Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

Pflegemaßnahmen für den Sportrasen - Teil 2

Stufe 2: Erhaltungspflege

Bei der Benutzung eines Rasenplatzes durch Trainings- und Punktspielbetrieb reicht die Grundpflege nicht mehr aus. Hier wird der Einsatz von mechanischen Maßnahmen zur Optimierung der Rasennarbe erforderlich.

 

Pflegestufen (Intensitäten)
Ton- Humuskomplexes Nährstoffe in der Bodenlösung

Vertikutieren

Mit dem Vertikutieren entfernt man abgestorbene Pflanzenteile, die sich zum Rasenfilz auf der Bodenoberfläche angereichert haben. Filz (Thatch) besteht aus Ausläufern, flachstreichenden Wurzeln, Stengelteilen und abgestorbenen Blattresten. Es entsteht ein meist brauner Horizont zwischen Boden und Sproßteilen der Graspflanzen.

Ursachen für Rasenfilz

  • Stoffproduktion der Gräser ist größer als Stoffabbau (Mineralisation)
  • Grasarten mit hohem Ligningehalt werden langsamer abgebaut
    z.B. Festuca rubra
  • fehlende pH-Kontrolle im Rasenboden
    saure Bodenreaktion verringert Mikroorganismen-Aktivität
  • geringe mechanische Pflege
    schlechte Durchlüftung
  • überhöhte N-Düngung
    Stoßwachstum bei Gräsern
  • kaltes und feuchtes Wetter
    geringere Zersetzung

Auswirkungen eines Filzhorizontes

  • abnehmende Wasserdurchlässigkeit
    ausgetrockneter Rasenfilz wird hydrophob
  • verminderter Gasaustausch
    Sauerstoff-Gehalt im Boden nimmt ab, Kohlendioxid-Gehalt nimmt zu
  • geringere Scherfestigkeit der Rasennarbe
    flacheres Wurzelsystem
  • erhöhte Infektionsgefahr
    Sporen der Krankheitserreger überdauern leichter
    problematische Schädlingskontrolle (Wirkstoff wird teilweise absorbiert)
  • Es entsteht eine weiche, "schwammige" Rasenoberfläche, die zu Unebenheiten führt
    (spieltechnisch ungünstig, mähtechnisch ungünstig)
  • Verschiebung der Artenanteile im Gräserbestand
    Vorteile für Flachwurzler wie Poa annua
  • leichte Filzbildung liefert Schutz in Sommermonaten
    Verdunstung aus dem Boden wird reduziert.

Maßnahmen zur Rasenfilzkontrolle

  • Mikroorganismentätigket optimieren
    pH-Wert (5,5-6,5), Feuchtigkeit, Belüftung
  • bedarfsgerechte Düngung vornehmen
    Stoßwachstum vermeiden
    saure Düngung vermeiden
  • bedarfsgerechte Beregnung einstellen
    Ergänzung mit Wetting Agent
  • mechanische Bearbeitung des Filzhorizontes
    regelmäßig vertikutiern
    gezielt aerifizieren
    Sauerstoff regt Mikroorganismen an
    Schlitzen fördert Gasaustausch
    Besanden und Topdressen strukturiert Filzschicht

Wann wird vertikutiert?

Rasen kann während der gesamten Vegetationsperiode vertikutiert werden (in der Regel von April bis September). Bei wüchsigem Wetter regeneriet der Rasen schneller durch intensive Bestockung . Im Frühjahr wirkt eine vorgeschaltete Startdüngung günstig auf die Narbenbildung

Wie wird vertikutiert?

Die Arbeitswerkzeuge (Messer oder Zinken) greifen vertikal in die Rasennarbe ein. Dabei sollte die maximale Tiefe bis an die Bodenoberfläche reichen. Die Werkzeuge greifen nicht in den Boden ein.

Aerifizierern

Intensiver Spielbetrieb, aber auch der Einsatz von Pflegegeräten bei ungünstigen Witterungsbedingungen verursachen Verdichtungszonen an der Bodenoberflächen. Die Grobporen nehmen ab, so dass die Wasserführung und der Lufthaushalt beeinträchtigt werden.
Durch Aerifiziermaßnahmen wird der Gasaustausch im Boden gefördert, gleichzeitig lässt sich bei bindigen Bodenarten ein Bodenaustausch vorbereiten.
Gute Arbeitsqualität liefern Geräte mit einer Hohlstachelausstattung (Spoons).

Wann wird aerifiziert?

In der Wachstumszeit von April bis September wirkt die Bodenbelüftung besonders günstig auf die Rasenentwicklung. Im Frühjahr und im Spätsommer wird auf diese Weise das Wurzelwachstum zusätzlich stimuliert.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine monatliche Belüftung eines strapazierten Sportrasens optimales Gräserwachstum fördert.

Wie wird aerifiziert?

Hohlstachelgeräte sollen den Hauptwurzelhorizont bis zu einer Tiefe von 5 - 8 cm bearbeiten. Damit eine flächige Wirkung im Rasen entsteht, sind in Abhängigkeit vom Durchmesser der Hohlspoons ca. 250 bis 400 Loch / m² anzustreben.

Besandung

Die Stabilisierung der Rasentragschicht (RTS) durch geeignete Besandungsmaßnahmen zählt zu den regelmäßigen Erhaltungsmaßnahmen.
In Verbindung mit dem Aerifizieren kann auf bindigen Böden im Laufe von mehreren Jahren ein stetiger Bodenaustausch vorgenommen werde. Durch regelmäßiges Besanden entsteht eine Minitragschicht.
Vorteilhaft sind häufige, kleinere Sandgaben von 1 - 3 Liter /m², damit der Rasenfilz strukturiert und die Bodenoberfläche durchlässig bleibt.

Das Besanden verbessert das Abtrocknen des oberen Horizontes nach Niederschlägen. Bei der Verteilung des Sandes durch ein Schleppnetz oder mit einer speziellen Rasenbürste werden kleine Bodenunebenheiten ausgeglichen. Dies führt zu einer Verbesserung der Spieloberfläche des Sportrasens.

Tabelle: Festlegung der Sandmenge je Einzelgabe zur Erreichung unterschiedlicher Funktionen

Sandmenge Sandmenge Funktion
l / m² m³ / Platz 7000 m²  
3 - 4 21 - 28 - Verbesserung der Ebenflächigkeit
- Abmagerung der Rasenfilzschicht
4 - 6 28 - 42 - Zusätzliches Verfüllen der Aerifizierlöcher
5 - 8 35 -56 - Abmagerung des Bodens
- Zusätzlicher Aufbau einer Minitragschicht
> 10 > 70 - Grundverbesserung der RTS
- Renovation

 

Qualitätskriterien für Sand

  • Korngrössenbereich von 0 - 2 mm
  • augewogene Verteilung von Fein-, Mittel- und Grobsandanteilen
  • möglichst keine Ton und Schluffanteile
  • gewaschener Quarzsand
  • pH-Wert neutral (kalkarm < 5 % CaCO3)
  • Verwitterungs- und verschleissfest


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