Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

Pflegemaßnahmen für den Sportrasen - Teil 1

Die Funktionstüchtigkeit eines Rasensportplatzes hängt maßgeblich vom Pflegeprogramm ab. Wie bereits erwähnt steht die Pflegeintensität im Verhältnis zur Benutzungsintensität.
Auswirkungen starker Belastungen sind u.a.:

  • Weniger Luft im Boden
  • Schwacher Gasaustausch
  • Schlechte Wasserableitung
  • Weniger pflanzenverfügbares Wasser
  • Schwaches Wurzelwachstum
  • Geringe biologische Aktivität
  • Schlechte Nährstoffausnutzung
  • Schwaches Regenerationswachstum

Damit diese negativen Veränderungen nicht zu Rasenschäden führen, gilt es, rechtzeitig mit den geeigneten Maßnahmen zu beginnen.
Zur Abgrenzung der Pflegeintensitäten bieten sich folgende Stufen an.

 

Pflegestufen (Intensitäten)
Ton- Humuskomplexes Nährstoffe in der Bodenlösung

 

Bei der Schnitthöhe von 3-4 cm können sich bei den Spotrasengräsern Lolium perenne und Poa pratensis ausreichende Wurzeln entwickeln, im Gegensatz zu einem ständigen Tiefschnitt, der eher die unerwünschte, flachwurzelnde Grasart Poa annua (Jährige Rispe) fördert.
Ebenso verringern häufige, kleine Beregnungsgaben in der Regel die Durchwurzelungstiefe der Gräser.
Der "Wachstumsmotor" Stickstoff (N) sollte für die Strapazierrasengräser in mehreren Gaben möglichst als Langzeitdünger verabreicht werden.

Bei der Benutzung eines Rasenplatzes durch Trainings- und Punktspielbetrieb reicht die erwähnte Grundpflege nicht mehr aus. Hier wird der Einsatz von mechanischen Maßnahmen zur Optimierung der Rasennarbe erforderlich.
Mit dem Vertikutieren entfernt man abgestorbene Pflanzenteile, die sich zum Rasenfilz auf der Bodenoberfläche angereichert haben.
Der Gasaustausch im Boden wird durch Aerifiziermaßnahmen gefördert, gleichzeitig lässt sich bei bindigen Bodenarten ein Bodenaustausch vorbereiten.
Die Stabilisierung der Rasentragschicht (RTS) durch geeignete Besandungsmaßnahmen zählt zu den regelmäßigen Erhaltungsmaßnahmen.

In der dritten Stufe werden in Abhängigkeit vom Platzzustand nachhaltige Regenerationsmaßnahmen durchgeführt.
Eine Tiefenlockerung mit dem Vertidrain-Gerät führt nachweislich zur Erhöhung der Durchlässigkeit und zur Optimierung der Durchwurzelung.
Eine Verbesserung des Pflanzenbestandes erreicht man durch Nachsaat mit leistungsfähigen Sorten aus dem Angebot der strapazierfähigen Art Lolium perenne
Die Stimulierung des Wurzelwachstums läßt sich durch geeignete Nährstoffe und die Einarbeitung von Bodenhilfsstoffen zusätzlich fördern. Wurzeln vernetzen und stabilisieren den Boden und schützen ihn dauerhaft

Mähen

Der Rasenschnitt zählt zu den wichtigsten Pflegemaßnahmen zur Erreichung einer angestrebten Rasenqualität. Bei regelmäßiger Schnittführung werden Narbendichte und Gesamtaspekt durch Bestockung und Ausläuferbildung gefördert.
Die Gräserarten reagieren unterschiedlich auf Schnitthöhe und Schnitthäufigkeit.
Zur Förderung der im Sportplatz erwünschten Arten Lolium perenne und Poa pratensis ergibt sich eine optimale Schnitthöhe von 3 - 4 cm.
Bei Unterschreiten dieser Schnittlinie werden die genannten Arten in der Entwicklung deutlich geschwächt und die unerwünschte Grasart Poa annua gewinnt höhere Anteile im Pflanzenbestand, da sie eher tiefschnittverträglich ist.


Tabelle: Schnittzahl, Aufwuchs- und Schnitthöhe in der Vegetationsperiode

Rasentyp Schnittzahl
März - November
Schnitthöhe in mm Aufwuchshöhe in mm
Hockeyrasen 30 - 50 10 - 20 40 - 60
Fußballrasen 25 - 45 30 - 45 60 - 90
Bolzrasen 15 - 25 40 - 50 80 -100
Liegewiese 10 - 20 35 - 45 70 - 90

 

Die Schnitthäufigkeit ist abhängig von der Artenzusammensetzung, der Rasenfunktion, der Nutzungsintensität verbunden mit den spieltechnischen Anforderungen und den Witterungseinflüssen.

