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Rasenthema: Juni 2000

Autor: ©Martin Bocksch

Berliner Tiergarten - Ein Zoo für den Rasen?

Jeder kennt die Rasenmischungen, die unter dem Namen "Berliner Tiergarten" angeboten werden. Sie werden viel verkauft. Aber woher dieser ungewöhnliche Name für eine Rasenmischung stammt, und daß sich oft keine Qualität damit verbindet, wissen nicht viele.

Die Geschichte der Rasenanlage

Die erste Methode zur gezielten Anlage von Rasenflächen war das Auslegen von Rasensoden. Das wurde schon im 18. Jh. so gemacht. Heute nennt sich dies die Rollrasenmethode (also keine neumodische amerikanische Erfindung). Später setzte sich das Ausbringen von Heuresten, der sogenannten "Heubodenspreu" durch. Man fegte die abgefallenen Samen des Heus vom Heuboden zusammen und säte diese im Frühjahr aus. An eine geregelte Saatgutproduktion war noch lange nicht zu denken. In den klassischen Rasenländern wie England, USA, aber auch im damaligen Rußland, gewann diese wesentlich einfachere Methode gegen Ende des 18. Jh. rasch an Bedeutung. In Deutschland tat man sich dagegen zunächst schwer mit der neuen Technik.

Der Berliner Tiergarten wird zum Landschaftspark

Der Durchbruch der Ansaat fand hier erst Mitte des 19. Jh. statt. Der damalige "Berliner Tiergarten" sollte im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III vom königlichen Jagdrevier zum Landschaftspark umgestaltet werden. Hiermit wurde Peter Joseph Lenné beauftragt. Es galt, gewaltige Flächen neu zu begrünen. Mit der Rasensodenmethode war so ein Auftrag nicht durchführbar. So nutzte Peter Lenné als erster für eine großflächige Rasenansaat die Heubodenspreu zur Aussaat. Von der deutschen Fachwelt wurde die Anlage skeptisch betrachtet. Entgegen vieler kritischer Meinungen, wurde sie jedoch ein voller Erfolg und die Bezeichnung "Berliner Tiergarten" für eine Rasensaatgutmischung ist nach wie vor ein stehender Begriff.

Berliner Tiergarten Mischungen heute

Auch heute, über 150 Jahre nach diesem historischen Ereignis, im Zeitalter von Regelsaatgutmischungen, gibt es die Berliner Tiergarten-Mischung noch. Im Gegensatz zu den Regelsaatgutmischungen (RSM) oder kontrollierten Markenprodukten wie beispielsw. LIPPA-RASEN, wird die Berliner Tiergarten Mischung jedoch nicht näher definiert. Jeder Hersteller kann unter dieser Bezeichnung Mischungen vertreiben, die hinsichtlich der Zusammensetzung und deren Sorten keine Qualitätskriterien erfüllen müssen. Das hat heute leider dazu geführt, daß unter dem Namen "Berliner Tiergarten" auch unzureichende Billigmischungen angeboten werden, die den heutigen Qualitätsanforderungen an einen sattgrünen, langsam wachsenden und strapazierfähigen Rasen nicht genügen.

 

Beispiel für eine aktuelle Mischung (Juni 2000) "Berliner Tiergarten" aus dem Baumarkt:
Anteil in Gew.-% Grasart Grassorte
70 Lolium perenne
Deutsches Weidelgras
Keine Angaben
25 Festuca rubra
Rotschwingel
Keine Angaben
5 Poa pratensis
Wiesenrispe
Keine Angaben
(Quelle: Dr.K.Müller-Beck, 2000)

 

Zusammensetzung einer Qualitätsmischung Lippa-Rasen "Libero" für Gebrauchs- und Spielrasen
Anteil in Gew.-% Grasart Grassorte Eignungsnote*
9 = beste Note
20 Lolium perenne
Deutsches Weidelgras
Lusina 7
20 Lolium perenne
Deutsches Weidelgras
Lisabelle 8
20 Festuca rubra trichoph.
Rotschwingel Kurzausläufer
Liprosa 7
10 Poa pratensis
Wiesenrispe
Lipatos 8
30 Poa pratensis
Wiesenrispe
Limousine 9
*) Eignung nach RSM 2000
www.fll.de
(Quelle: Dr.K.Müller-Beck, 2000)

 

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