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Rasenthema: Mai 2001

Autor: © Dipl. agr.Biol. Martin Bocksch

Dachbegrünung und Schotterrasen

Das 91. Rasenseminar der Deutschen Rasengesellschaft fand am 28. und 29. Mai an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim bei Würzburg statt. Nach anfänglich verhaltenem Interesse lockte das Thema "Dachbegrünung und Schotterrasen" doch etwa 40 internationale Fachleute an den Main. Die Veranstaltung wurde mit Dankes- und Grußworten von Herrn Dr. Klaus Müller Beck, Vorstand der Deutschen Rasengesellschaft, an Herrn Dr. Walter Kolb, Leiter der Abteilung Landespflege (LWG) und Organisationspartner vor Ort, sowie an die drei eigens angereisten Fachkollegen aus den USA, eröffnet.

Aus der Arbeit der LWG

Traditionell befaßt sich die LWG, die direkt dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, mit Fragen des Weinbaus. In den letzten Jahrzehnten fand jedoch auch der Bereich der Landespflege immer stärkere Berücksichtigung.
Einen Überblick über die vielseitigen Forschungsansätze der Abteilung Landespflege gab Herr Dr. Walter Kolb. Zur Thematik "Rasenfugenpflaster" werden unterschiedliche Substrate, verschiedene Pflastersysteme und unterschiedliche Ansaatmischungen erprobt. Neben Ansaaten nach der RSM kommen vermehrt Dicotyledonen zum Einsatz, die natürlicherweise in Trittrasengesellschaften vorkommen und deshalb für diesen Bereich besonders geeignet erscheinen. Zur Bewertung der Flächen wird auch der Aspekt ihre Wasserdurchlässigkeit berücksichtigt.

Präsentation von Versuchen

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Geisenheim werden in einem langfristig angelegten Großversuch 6 verschiedene Dachbegrünungssysteme verschiedener Hersteller in einem Systemvergleich an zwei Standorten getestet. Neben dem optischen Eindruck wird auch der monetarisierte Pflegeaufwand ermittelt. Die einzelnen Systeme wurden von den Herstellern selbst auf einer mit 15 Grad geneigten Fläche von 10 m2 installiert, wobei ein maximales Gewicht von 60 kg m-2 nicht überschritten werden durfte. Die Pflege der "Dächer" erfolgt von der LWG nach den Angaben der Hersteller. Schon im zweiten Jahr zeigen sich optisch deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Systemen ( Abb. 1). Sie bestehen aus unterschiedlichsten Substraten. Ihre Begrünung erfolgte durch Pflanzung, kombinierte Sprossenansaat, oder mit bereits begrünten Vegetationsmatten aus unterschiedlichen Materialien. Deutlich hoben sich artenärmere "Dächer" mit einem eintönigen Farbaspekt von anderen Systemen mit hoher Artenvielfalt und entsprechend buntem Aspekten ab. Der Deckungsgrad zwischen den einzelnen Flächen variiert stark.

Vortragsveranstaltung am 2. Tag

Herr Fritz Hämmerle, Vorsitzender der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V., referierte über die "Dachbegrünung im Anspritzverfahren". Den Hauptanteil an der begrünten Dachfläche in Deutschland (derzeit etwa 15 Millionen m2) stellen mit 95% extensiv begrünte Flächen dar. Die kostengünstigste Variante zur Anlage von Dachbegrünungen ist mit 4-6 DM m-2 die Anspritzbegrünung. Die Anspritzmischung enthält Sedumsprossen (3-5 Arten), wenige Gras- und etwa 40 Kräuterarten. Daneben besteht sie zu 50% aus Wasser und zu 50% aus Zuschlagstoffen wie Mulchstoffe, organische Masse, Langzeit N-Dünger, organische Klebemittel und Alginate als Bodenerschließungsmittel.

Herr Dr. Bernd Krupka, Autor eines Fachbuches zum Thema Dachbegrünung, referierte anschließend über "Standortbedingungen und Vegetationsaspekt extensiver Dachbegrünung". Das Erscheinungsbild einer Neuanlage führt häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, die nicht selten vor Gericht enden. Diese Streitigkeiten werden oft sehr unsachlich geführt und sind mit einer guten "Informationspolitik" bzw. klaren Zieldefinitionen im Vorfeld vermeidbar. Auch eine geeignet Artenwahl und die Vermeidung von Monokulturen sorgen für eine größere Akzeptanz beim Auftraggeber. Eine umfangreiche Standortanalyse, bei der sowohl unveränderbare Standortfaktoren berücksichtigt, als auch veränderbare Faktoren optimiert werden müssen, ist unabdingbar. Nur so können grobe Fehler vermieden werden. Als Fazit gilt: Die Vegetationsentwicklung extensiver Dachbegrünungen ist nur in engen Grenzen planbar.

"Zur Wasserrückhaltung der Dachbegrünungen" sprach Herr Dr. Walter Kolb. Die Ableitung des Oberflächenwassers stellt in Ballungsgebieten mit einer Versiegelung von 40-50% ein großes Problem dar. Hier kann die Dachbegrünung einen entlastenden Beitrag leisten. Dabei zeigt sich, daß das Retentionsvermögen mit steigender Dicke der Begrünung steigt, d.h. der Abflußbeiwert sinkt. Es erfolgt eine Reduktion der Wassermenge und eine zeitliche Verzögerung des Abflusses, die sich mit steigender Dicke und Fließstreckenlänge erhöhen.

Abschließend sprach Herr Dr. Kolb über "Schotterrasen - Stand der Technik , FLL Regelwerk, Versuchsergebnisse" und berichtete über die Diskussionen bei der Erarbeitung des FLL Regelwerkes 2000 innerhalb der Arbeitsgruppe. Bei einer Untersuchung verschiedener bestehender Schotterrasenflächen zeigten sich große Unterschiede bei der Wasserdurchlässigkeit. Wichtig bei der Erstellung von Schotterrasenflächen ist die Verzahnung der Vegetationsschicht mit dem Untergrund bzw. der Schichten untereinander.

Originalbericht in Zeitschrift: Rasen-Turf-Gazon Nr. 2/2001

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