Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

 

Aktuelles: Bericht zum 112. Rasenseminar

„Hochlagenbegrünung und Erosionsschutz“

Kurzbericht zur Fachexkursion beim 112. DRG-Rasenseminar vom 30. bis 31. August 2010 in Innsbruck

Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft

 

Zur Vermittlung der Bedingungen und Anforderungen an die Hochlagenbegrünung wirkt der Eindruck vor Ort im Gelände besonders nachhaltig. Aus diesem Grunde hatten die Organisatoren für das 112. DRG-Rasenseminar als Tagungsort Innsbruck ausgewählt, sodass die Exkursion am 30. August unmittelbar in den alpinen Bereich führte.
Über 75 Teilnehmer bestiegen am Montagmorgen die Busse zur Fachexkursion mit dem unsicheren Gefühl bezüglich der angekündigten Wettervorhersage. In der Nacht hatte der erste Neuschnee die Gipfel der umliegenden Berge mit einer weißen Pracht versehen. Der Föhn sorgte jedoch dafür, dass während des gesamten Besichtigungsprogramms ein weiß-blauer Himmel für die unbeschreibliche Kulisse der Bergwelt sorgte.

Bereits an der ersten Station bei der Golfanlage Olympia Golf Igls, auf einer Höhe von 1000 m über NN, wurde die Gruppe bei Sonnenschein empfangen. Nach der freundlichen Begrüßung durch den Betreiber, Herrn A. Bellutti, führte die geprüfte Greenkeeperin, Frau Angelika Bruckner die interessierten Teilnehmer über die sehr gepflegten Golfbahnen des öffentlichen Übungsplatzes.

 

Seminarteilnehmer

Seminarteilnehmer lauschen aufmerksam den Erläuterungen von Head-Geenkeeperin A. Bruckner, im Hintergrund die Gondeln der Patscherkofel-Seilbahn.
Foto: K.G. Müller-Beck

 

Die Golfanlage Olympia Golf Igls liegt am Fuße des Patscherkofels (2.246 m), sodass als Besonderheit der Anlage die Überfahrt der Patscherkofel-Seilban für den Golfbetrieb geregelt werden musste. Hierzu wurde eigens eine Ampel- und Signalanlage auf der Drivingrange installiert, die das Abschlagen während der Überfahrt der Gondel untersagt.
Zusätzlich mussten alle Gondeln mit bruchsicheren Fenstern ausgestattet werden.

 

Putting-Grün

 

Putting-Grün mit Annäherungsbereich am Clubhaus Olympia Golf Igls, im Hintergrund Olympia Renn-Rodelbahn.

Olympia Golf Igls

 

Grün 9/18 Olympia Golf Igls auf 1000 m mit Alpenpanorama im Hintergrund.

 

Bei der Platzpflege wird durch mechanische Arbeiten der Vorbeugung von Krankheiten große Aufmerksamkeit geschenkt, da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf der Anlage nicht genehmigt ist. Neben dem zielgerichteten Düngereinsatz wird regelmäßig der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln praktiziert.

 

Olympia Golf Igls

Nur bei größter Anstrengung war es möglich, einige Spuren von Festuca rubra im Pflanzenbestand der Grüns zu entdecken. Agrostis stolonifera hat sich inzwischen zum Bestandsbildner entwickelt, auch wenn die Greens-Ansaatmischung ein umgekehrtes Verhältnis zeigte:

40% Festuca rubra commutata MUSICA
40% Festuca rubra trichophylla BARCROWN
10% Agrostis stolonifera PENNCROSS
10% Agrostis stolonifera PENNLINKS


Besichtigung Almflächen Mieders - Serlesbahnen

Über 2.100 bewirtschaftete Almen prägen die Landschaft Tirols und bieten auf mehr als 200.000 Hektar Weidefläche gesundes Futter für über 100.000 Weidetiere (mehr als die Hälfte der Tiroler Rinder werden "gealpt").
Die verschiedenen Nutzungsinteressen von Land- und Forstwirtschaft, Tourismus und Freizeitgestaltung, Gewerbe, Industrie, Natur- und Umweltschutz müssen in vernünftigen Beziehungen stehen und das ist oft nicht einfach!
Die Almflächen liegen am Fuß der Serles in einer Seehöhe bis knapp 1.900 m. Der Untergrund besteht aus Kalkschotter, der Boden ist eine inhomogene Gebirgsbraunerde, humusreich und von schwacher Mächtigkeit.
Die landwirtschaftliche Nutzung ist seit alters her die Weidewirtschaft, auch der Wald wurde als Unterstand und Weide genutzt. Ende der 1970-er Jahre erfolgte die Wald-Weidetrennung.

Durch den weiteren Ausbau der Liftanlagen 1995 wurde die Schipistenfläche um gut drei Hektar erweitert bzw. neu angelegt, auf die ausgezeichnet ausgeführten Erdbewegungen folgten Begrünungen mit standortangepassten „Monte Verde“-Saatgutmischungen in einer Saatstärke von 70 kg/ha (7 g/m²). Darin waren zwischen 28 und 30 Gew.-% alpine Ökotypen von Alpenrispe und verschiedenen Rotschwingeln enthalten. Oberhalb der Ochsenhütte wurde die „Schipistenmischung für feuchte Lagen“, im unteren Teil die „Almweidemischung“ verwendet. 
(Quelle: DRG-Exkursionsführer Dr. Christian Partl, Amt der Tiroler Landesregierung) landw.schulwesen@tirol.gv.at

 

Art Almweidemischung Schipistenmischung (für feuchte Lagen)
Trifolium repens 6 5
Trifolium hybridum 4 4
Lotus corniculatus 6 6
Dactylis glomerata 5 5
Phleum pratense 10 13
Festuca pratensis 10 13
Poa alpina 8 15
Lolium perenne 6 6
Cynosurus cristatus 6 -
Festuca rubra rubra 10 14
Festuca rubra commutata 10 10
Agrostis tenuis 6 8
Poa pratensis 12 -
Achillea millefolium 1 1
Summe 100 100

Tabelle:
Rezepturen der für die flächigen Begrünungen verwendeten Saatgutmischungen (Gew.-%)

 

 

Begutachtung des Pflanzenbestandes einer Schipiste

Begutachtung des Pflanzenbestandes einer Schipiste, die während des Sommers von Kühen beweidet wird, in der Nähe der Bergstation Serlesbahnen (ca. 1.600m). Im Vordergrund Prof. Dr. F. Florineth.

