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Rasenthema: Oktober 2001

Autor: © Dipl. Ing. agr. Thomas Pfaff, Königsbrunn

Ein Kraftakt zur Umwandlung der Greens auf die neue Gräsersorte Penn A-4

Ein Gespräch mit dem Head-Greenkeeper Peter Shaw, vom Golfclub München-Riedhof

Der Golfclub München-Riedhof e. V. wurde 1989 gegründet und als erster deutscher Platz nach den Normen der United States Golf Association (USGA) gebaut. Die Greens wurden damals mit dem Flechtstraußgras (Agrostis stolonifera) Sorte Penncross angelegt.
Die neue Agrostis stolonifera-Sorte Penn A-4 des Züchters Dr. Joe Duich, veranlaßte auch den Headgreenkeeper Peter Shaw im vergangenen Jahr dazu, die Greens auf seiner Golfanlage nach 10 Jahren mit Penncross-Bestand für die Golfspieler weiter zu optimieren. Hierzu wurden im vergangenen Herbst die Greens abgeschält und das Tragschichtsubstrat verbessert. Im März 2001 wurde Penn A-4 in Reinsaat eingesät, das Collar wurde mit Penncross angelegt. Während dieser Zeit fand der Spielbetrieb auf phantastisch gepflegten Wintergreens statt.

Nach Beginn der Saison auf dem Riedhof am 02. Juni 2001 gab Peter Shaw im Gespräch mit Thomas Pfaff einige Erläuterungen zum Umbau der Greens

Zunächst stellt sich die Frage:

Was war der Anlaß für den Umbau der Greens?
Peter Shaw: Über die ersten acht Jahre ihres Bestehens konnten die Penncross-Greens trotz des Voralpenland-Standortes überwiegend Poa annua frei gehalten werden. Hierzu war ein jährlicher Austausch von ca. 4000-8000 Sodenstücken mit dem Sodenstecher nötig.
Die beiden Winter 1998/99 und 1999/2000 haben uns hart getroffen, so daß durch den starken Schneeschimmelbefall der Poa-Eintrag dermaßen stark war, daß ein Auswechseln unmöglich wurde.
Viele positive Infos über Penn A-4 aus Amerika und Kanada, sowie ein Gespräch mit James Beard ließen meinen Entschluß reifen, den Schritt des Umbaus zu wagen.

Wann begannen die Planungen für den Umbau?

Peter Shaw: Im Juli 2000 waren meine ersten Überlegungen, wie ich diesen Umbau dem Club am besten "verkaufen" konnte.
Da ich wußte, dass in der Nachbarschaft einige Golfclubs mit ihren Greens sehr unzufrieden waren, nahm ich mit den dortigen Greenkeepern Kontakt auf, um meine "alten" Greens zu verkaufen.
Nach einem ausgiebigen Gespräch mit dem Präsidenten und Greenkeeper des Golfclubs Pähl stand fest, dass der dortige Club Soden für ca. 12 Greens kaufen wollte. Hier soll aber nicht der Eindruck entstehen, daß die Penncross-Greens in keinem guten Zustand waren, aber für den Riedhof wollten wir auf Dauer das Beste erreichen.
Im August legte ich dann zusätzlich einen Sodengarten mit Penn A-4 an. 14 Tage nach der Einsaat erfolgte der erste Schnitt, bereits nach drei Wochen waren die Greens aufgrund der warmen und schwülen Witterung mit fast täglichen Gewitterschauern am Abend so dicht, daß meine Stunde gekommen war.

Anläßlich der Beiratssitzung Anfang September zeigte ich den Mitgliedern des Beirates den Sodengarten mit der neuen Sorte und diskutierte den Umbau.
Die erste Frage war natürlich "Was kostet das?" Daraufhin habe ich den Beirat davon in Kenntnis gesetzt, dass ich die bestehenden Greens bereits "verkauft" hätte, die Maßnahme deshalb gar nichts kosten würde. Nach einer halben Stunde hatte ich die Zusage des Gremiums für den Umbau.
Nur durch meine hartnäckige Vorarbeit war es möglich, die Herren des Clubs zu überzeugen, die Entscheidung in meinem Sinne zu treffen.

