder "Penn G 2" zu etablieren. Die Ansaat mag zunächst noch nach bekanntem Muster ablaufen. Allerdings kommt bei einer erwarteten Schnitthöhe von +/- 3 mm der Ebenflächigkeit der Greensoberfläche eine ungewöhnliche Bedeutung zu, damit nicht nach den ersten Mähbahnen die Grüns "skalpiert" werden.

Durch den dichten Wuchs zählen Pflegemaßnahmen wie Groomer-Einsatz, Vertikutieren, Topdressen oder Bürsten zu den täglichen bzw. wöchentlichen Greenkeeping-Aufgaben. Hier führt die Anwendungshäufigkeit der Standardmaßnahmen zu einer klaren Intensitätssteigerung in der Pflege.

Auch die regelmäßige Einarbeitung von feinstem Sand in die Rasennarbe erfordert größtes Geschick, damit die Puttoberfläche nicht durch übermäßige Filzbildung zu weich wird. Die erforderlichen ausgewählten Sandqualitäten und die erhöhten Applikationstermine führen ebenfalls zu einer erhöhten Pflegeintensität.

Abgeleitet von den ersten Erfahrungen aus den USA kommen Fachleute zu der Einschätzung, dass der Pflegeaufwand für den Erhalt und die Etablierung der neuen Agrostis-Sorten leicht um mehr als ein Drittel steigen kann im Vergleich zum guten Standard von Agrostis dominanten Grüns. Besondere Unterschiede entstehen beim Mähaufwand, Topdressing, Bürsten und dem "Roller-Einsatz", der in Deutschland bisher wenig verbreitet ist.

Pflegeaufwand richtig einschätzen

Mit einem angemessenen Pflegebudget werden die Clubs, die sich bei der Neuanlage für die neuen "Bentgräser" entschieden haben, sicherlich gute Ergebnisse erzielen können.
Erfahrungsberichte über die Leistungseigenschaften dieser so dicht wachsenden Gräser unter unseren klimatischen Bedingungen wurden bisher noch nicht veröffentlicht. Exakte Auswertungen zum Kosten- und Pflegeaufwand sind ebenfalls bisher nicht öffentlich dokumentiert worden.

Die Diskussion bei der Gräserauswahl ist bei den Golfclubs und den Fachleuten in vollem Gange. Dies gilt nicht nur für die Neuanlage, sondern in verstärktem Maße für die nachträgliche Bestandsumwandlung alter Grünsflächen durch gezielte Nachsaaten bzw. Zwischensaaten (Interseeding).
Gerade unter diesen Bedingungen müssen die notwendigen Konsequenzen bei den nachfolgenden Pflegemaßnahmen eindeutig definiert und bewertet werden.

Ergebnisse aus Sortenversuchen nutzen

In einem umfangreichen Versuch ließ die USGA von der Grasart Agrostis stolonifera insgesamt 17 Sorten auf verschiedenen Golfplätzen (13 Standorte) im Praxistest untersuchen. Die Daten wurden über einen Zeitraum von vier Jahren bis 2001 erhoben. In den Abbildungen sind auszugsweise die Boniturwerte (Mittelwerte) einiger auch in Deutschland verfügbaren Sorten dargestellt. Als Testsieger wurde die Sorte Penn A-4 ermittelt, die ebenfalls unter den Standorten die höchste Beständigkeit zeigte. Ähnliche Daten, die mit Unterstützung der Saatgutfirmen in den USA zustande gekommen sind, wären auch für mitteleuropäische Verhältnisse von Interesse.

 

Boniturwerte von „Bentgräsern“ auf Golfgrüns im Praxistest Mittelwerte aus 13 Standorten in USA, von 1998 – 2001 (ausgewählte Sorten)
Quelle: USGA Green Section Record Jan.-Feb. 2003 , Bearbeitung K. Müller-Beck


Boniturwerte von „Bentgräsern“ auf Golfgrüns
Bewertung der Narbendichte während der Vegetationsperiode

 

Über die Erfolgsaussichten von Nachsaaten wird reichlich spekuliert. Die neuen Gräser haben eine hohe Konkurrenzkraft, aber sie müssen sich als Keimpflanze gegen die etablierten vorhandenen Gräser durchsetzen.
Über den Erfolg einer Bestandsveränderung entscheiden zahlreiche Parameter, wie alte Narbendichte, Witterungsverlauf oder die Art der mechanischen Boden-vorbereitung bzw. die Wahl des richtigen Nachsaatgerätes.

 

Boniturwerte von „Bentgräsern“ auf Golfgrüns im Praxistest Mittelwerte aus 13 Standorten in USA, von 1998 – 2001 (ausgewählte Sorten)
Quelle: USGA Green Section Record Jan.-Feb. 2003 , Bearbeitung K. Müller-Beck


Bewertung des Gesamt-Aspektes sowie der Farbausprägung
Bewertung des Gesamt-Aspektes sowie der Farbausprägung

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