 

Nach der Abfahrt von der Alm, für viele Teilnehmer war es bei der Benutzung der Rodelbahn die sportliche Herausforderung mit Mutprobe, folgte an der Talstation die Besichtigung der
Sportanlage Mieders mit Natur- und Kunstrasenplatz auf 960 m NN.

Die Anlage wurde vor 20 Jahren mit einem Naturrasenspielfeld  (4600 m²)
erstellt. Vorgesehen war anfänglich ein normaler Schulsportbetrieb. Erst später kam die Umstellung auf einen intensiv  genutzten Fußballplatz. Durch die Höhenlage ist die Nutzungsdauer eingeschränkt. Zusätzliche Mannschaften und intensives Training haben in den letzten Jahren zu einer Überbelastung geführt, sodass im Jahre 2009 eine zusätzliche Fläche in Form eines Kunstrasenplatzes erstellt worden ist.
In dieser sommertrockenen Lage wird die Rasenfläche während der Vegetationszeit oft mit einer mobilen Anlage bewässert. Inzwischen ist eine Poa supina (Lägerrispe) betonte, gut strapazierfähige Grasnarbe entstanden, die einerseits dem intensiven Spielbetrieb während der Vegetationszeit standhält, anderseits in den regenerationsarmen, kalten Jahreszeiten degradiert.
Nach Aussage des Platzwartes, Walter Schönherr, dient der neue Kunstrasenplatz (2300 m²)
vor allem der Entlastung des Naturrasenspielfeldes. Trainings- und Juniorenspiele können hier schon im frühen Frühjahr und im Spätherbst ausgetragen werden. Es handelt sich um einen mit Gummigranulat verfüllten Kunstrasen aus dem Jahre 2009.

 

Naturrasenplatz in Mieders

 

Naturrasenplatz in Mieders mit einem Bestand aus Lolium perenne und Poa supina.

Gummigranulat verfüllter Kunstrasenplatz

 

Gummigranulat verfüllter Kunstrasenplatz als Trainings- und Ausweichplatz in Mieders.

Im Hintergrund Begutachtung der Böschungsbegrünung.

 

Flussaufweitung am Inn mit begrünten Flussmulden

Die Änderungen von nationalen und internationalen Vorschriften für den Flugbetrieb am Flugplatz Innsbruck hatten bauliche Maßnahmen beim westlichen Pistenvorfeld zur Folge. Insbesondere waren hindernisfreie An- und Abflugflächen, ein Sicherheitsstreifen am Pistenende, und eine Sicherheitszone mit festem Untergrund gefordert. Aufgrund der Machbarkeitsstudien wurde eine Verschwenkung des Inn unter gleichzeitiger Pistenverkürzung als optimale Variante für das Ausführungsprojekt gewählt.

Durch Materialverschiebungen wurde dem Fluss ein neues Bett in Form eines großen Bogens erstellt. Das Einleiten der Völser Giessen in den Inn erfolgt unterhalb der Aufweitung. Bei extremen Hochwassern kann der Inn in eine vier ha große Wiese kontrolliert überlaufen, ohne Schäden hervorzurufen.

Im Bereich der neuen Insel entstehen naturbelassene Bereiche. Die Böschungen und  Ufer sind mit Gehölzpflanzungen  gesichert worden. Die spontane Vegetation dieser Kiesflächen ist einheimisch und artenreich. Auch das Ziel, für die Bevölkerung ein Naherholungsgebiet zu schaffen, wurde bereits erreicht.

 

Besichtigung der Flussaufweitung am Inn

 

Besichtigung der Flussaufweitung am Inn. Das Wetter hatte sich zum Abend eingetrübt.

Entwicklung der Bepflanzung und Spontan-Vegetation im Uferbereich

 

Entwicklung der Bepflanzung und Spontan-Vegetation im Uferbereich und auf der Flussinsel.

 

Mit dem Abschluss der Tagesexkursion hatten die DRG-Teilnehmer einen vielfältigen Eindruck zur Aufgabenstellung der Begrünungsanforderungen in Hochlagen erhalten.
Zünftige Bewirtungen und kurze Busfahrten sorgten ebenfalls für das Wohlbefinden und eine entspannte Atmosphäre während des Tages.

 

Entwicklung der Bepflanzung und Spontan-Vegetation im Uferbereich

Für diese gelungene Veranstaltung gilt den beiden Hauptorganisatoren, Otto Weilenmann (re.) und Prof. Dr. Florin Florineth (li.) der herzliche Dank der Deutschen Rasengesellschaft e.V. Mit Unterstützung der Kollegen vor Ort, Dr. Christian Partl und Dr. Bernhard Krautzer, ist ihnen eine herausragende Tagung zum Thema „Hochlagenbegrünung“ gelungen!

Informationen zur Vortragsveranstaltung des Folgetages werden in den nächsten Ausgaben der Zeitschrift „European Journal of Turfgrass Science“ veröffentlicht.

Für die DRG-Mitglieder stehen Handouts der Vorträge im Login-Bereich zum
Download bereit.

 

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