Der Schnittzeitpunkt sollte sich am Wachstum der Gräser orientieren, wobei durch den Schnitt maximal die halbe Aufwuchshöhe entfernt wird. Die s.g. "Drittelregel" bedeutet, dass nur ein Drittel des Aufwuchses entfernt wird, damit eine hohe Narbendichte und ein optimaler Rasenaspekt erreicht werden. So wird ein Rasen bereits bei 6 cm Aufwuchs auf 4 cm gemäht werden.

Der Gerätemarkt bietet vielfältige Maschinen als Spezialmäher oder als Anbaueinheiten für Universalschlepper an.
Grundsätzlich gilt für alle Rasenmäher zur Erreichung eines akzeptablen Schnittbildes, die Schneidwerkzeuge regelmäßig zu schärfen.

Bei der Auswahl eines Mähsystem für den Sportrasen ergeben sich folgende Kriterien:

Spindelmäher

  • Höchste Schnittqualität (Prinzip Scherenschnitt)
  • Sehr gut einstellbar
  • Besonders für Tiefschnitt geeignet
  • Regelmäßiger Einsatz erforderlich

Sichelmäher

  • Hohe Flächenleistung
  • Auch bei hohem Aufwuchs einsetzbar
  • Mulch-Mähdecks möglich (Schnittgut wird zerkleinert)
  • Schnitt ohne Gegenmesser (Sensenschnitt)

Beregnung

Bedingt durch die Bauweise von normgerechten Sportrasenplätzen ist eine Zusatzbewässerung während der Vegetationsperiode unumgänglich.
Beim Bau von intensiv genutzt Sportanlagen werden leistungsstarke Beregnungssysteme (Versenkregneranlagen) eingebaut.
Daneben kommen mobile Beregnunganlagen mit meist geringerer Kapazität zum Einsatz.
Zur Ermittlung des geeigneten Beregnungszeitpunktes bedarf es einer aufmerksamen Beobachtung vor Ort. Grundsätzlich sollte die natürliche Niederschlagsmenge erfasst werden. Daneben liefert ein Ausstich des Bodenprofils gute Hinweise auf den Feuchtegehalt
Sobald in Trockenperioden die Fußabdrücke im Rasen über einen längeren Zeitraum sichtbar bleiben, sollte die Beregnung gestartet werden. Als spätester Termin gilt der Beginn der Rasenwelke.
Eine optimale Terminbestimmung erfolgt durch im Boden eingebaute Feuchtemesser (z.B. Tensiometer).
Starke Sonneneinstrahlung und kräftiger Wind verringern die Beregnungseffizienz durch Verdunstung und Abdrift. Die sehr frühen Morgenstunden haben sich in der Praxis als Termin bewährt.
Durch ein gezieltes Beregnungsregime lässt sich die Artenzusammensetzung eines Rasenbestandes nachhaltig beeinflussen. In der nachfolgenden Tabelle wird der Wasserbedarf der verschiedenen Arten dargestellt.

Tabelle: Einstufung des Wasserbedarfs der wichtigsten Rasengräser-Arten
Wasserbedarf

 

Zur Ermittlung der Beregnungsmenge gilt die Regel, dass der Wurzelhorizont durchfeuchtet sein sollte. Je nach Bodenart und Aufbaustärke ergibt sich daraus eine Wassermenge von 15 - 25 l/m².

Tabelle:
Ermittlung des Wasserbedarfs für die Beregnung (in l/m²/Jahr)

Standort Norm bodennah Baugrund Sand/Kies Norm bodennah Baugrund Lehm/Ton Norm Dränsch.-Aufbau Oberboden humusarme Sandböden Oberboden tiefgründ. Lehmböden
Trockene Lage <700mm 200 150 250 250 150
Mittlere Lagen
700-900mm
100 75 150 150 75
Niederschlagsreiche Lagen >900mm 0 0 50 50 0
Quelle: Bundesinstitut für Sportwissenschaft, 1994

Zu- und Abschläge nach Nutzungs- und Standortbestimmungen möglich.

