Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

Anlage und Pflege von Sportrasenflächen

Zielsetzung und Grundlage

Sportrasenflächen müssen die spieltechnischen Voraussetzungen für ein reguläres Spiel sicherstellen. Hohe Anforderungen werden an Standfestigkeit, Ebenflächigkeit oder an die Wasserdurchlässigkeit des Substrates gestellt. Bei der Planung und Bauausführung werden heute technische Standards und Richtlinien (z.B. DIN 18035,Bl.4 oder FLL-Richtlinie Golf) zugrunde gelegt.

Sportrasen wird ohne Rücksicht auf die natürlichen Bedürfnisse der Gräser bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit genutzt. In Abhängigkeit vom Benutzungsgrad, sollte deshalb auch die Pflege in einer entsprechenden Intensität erfolgen. Bei der Festlegung der notwendigen Pflegemaßnahmen richten sich die Arbeiten sowohl auf den Rasenboden als auch auf die Rasennarbe.
Die Grenze der Belastbarkeit ist individuell zu ermitteln, sie wird durch Bauweise, Boden, Gräserauswahl, Pflegeintensität und Witterungseinflüsse bestimmt. Die Belegungspläne für Sportplätze sollten diese Umstände ausreichend berücksichtigen.

Tabelle: Spielbelastung von Rasensportplätzen

Stufe Stunden pro Woche Art der Tragschicht
Hoch > 20 nur Sand
Mittel 15 - 20 Sand oder Boden
Niedrig < 15 Sand oder Boden

Bodeneignung für Rasentyp Strapazierrasen / Sportrasen

Entsprechend der späteren Nutzung werden Rasenansaaten auf unterschiedlichen Bodenarten vorgenommen. Kräftiges und gesundes Gräserwachstum bei ausreichender Belastbarkeit des Bodens sind nur möglich, wenn eine Reihe von Bodenkriterien günstige Werte aufweisen.

Zur Beurteilung eines Rasenbodens für die Anlage von Sportplätzen werden folgende Kriterien herangezogen:

  • Korngrößenverteilung
    Eine ausgewogene Abstufung von Fein-, Mittel- und Grobsand sorgt für eine gute Scherfestigkeit, ausreichende Tragfähigkeit und eine günstige Wasserdurchlässigkeit
  • Porenvolumen
    Zur Absicherung eines ausreichenden Gasaustausches für das Wurzelwachstum und zur Stimulierung der Mikroorganismen, sollte ein angemessenes Verhältnis von Fein-, Mittel- und Grobporen vorhanden sein. Im Idealfall ist ein Gesamtporenvolumen von ca. 50 Vol.-% anzustreben
  • Wasserdurchlässigkeit
    Die Bespielbarkeit eines Sportplatzes hängt maßgeblich von de r Wasserführung im Boden ab. Grobporige Sandsubstrate gewährleisten die hohen Durchlässigkeitswerte, die in der Sportrasen-Norm DIN 18035, Bl. 4 gefordert werden. Im Extremfall sollte eine Niederschlagsmenge von 60 l / m² pro Stunde (60 mm) verkraftet werden.
  • Wasserspeicherung
    Für das gesunde Wachstum der Gräser ist eine angemessene Wassermenge im Boden erforderlich. Durch die sachgerechte Abstufung der Körnungszusammensetzung in der Rasentragschicht werden die notwendigen Fein- und Mittelporen für die Wasserspeicherung ausgebildet. Ergänzend kommen Bodenhilfsstoffe zur Wasserspeicherung zum Einsatz.
    Das Prinzip der bodennahen Bauweise versucht den anstehenden Boden für die Wasserreserven mit einzubeziehen.
  • Lagerungsdichte
    Die Ausbildung eines dichten Wurzelwerkes ist die Grundlage für eine belastbare Rasennarbe. Aus diesem Grunde kommt der Lagerungsdichte eine große Bedeutung für die Durchwurzelungsintensität zu. Eine Zunahme der Lagerungsdichte führt schließlich zu Verdichtungen, die von den Wurzeln nicht mehr überwunden werden können.
  • Bodenreaktion
    Der pH-Wert in der Bodenlösung spiegelt den Säuregrad wider.
    Er beeinflusst einerseits die Nährstoffverfügbarkeit im Boden, andererseits hat er Auswirkungen auf die Artenzusammensetzung, da die Gräser unterschiedliche pH-Optima haben.
    Für die Gräser des Sportrasens (Lolium perenne und Poa pratensis) liegt der optimale pH-Bereich bei ca. pH 6,0 - 6,8
  • Sorptionsvermögen
    Die Nährstoffspeicherung und -nachlieferung hängt vornehmlich von der Austauschkapazität (KAK =Kationenaustauschkapazität) des Rasenbodens ab. Mineralische und organische Kolloide (Ton und Humusteilchen) beeinflussen die Speicherkraft, wobei diese bei sandreichen Rasentragschichten der Sportplätze besonders niedrig ausfällt.