Können Sie die Vorgehensweise beim Umbau erläutern?
Peter Shaw: Das Wichtigste war natürlich die Abstimmung mit meinen Greenkeeperkollegen, die von mir Greenssoden bezogen haben. Ich konnte nur so viele Soden schneiden, wie der jeweilige Club am Tage verlegen konnte. So schafften wir täglich ca. 2 Greens abzusoden.

Ein Kraftakt zur Umwandlung der Greens auf die neue Gräsersorte Penn A-4

 

Das Substrat, welches der USGA-Norm entsprach, wurde belassen und drei Mal auf eine Tiefe von 15 cm gefräst und anschließend gewalzt. Vor Winterbeginn wurde das Grobplanum mit 75 kg Algenmehl und 10 kg Primer-Granulat pro Green angereichert. Über Winter wurde das Green in diesem Zustand belassen.

Anfang März 2001 erfolgte die Lockerung der oberen Bodenzone mit der Bunkermaschine. Danach wurden ca. 20 g/m² Floranid Master extra und 100 g/m² Agrosil sowie 10 kg Primer Granulat/Green aufgebracht.
Es folgte die Feinplanie und am 08. März 2001 die Einsaat mit 8 g/m² Penn A-4, das Collar wurde mit 8g/m² Penncross angesät.
Bereits nach 14 Tagen war eine oberflächliche Ergrünung sichtbar. Dies stimmte mich optimistisch, den vorgegebenen Zeitrahmen einhalten zu können.

Rückschläge durch Witterung
Leider war das Wetter im April extrem ungünstig.....,wie übrigens in ganz Deutschland.
Lang anhaltende Kälte und immer wieder tagelanger Schneefall erzeugten einen sehr starken Pythiumbefall auf den neu angesäten Greens. Ich hatte hier überhaupt keine Möglichkeit, die Greens zu befahren, um eine Pflanzenschutzmaßnahme durchzuführen.
Bei Bodentemperaturen von 3-4 ° C waren ca. 35 % Penn A-4 ausgefallen.

Erfolg nach Wetterbesserung
Am 23. April 2001 konnte dann zum ersten Mal mit den Handgreensmähern gemäht werden.
Nun änderte sich die Situation schlagartig. Nach dem Wetterumschwung Anfang Mai mit warmen Tagen, aber auch ausreichenden Niederschlägen, war innerhalb von drei Wochen auf den Greens eine geschlossene Grasnarbe vorhanden. Lediglich das Collar ließ zu wünschen übrig, so daß hier noch einmal eine Nachsaat mit 5 g/m² Penncross erfolgte. Gedüngt wurde bis heute vier Mal mit jeweils 20 g/m² Floranid Master extra.

Welche Schnitthöhen haben Sie gewählt?
Peter Shaw: Begonnen haben wir am 23. April 2001 mit 7 mm Schnitthöhe, nach 10 Tagen haben wir auf 6 mm gemäht. Wiederum 14 Tage später waren wir auf 5 mm. Anfang Juni wurde die Schnitthöhe auf 4,3 mm gesenkt, das Endziel sind 3,5 mm Anfang Juli.

Können Sie uns etwas über die Gesamtkosten des Umbaus mitteilen ?
Peter Shaw: Der Umbau hat uns gar nichts gekostet. Wir hatten Ausgaben im Wert von 55.000 DM, davon haben wir eine Fräse im Wert von 2.500 DM gekauft, eine Walze zum Preis von 7.000 DM und Saatgut im Gesamtwert von 10.000 DM. Mit Algenmehl, Primer, Floranid Master extra und Agrosil kommen wir noch einmal auf einen Betrag von 10.000 DM, der Rest ist Arbeitszeit.
Diesen Ausgaben stehen Einnahmen in Höhe von 45.000 DM für den Verkauf der alten Soden gegenüber. Wenn man jetzt noch bedenkt, daß die Aerifizierung und Besandung sowie eventuelle Schneeschimmel-Behandlungen im Herbst weggefallen sind, und auch im Frühjahr kein Vertikutieren und Topdressen notwendig war, können in unserem Falle noch einmal Einsparungen von ca. 15.000 DM veranschlagt werden, so daß alles in allem keine zusätzlichen Kosten für den Club entstanden sind.

Was sagen die Spieler zu den neuen Greens ?
Peter Shaw: Die Spieler sind sehr zufrieden, sie haben so etwas nicht für möglich gehalten. Die Greens sind bereits heute sehr treu und schnell.

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