Der tägliche Wasserbedarf eines ausreichend versorgten Rasensportplatzes steht in einem engen Verhältnis zur Verdunstungsrate in Abhängigkeit von der Tagestemperatur. Eine mittlerer Wasserverbrauch liegt bei ca. 2,5 l /m² /Tag, er kann jedoch bei Temperaturen von 30° C auf 5 l / m² / Tag ansteigen.
Aus dieser Situation ergeben sich für die Praxis während der Sommermonate variable Beregnungsintervalle von 3 - 14 Tagen.

Düngung

Die Notwendigkeit zur Düngung von Rasensportplätzen ist unter fachlichen Gesichtspunkten unumstritten. Bei der Festlegungung des jeweiligen Düngeplanes spielen jedoch eine Reihe von Faktoren eine wichtige Rolle; damit eine angemessene Nährstoffversorgung der Gräser gewährleistet ist.

Bodenuntersuchung zur Festlegung der Nährstoffmenge
Bei der gleichmäßigen Anlieferung der Nährelemente an die Gräserwurzeln spielt der Boden eine ausgleichende Rolle. Je nach Speicherkapazität (Kationenaustauschkapazität KAK) des Substrates sollten entsprechende Mengen der Hauptnährstoffe in pflanzenverfügbarer Form vorliegen. Der Boden wird somit zum Nährstoff-Pool.

Schematische Darstellung des Nährstoffangebotes im Boden
Schematische Darstellung des Nährstoffangebotes im Boden

Die anzustrebenden Gehaltsstufen werden durch Bodenanalysen ermittelt und anhand von Richtwerten für die jeweilige Bodenart eingestellt (s.Tab.)

Nährstoffvorräte in Rasenböden
Empfehlungen für die Grundversorgung


Phosphat P2O5 Kali K2O Magnesium Mg
Herkömmliche Böden 10-20 15-25 7-12
DIN-Aufbau Sand 7-12 10-15 5-10
Angaben in mg/100g Boden

 

Stickstoff das Kernelement in der Rasendüngung

Der Hauptnährstoff Stickstoff (N) fördert nicht nur das oberirdische Blattwachstum sondern sorgt auch bei angemessener Dosierung für eine Erhöhung der Wurzelmasse und des Wurzelhaarbesatzes.
Der N-Bedarf der Gräser ist abhängig von der Grasart. So liegt die Jahresmenge je nach Standortbedingungen (Vegetationszeit) für die Sportrasengräser Lolium perenne (Deutsches Weidelgras) und Poa pratensis (Wiesenrispe) bei etwa 25 bis 30 g Rein-N/m².

Gerade bei Rasensportplätzen spielt die Benutzungsintensität eine weitere Rolle bei der Festlegung der Jahres-Stickstoffmenge.
In der Empfehlung des Bundesinstitut für Sportwissenschaften werden für die verschiedenen Belastungsstufen angepasste Jahres-Stickstoffmengen angegeben.


Stickstoff-Regelbedarf g/m² pro Jahr
Belastung gering (bis 15 Std. / Woche) 15
Belastung mittel (15 - 20 Std. / Woche) 20
Belastung hoch ( > 20 Std. / Woche) 25

 

Zuschläge sind möglich bei

  • Regeneration
  • Neuanlage
  • Krankheitsbefall
  • Spätherbstdüngung

Gelegentlich geäußerte Bedenken bezüglich einer möglichen Gefahr der Nitratverlagerung durch Düngung sind unter Rasenflächen bei sachgerechter Anwendung unbegründet. Verschiedene Untersuchungen haben belegt, dass bei den genannten Aufwandmengen (bis 40 g Rein-N/m²) keine Gefahr besteht. Ein wichtiger Einflussfaktor ist hier sicherlich die N-Form und der Düngungstermin.

Sicherheit mit Langzeitdüngern

Der Rasen als Dauerkultur erwartet während der Vegetationszeit eine weitgehend gleichmäßige Nährstofversorgung. Der Bedarf lässt sich durch zahlreiche kleine Gaben mit Mineraldüngern oder durch spezielle Rasendünger decken, die mit einem entsprechenden Anteil an N-Langzeitwirkung ausgestattet sind.
Bei diesen sogenannten Kondensationsprodukten liegt der Stickstoff zunächst in einer nicht pflanzenverfügbaren Form vor (z.B. Isodur, Methylenurea oder Ureaform).
Bei der Bewertung der Dünger kommt es auf den Anteil des wertbestimmenden Langzeit-Stickstoff an, der im Labor als heißwasserlöslicher, aber kaltwasserunlöslicher Stickstoff definiert wird.