Schematische Darstellung des Prinzips eines Ton- Humuskomplexes Nährstoffe in der Bodenlösung

Ton- Humuskomplexes Nährstoffe in der Bodenlösung

Nährstoffnachlieferung zur Gräserwurzel (Grafik: Dr. Müller-Beck)

Bodenaufbau für Sportrasen

Damit die hohen Anforderungen an die Bespielbarkeit einer Sportrasenfläche erfüllt werden, sind entsprechende Vor- und Kontrolluntersuchungen der Tragschichtmischung und des anstehenden Bodens dringend zu empfehlen.
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Verschiedene Konstruktionsvarianten nach DIN 18035, Bl.4 bzw. Systembauweisen ermöglichen es, standörtlich angepasste Bauprinzipien zu wählen. Daraus abgeleitet ergeben sich spätere Unterschiede bei den Pflegemaßnahmen. Für alle Varianten ergibt sich im oberen Horizont eine durchlässige Rasentragschicht, die in der Stärke von 10 cm bis 15 cm variieren kann.

Die Zusammensetzung einer Rasentragschicht (RTS) kann beispielsweise folgendermaßen gewählt werden:

1. Gerüstbaustoffe

  • Ca. 20 Vol.-% sandiger Oberboden
  • Ca. 60 Vol.-% gewaschener Sand, (Körnung 0 - 2 mm)
  • Ca. 20 Vol.-% Lavasand (Körnung 0 - 3 mm)

2. Zuschlagstoffe

  • Zur Wasserspeicherung (z.B. Torf / Kompost / Schaumstoffe)
  • Zur Nährstoffspeicherung (z. B. Kolloide / org. Materialien)
  • Grunddüngung mit NPK Düngern (vorteilhaft sind Dünger mit Sofort- und Dauerwirkung)

Gräserarten für den Sportrasen

Die Anlage des Rasens erfolgt durch Ansaat einer geeigneten Mischung für Strapazierrasen oder durch das Verlegen eines Fertigrasens für die Sportplatznutzung.
Im Rahmen der möglichen Mischungsvarianten stehen Gräserarten wie Lolium perenne und Poa pratensis sowie Festuca rubra oder Festuca arundinacea zur Auswahl. Neuere Entwicklungen bieten auch Kombinationen mit Poa supina u.a. Arten (s. Kap. Mischungen / FLL RSM).

Die Ansaat
Zur Ansaat werden Spezialgeräte zur Reihen- oder Flächensaat eingesetzt. Wichtig für die erfolgreiche Etablierung der Saat, ist der Bodenschluss , damit eine gleichbleibende Feuchtigkeit gewährleistet ist. Hierzu ist gerade bei sandreichen Tragschichtgemischen der Einsatz einer Beregnungsanlage während der Keimentwicklung dringend erforderlich. Während dieser Zeit ist der Boden ständig feucht, nicht nass zu halten. Ein Austrocknen des Bodens muß unbedingt vermieden werden, da die Keimlinge sonst absterben würden.

Zur Entwicklung einer dichten Rasennarbe benötigen die Gräser in der Anfangsphase ausreichende Nährstoffe, so dass in diesem frühen Stadium eine Startdüngung mit einem NPK-Dünger erfolgen sollte (ca. 4 - 6 g Rein-N/m²)
Damit die Bestockung frühzeitig angeregt wird, erfolgt der erste Schnitt bei einer Aufwuchshöhe von 6 - 8 cm..
Ein abnahmefähiger Zustand ist bei einer Narbendichte von 90 % projektiver Bodendeckung erreicht.

Der Fertigrasen
Gerade der Zeitfaktor spielt bei der Entscheidung für den Fertigrasen eine wichtige Rolle. Wenige Wochen nach dem Verlegen kann auf dem Rasen gespielt werden. Manchmal sind es auch nur wenige Tage nach dem Verlegen, wenn nämlich eine sogenannte "Dicksode" zum Einsatz kommt (Strafraumausbesserung im Stadion).

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Qualität der Narbenzusammen-setzung im Vorfeld bonitiert werden kann.

Durch den Einsatz verschiedener Sodengrössen und die Bereitstellung geeigneter Verlegemaschinen, lassen sich Sportrasenflächen in wenigen Tagen
begrünen. Als Voraussetzung dient eine entsprechend vorbereitete RTS, die zum besseren Anwachsen mit Nährstoffen und Bodenhilfsstoffen vor dem Verlegen an der Oberfläche angereichert wird. Auch hier gehört das richtige Einwässern zu den Erfolgsfaktoren für sicheres Anwachsen.


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