Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

 

 

 

 

 

 

PDF-Download

Download:
Hier können Sie das nebenstehende Dokument als PDF-Datei herunterladen.

Download starten

Rasenthema: August 2000

Autor: © Dr. Harald Nonn

Licht und Schatten - Grenzen für das Rasenwachstum

Einleitung

Licht übt neben den Wachstumsfaktoren Wasser und Nährstoffen einen entscheidenden Einfluss auf das Wuchsverhalten und die Entwicklung fotosynthetisch aktiver Pflanzen aus. Ohne eine ausreichende Lichtzufuhr ist kein Stoffaufbau möglich. Das für Rasenflächen wichtige Regenerationswachstum unterbleibt. Viele Rasenflächen in Schattenlagen weisen daher sehr geringe Bodendeckungsgrade und schwach ausgebildete Gräser auf. In den bis-her durchgeführten Untersuchungen zeigen die Gräserarten und teilweise auch die Sorten deutliche Unterschiede in ihrer Schattentoleranz. Besonders die Lägerrispe (Poa supina Schrad.) ist in der Lage, auch in stark beschatteten Bereichen noch akzeptierbar dichte Rasennarben zu produzieren.

Lichtquantität und Lichtqualität

Qualität und Quantität des Lichtes haben einen wesentlichen Einfluss auf das Wachstums-verhalten der Gräser. Entscheidend für die Fotosynthese und damit für den Stoffaufbau der Gräser sind hierbei die beiden Spektralbereiche im blauen (435 nm) und roten (660 nm) Licht (Abb. 1). Zusätzlich darf die Intensität der Strahlung einen bestimmten Schwellenwert (Licht-kompensationspunkt) nicht unterschreiten. Bei Lichtmangel kommt es zu physiologischen Störungen innerhalb des Stoffwechsels, die zu einem ständigen Stoffabbau führen. Partieller Lichtmangel ist auf vielen Rasenflächen anzutreffen. In den Schattenbereichen sind sowohl die Lichtqualität als auch die -quantität derart modifiziert, dass die Gräser Wachstumsstörun-gen bis hin zum Totalausfall aufweisen. Zudem kommt es, je nach Schattenart (Bäume, Ge-bäude), zusätzlich zu Verschiebungen innerhalb des Lichtspektrums.

 

Lichtspektrum bei der Fotosynthese
Abbildung 1: Lichtspektrum bei der Fotosynthese

 

Eine Reihe von Faktoren wie z.B. Breitengrad, Tageslänge, Witterung bestimmt die Menge der eingestrahlten Energie, die für die Pflanzen nutzbar ist. Für das Wuchsverhalten von Gräsern sind dabei die Tageszeit und die Dauer des Lichteinfalls entscheidend. Dabei liegt der Lichtsättigungspunkt bei den Gräsern Mitteleuropas bei etwa 20.000 bis 30.000 lux. Hö-here Energiemengen werden nicht mehr in Wachstum umgesetzt. Der Lichtkompensations-punkt, bei dem Stoffaufbau und -abbau sich die Waage halten, liegt nach bisherigen Unter-suchungen bei ca. 1.000 bis 2.000 lux.
Lichtmangel verursacht bei Pflanzen sehr unterschiedliche phänotypische Erscheinungen (Tab. 1). Hinzu kommt bei Lichtmangel noch der stärkere Befallsdruck durch das Keimen parasitärer Pilze sowie die höhere Anfälligkeit der Gräser durch die Ausbildung schwacher, wässriger Gewebestrukturen.

Bei Lichtmangel
  • sinkender Chlorophyllgehalt, daher schlechtere Lichtausbeute
  • schlechterer Grünaspekt
  • kleinere Blätter
  • dünnere, weichere, wässrige Blätter
  • geringeres Wachstum
  • geringere Bestockung und Narbendichte
  • Aufbrauchen der Reservekohlenhydrate, keine Regenerationskraft
  • ständiger Stoffabbau bis zum Absterben

Tabelle 1: Auswirkungen von ausreichender Belichtung und Lichtmangel auf das Wachstum von Gräsern

Gräserbestände im Schatten

Neuere Untersuchungen, die der Autor beim XXX. Internationalen Rasenkolloquium vorge-stellt hat, zeigen deutliche Unterschiede in der Bestandsentwicklung von beschatteten und unbeschatteten Rasenflächen. Die Messungen von Beleuchtungsstärke, Deckungsgrad und Arteninventar belegen, dass es im Schattenbereich von Laubbäumen allein Poa supina ge-lingt, bei Lichtstärken unter 1.000 Lux hohe Flächenanteile einzunehmen. Unterhalb von 250 Lux ist jedoch auch mit Poa supina kein Rasen mehr möglich. In Tab. 2 sind einige Ergeb-nisse der Untersuchungen dargestellt.


Ort Unbeschatteter Bereich Beschatteter Bereich
Lux Arten DG (%) Lux Arten DG (%)
1 7.200 42% Lp
24% Fr
18% Pp
13%Pa
3% Ag
98 280 60% Fr
40% Pa
15
2 15.200 92% Ps
8% Lp
100 270 100% Ps 92
3 16.000 30% Fr
29% Lp
23% Dc
18% Pp
85 800 71% Fr
25% Dc
4% Lp
40
Lp = Lolium perenne (Deutsches Weidelgras)
Pp = Poa pratensis (Wiesenrispe)
Ps = Poa supina (Lägerrispe)
Fr = Festuca rubra ssp. (Rotschwingel)
Pa = Poa annua (Jährige Rispe)
Ag = Agrostis sp. (Straußgras)
Dc = Deschampsia cespitosa (Rasenschmiele)


Tabelle 2: Narbendichte und Bestandszusammensetzung auf Rasenflächen mit unterschiedlicher Beleuchtungsintensität

 

Eine ausführliche Information zu der Thematik Licht und weitere Untersuchungsergebnisse werden in einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift Rasen-Turf-Gazon veröffentlicht.

Rasenfläche mit Poa supina unter Walnussbaum, 270 lux.

Rasenfläche mit Poa supina unter Walnussbaum, 270 lux.

« zurück

 

 

© 2017 Deutsche Rasengesellschaft e.V. (DRG) Telefon 0228-81002 35

Artikelarchiv:
Unsere Artikelsammlung wird seit 1999/2000 monatlich mit einem neuen Beitrag zum Thema Rasen versehen.
Artikelarchiv öffnen