Die zweite Gruppe der Langzeitdünger stellen die umhüllten Produkte dar. Hier wird die Freisetzung der Nährstoffe auf physikalischem Wege gesteuert. Qualitäts- und Wirkungsunterschiede sind von der jeweiligen Hüllsubstanz und dem Anteil der umhüllten Körner zu erwarten.
Grundsätzlich werden Schwefel umhüllte (SCU) und Polymer umhüllte Dünger (PCU) unterschieden. Die Bewertung der Dauerwirkung erfolgt in der Regel über die Ermittlung der N-Freisetzungsraterate nach einer definierten Zeitspanne.

Bei der neuen Generation des Düngemitteltyps "teilumhüllter Dünger" nutzt man den hohen Qualitätsstandard der polymerumhüllten Produkte (semipermeabele Membran) wie sie aus dem Gartenbau bekannt sind, indem anteilmäßig umhüllte und nicht umhüllte Düngerkörner gemischt werden. (Beispiele hierfür liefert die Rubrik "Angebote")

In Abhängigkeit von der geplanten N-Menge sollten die übrigen Hauptnährstoffe für den Sportrasen in folgendem Verhältnis unter Berücksichtigung des Bodenvorrates gedüngt werden:

N : P2O5 : K2O : MgO = 1 : 0,3 : 0,5-0,8 : 0,2
Beispiel:
Ziel 28 g/m² Rein-N bedeutet:=> 8 g/m² P2O5 => 14 g/m² K2O => 6 g/m² MgO


Grundlagen für den Düngeplan

Bei der praktischen Umsetzung der Rasendüngung gewinnt der Düngetermin eine besondere Bedeutung.
Zeitpunkte, Anzahl und Höhe der Düngung richten sich vorrangig nach Art, Nutzung und Ansprüche an die Rasenqualität. Darüber hinaus sollte der biologische Wachstumsrhythmus der Gräser berücksichtigt werden.
Je nach Standortbedingungen verschieben sich die exakten Termine für die Startdüngung im März / April sowie die Erhaltungsdüngungen im Juni und August innerhalb einiger Wochen.

Tabelle: Beispiel eines Düngeplanes für Rasensportplätze N-Basis ca. 25 g Rein-N / m²

Termin Düngerart Düngermenge g /m² N-Menge g / m²
Startdüngung
März / April
NPK-Dünger 28+5+15 35 8,4
Erhaltungsdüngung
Juni
NPK-Dünger 20+5+10 30 6
Erhaltungsdüngung
August
NPK-Dünger 20+5+10 30 7
(Spätherbstdüngung)
Oktober / November
NK-Dünger
14+0+19
25 3,5

 

Eine mögliche Spätherbstdüngung mit einem Kali betonten Dünger kann an geeigneten Standorten (geringe Schneeerwartung) durchaus ab Mitte Oktober bzw. Anfang November erfolgen.
Bei diesem Plan wird die größere N-Menge in der ersten Jahreshälfte verabreicht.
Ausgleichsdüngungen mit Kali und Magnesium können im Frühjahr oder Spätsommer appliziert werden.

Nährstoffmangel führt zu Rasenschäden

Ein guter Rasensportplatz zeichnet sich durch einen hohen Deckungsgrad mit einer entsprechenden Narbendichte aus. Für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Gräser spielt gerade der die Nährstoffversorgung eine dominante Rolle.

Mangelsituationen führen nachhaltig zu Qualitätseinschränkungen des Sportrasens.

  • Abnahme der Narbendichte
  • Verringerung des Regenerationswachstums
  • Einschränkung der Scherfestigkeit
  • Veränderung der Artenzusammensetzung
  • Zunahme der Verunkrautung

 

Tabelle: Jährlicher Nährstoffbedarf von Sportrasenflächen in Abhängigkeit von der Belastungsintensität

Belastungs-Stufe Bedarf
g/m² N
Bedarf
g/m² P2O5
Bedarf g/m² K2O Bedarf
g /m² MgO
Hoch 32 - 36 10 18 -30 6
Mittel 24 - 32 8 12 - 24 4
Niedrig 18 - 24 6 10 - 18 3

Hinweise:

  • Neue Sportplätze haben in den ersten Jahren einen um 10 - 20 % erhöhten Bedarf
  • Eine Volldüngung mit den Hauptnährstoffen N-P-K-Mg verhindert Wachstumsstörungen.
  • Langzeitdünger reduzieren das N-Angebot in der Bodenlösung und sorgen so für gleichmäßiges Gräserwachstum.


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