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Aktuelles:

Fortbildung zur Pflanzenschutz-Sachkunde mit praktischem Einsatz der Applikationstechnik

Autor: © Dr. Klaus Müller-Beck, Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.


Praxisorientiertes Angebot

Der Pflanzenschutzdienst der LK NRW hatte am 15.3.2018, zusammen mit den Firmen Syngenta Agro GmbH und ICL zu einem Fortbildungsseminar zur Sachkunde auf die Golfanlage Gut Neuenhof in Fröndenberg eingeladen. Im Mittelpunkt standen die Applikationstechnik von PS-Mitteln auf Golf- und Sportrasen sowie der Anwenderschutz.
Für die optimale Wirksamkeit eines Pflanzenschutzmittels sind neben der Wahl des richtigen Präparates, der richtigen Mittelmenge und des richtigen Einsatzzeitpunktes auch eine gute Anlagerung bzw. eine gute Verteilung des Produktes von Bedeutung. Diese Aspekte werden bei einer Pflanzenschutzmittelanwendung häufig nicht ausreichend beachtet.

Mit einer guten Applikationstechnik kann die Wirksamkeit eines Pflanzenschutzmittels auf Rasenflächen deutlich verbessert werden und die Gefahr der Abdrift maßgeblich reduziert werden. Vor diesem Hintergrund ist die Verwendung von Injektordüsen mittlerweile ein „Muss“ für den Einsatz auf Golf- und Sportrasen, so die Forderung des Experten der LK-NRW, Harald Kramer.

 

Erläuterung zur Applikationstechnik am Spritzenmodell
Abb. 1: H. Kramer (Mitte), von der LK NRW, bei der Erläuterung zur Applikationstechnik am Spritzenmodell (geschlossenes Befüllsystem, geeignete Düsenwahl und Innenreinigung). (Alle Fotos: K.G. Müller-Beck)


Einführung in die Thematik

Im Rahmen der Sachkunde-Fortbildung referierte Harald Kramer, Spezialberater Applikationstechnik der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LK NRW) über Grundlagen im Hinblick auf Recht und Anwendungstechnik. Er gab einen Überblick zur Prüfpflicht von Pflanzenschutzgeräten und erläuterte, wie diese Prüfung abläuft. Hilfreiche und praxisbezogene Beschreibungen zum sauberen Ansetzen der Spritzbrühe und zur Innenreinigung der Spritze nach der Ausbringung, ergänzten seinen Vortrag.
Die Beachtung bezüglich Abstandseinhaltung zu Gewässern sowie die Berücksichtigung von Abdrift spielen auf Golfanlagen eine große Rolle. Abdriftminderungs-Maßnahmen, so Kramer, ließen sich am effektivsten durch den Einsatz von kompakten Injektordüsen und eine optimale Einstellung und Kalibrierung des Gerätes erzielen (Spritzbalkenhöhe, Druck).


IPS im Golfrasen Gebot der Stunde

Carsten Audick, Rasenfachmann der Firma ICL, stellte die verschiedenen Bausteine des Integrierten Pflanzenschutzes (IPS) praxisnah vor: Betont wurden vor allem die mechanischen Pflegemaßnahmen (Aerifizieren, Sanden, Vertikutieren und Mähen), die verhindern, dass ein hartnäckiger Rasenfilz entsteht, in dem sich Krankheitserreger als Infektionspotenzial ansammeln können. Weiterhin wurde auf ein optimales Wassermanagement (Beregnung, Tauentfernung, Einsatz von Wetting Agents und Wachstumsregulatoren) sowie eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung hingewiesen.

Dr. Karin Reiß, Businessmanager L&G Syngenta, ging in Ihrem Vortrag vor allem auf den optimalen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, unter Berücksichtigung von Zeitpunkt, Temperatur und Wasseraufwand, ein. Vor- und Nachteile von Kontaktmitteln sowie Stärken und Schwächen systemischer Mitteln und ihre optimalen Anwendungsbedingungen wurden mit den Teilnehmern lebhaft diskutiert.
Bezüglich eines optimalen Resistenzmanagements gab die Referentin nützliche Ratschläge zur Auswahl der geeigneten Wirkstoffe.


