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Aktuelles:
EM-Rasen ist als Bühne und Sportboden-Belag gefordert

Autor: Dr. Müller-Beck., Deutsche Rasengesellschaft e.V., Bonn im Juni 2012

Die UEFA EURO 2012 in Polen und in der Ukraine hat bisher einige interessante Spiele geliefert, mit überraschenden Ergebnissen. Dabei stand für alle Beteiligten auch die Qualität des Rasens im Blickpunkt. Die Optik für die Fernsehübertragungen ist nur eine Seite der Bewertung, für die Spieler kommt es auf die Standfestigkeit und den „Gliding-Effekt“ des Balles an.

TV-Übertragung Anstoßkreis

Anstoßkreis zum EM-Gruppenspiel
Niederlande : Deutschland in Charkiv.
(Foto K. Müller-Beck, TV-Übertragung)

  Krafteinsatz beim Fußballspie

Krafteinsatz beim Fußballspiel:
Rasen –Stollen – Fußball.
(Foto: Rundel)

 

So war im ersten Spiel aus der Sicht der Spanier der Rasen zu trocken und wirkte stumpf, im zweiten Spiel gegen Irland hatte es nachhaltig geregnet und für alle Akteure kam es darauf an, die nötige Standfestigkeit auf dem Rasen zu finden. Ein besonderes Phänomen stellt in jedem Falle die Wahl des richtigen Schuhwerks dar.

Der Naturrasen liefert einen „Spielbelag“ aus einer Pflanzendecke, die einerseits den Tritt der Fußballstollen verträgt, andererseits aber eine ausreichende Scherfestigkeit aufweisen muss, damit die Spieler einen festen Stand behalten. Bei den Gräsern für den Fußballrasen haben sich die Arten Lolium perenne und Poa pratensis bestens bewährt, diese Mischung trifft auch für die EM-Stadien in Polen und in der Ukraine zu.

Je nach Witterungsbedingungen verändern sich die Eigenschaften des Rasens (feucht /trocken), sodass für das jeweilige Spiel die am besten geeigneten Schuhe ausgewählt werden müssen.

Fußballschuh mit 11 Nocken.

Fußballschuh mit 11 Nocken.
(Foto: adidas, Internet)

Fußballschuh mit 6 Stollen.

Fußballschuh mit 6 Stollen.
(Foto: K.G. Müller-Beck )

 

Die Beschaffenheit der Sohle eines Fußballschuhs ist hierbei von entscheidender Bedeutung; denn zahlreiche Varianten von Stollen- oder Nockenschuhen stehen den Spielern zur Verfügung. Stollenschuhe bieten sich eher für rutschige Rasenflächen an. Insbesondere bei der Verwendung von Schraubstollen in unterschiedlichen Materialien(Gummi, Keramik, Aluminium, Kunststoff), kommt es auf die richtige Kombination von Größe, Form und Material an. In der Aufwärmphase vor dem Spiel erhalten die Spieler letztmalig die Möglichkeit, abhängig vom Rasen- und Bodenzustand, das richtige Schuhwerk auszuwählen.

Dichte Rasennarbe eines Stadionrasens aus Lolium perenne und Poa pratensis

 

 

Dichte Rasennarbe eines Stadionrasens aus Lolium perenne und Poa pratensis, Deckungsgrad und Scherfestigkeit der Narbe sind Qualitätskriterien.
(Foto: K.G. Müller-Beck)

 

Fußballschuhe mit Nocken werden hauptsächlich bei einem trockenen Spielbelag eingesetzt. Dazu gehören vorzugsweise Asche- und Kunstrasenplätze, aber auch ein abgetrockneter, fester Rasenbelag kann so bespielt werden. Derartige Schuhe verfügen in der Regel über eine Vielzahl an Nocken (mindestens 10), die für einen ausreichenden Bodenkontakt und die nötige Stabilität sorgen. Mit diesem Schuhwerk werden schnelle Antritte und Richtungswechsel ermöglicht.
Die Empfindungen und Einschätzungen der Spieler sind augenscheinlich sehr individuell ausgeprägt; denn in einem Spiel kommen die vielfältigsten Varianten (Stollen- oder Nockenschuhe) zum Einsatz (s. Abbildungen). Eine objektive Bewertung der Rasenoberfläche ist so kaum möglich.

Als Vergleich hierzu wäre ein feuchter bzw. nasser Straßenbelage einer Formel 1-Rennstrecke heranzuziehen; denn auch in diesem Falle entscheidet die Wahl der richtigen Bereifung (Slicks / Intermediates oder Regenreifen) über den möglichen Erfolg. Der Straßenbelag bleibt jedoch für alle Fahrer gleich.

Die Kritik des spanischen Spielmachers Xavi am Rasen in Danzig muss wohl eher als Ablenkung verstanden werden. Seine Aussage lautete: „Das war eine Schande! Es war zu trocken. Man muss einen Platz gießen, um guten Fußball zu sehen. Das beeinflusst die Ballkontrolle, das Passspiel und das Dribbling.“ Gerade diese trockenen Rasenbedingungen hatten die Italiener für sich gefordert; denn sie lehnten eine Beregnung vor dem Spiel ab! Das Spielergebnis lautete Unentschieden 1:1.

Aus der Sicht der Rasenwissenschaft lässt sich zu dieser Frage vermutlich ein umfangreiches Forschungspotenzial ableiten.

 

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