Spritzenmodel zur Befüllung und Reinigung

Am Nachmittag erfolgte an zwei Stationen die praktische Vorstellung zur Ausstattung von Spritzgeräten (Flächenspritze/Rückspritze). Wichtige Kriterien wie Wasseraufwandmengen, Spritzdruck, Tröpfchengröße, Düsenauswahl bis hin zum geschlossenen Befüllsystem und zur Innenreinigung wurden an dem gläsernen Spritzenmodell der Landwirtschaftskammer NRW erläutert und real umgesetzt.

Demonstration des geschlossenen Befüllsystems an der Spritze.
Abb. 2:Demonstration des geschlossenen Befüllsystems an der Spritze.

Die Innenreinigung des Tanks wurde anschaulich mit Hilfe von Rote Beete Saft und unter Einsatz eines auf der Spritze integrierten kontinuierlichen Innenreinigungssytem verdeutlicht.

Ergebnis der Innenreinigung wird nach wenigen Spülgängen in den Schaugläsern sichtbar.
(Rote Beete-Saft).
Abb. 3:Ergebnis der Innenreinigung wird nach wenigen Spülgängen in den Schaugläsern sichtbar. (Rote Beete-Saft).


Anwenderschutz und Rückenspritze

An der zweiten Station wurden Maßnahmen zum Anwenderschutz (Schutzanzug, Handschuhe, Brille, Atemmaske etc.) vorgestellt und erläutert. Darüber hinaus standen das Auslitern einer Rückenspritze sowie Düsenabstand zum Boden und Laufgeschwindigkeit auf dem Programm.

 

Aufmerksame Seminar-Teilnehmer bei den Erläuterungen zum Umgang mit der Rückenspritze
Abb. 4: Aufmerksame Seminar-Teilnehmer bei den Erläuterungen zum Umgang mit der Rückenspritze. Anwender mit Schutzkleidung.

Aus Versuchen von K. SCHMITT (2018) ist bekannt, dass es nicht damit getan ist, eine x-beliebige UV C-Lampe zu verwenden; denn es kommt  bei der Wirkung auf den
Lampentyp und dessen Strahlungsintensität an, die wiederum,  je nach Lampentyp, von einem Temperaturfenster abhängig ist. Lampentypen, die bei Bakterien hinreichend wirksam
sind, müssen nicht gleichzeitig auch bei Schadpilzen wirksam sein.

Bereits 2015 konnten sich die Seminarteilnehmer des120. DRG-Rasenseminars auf der Golfanlage in Kandern selbst ein Bild vom Einsatz des TurfCare UV C-Gerätes machen. Von der Firma Course Support wurde eine Version des Gerätes zur Bestrahlung von Rasenflächen mit UV C-Licht vorgestellt. Dieses Projekt wurde von der Hochschule Geisenheim begleitet.

 

Spritzendruck und Laufgeschwindigkeit verändern das Spritzbild.
Abb. 5: Spritzendruck und Laufgeschwindigkeit verändern das Spritzbild.

Teststreifen unten optimal.
Abb. 6: Teststreifen unten optimal.

Als Seminar-Teilnehmer kann sich der Berichterstatter dem positiven Feedback durch die Greenkeeper nur anschließen. Das Format dieser Veranstaltung ist sehr geeignet, das Thema Pflanzenschutz im Golf- und Sportrasen sehr effektiv auf den neuesten Stand zu bringen. Dabei wurde eine gelungene Kombination aus Forschung und Beratung mit praktischen Anwendungshinweisen für den sachkundigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Diese Veranstaltung zur Sachkunde war beispielhaft!

 

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