Deutsche Rasengesellschaft e.V. DRG

 

Aktuelles: Bericht zum 106. Rasenseminar

„Regel-Saatgut-Mischungen RSM 2008“

Bericht zum 106. Rasenseminar der Deutschen Rasengesellschaft in Hannover vom 8. und 9. September 2008

Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft

 

Mit 80 Teilnehmern aus Österreich, der Schweiz, Niederlande und Deutschland war das 106. Rasenseminar der Deutschen Rasengesellschaft (DRG) erfreulich gut besucht; denn das Tagungsthema „Regel-Saatgut-Mischungen“ erschien doch eher für die Spezialisten in der Branche zugeschnitten zu sein.
Die Kombination aus den Erfahrungen bei der Anwendung von RSM-Mischungen sowie die Präsentation verschiedener Ergebnisse aus der Arbeit des Bundessortenamtes zeichnete die Veranstaltung aus. Gerade die Diskussion bezüglich der Verwendung von RSM-Mischungen mit den Kollegen der Fertigrasen-Produzenten zeigte Grenzen und Chancen beim Einsatz bestimmter Mischungen auf.

Fachexkursion

Das abwechslungsreiche Exkursionsprogramm führte die Teilnehmer zunächst nach Pattensen zur Besichtigung des „Rasenland“ Betriebes Pattensener Rasenschule.
Auf einer Anbaufläche von ca. 50 ha wird auf homogenen, steinfreien Böden Rollrasen produziert. Die Gesamtfläche lässt sich durch eine Center-Pivot Anlage automatisch beregnen, wobei die Bewässerungsmenge je nach Bedarf für die Keimphase bzw. für die Etablierungsphase einstellbar ist. So benötigt die Beregnungsanlage für eine volle Runde etwa 12 Stunden bei ca. 3-5 L/m² bzw. 30 Stunden bei einer Beregnungsmenge von 15 L/m².
Der Antrieb erfolgt über Elektromotoren (s. Abb.)

Erläuterungen zur Ansaatmischung
Erl äuterungen zur Ansaatmischung und zum Pflegekonzept zur zeitgerechten Fertigstellung einer Fertigrasenfläche durch Freiherr A. Knigge im Vordergrund links
( Fotos: K. Müller-Beck)
Center-Pivot Beregnungsanlage
Center-Pivot Beregnungsanlage zur gro ßflächigen Bewässerung von Anzuchtflächen für die Fertigrasenproduktion

 

Der Rasenland Betrieb Pattensen produziert vornehmlich zwei unterschiedliche Rasentypen und zwar den Spiel- und Gebrauchsrasen  aus der Mischung:

  • 30 Gew.-% Festuca rubra  commutata
  • 10 Gew.-% Lolium perenne
  • 60 Gew.-% Poa pratensis

und den „Robusta-Typ“ aus der Mischung:

  • 80 Gew.-% Festuca arundinacea
  • 20 Gew.-% Poa pratensis

Für die sachgerechte Entwicklung der Rohrschwingelmischung spielt laut Freiherr Knigge die Nährstoffversorgung im Spätherbst eine besondere Rolle, so dass die Narbenbildung und der Winteraspekt optimiert werden.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Seminar-Teilnehmer die Vorführung der vollautomatischen Erntemaschine, die bereits im Jahre 2001 aus den USA eingeführt wurde. Aus dem neuen Rollenmaß 0,60 m x 1,70 m ergibt sich eine 1m² -Sode, mit einem Gewicht von 20 kg.
Aus der Sicht als Vorsitzender des Rollrasenverbandes sieht A. Knigge die Verwendung des Fertigrasens nicht mehr als Nischenprodukt sondern als Standard für die fachgerechte Begrünung im kommunalen und privaten Hausrasenbereich. Waren es 1990 noch etwa 25 Produktionsbetriebe, so rechnet man im Jahre 2008 mit 90 Betrieben, die für die Versorgung mit Rollrasen in Deutschland sorgen. Die größten Abnehmer sind dabei die Betriebe das Garten- und Landschaftsbaues.

Bei der Besichtigung der Golfanlage des Burgdorfer Golfclubs e.V. standen insbesondere die Heidebiotope im Mittelpunkt des Interesses; denn auf den leichten Sandböden des Platzes konnten Teilflächen im Rough und Semi-Rough-Bereich durch Heidebestände entwickelt werden.  Die Verantwortlichen der Platzpflege, Herr Schwenke und Head-Greenkeeper Voigt erläuterten beim Rundgang die wichtigsten Maßnahmen der Pflegearbeiten, wobei die Belüftungsmaßnahmen auf den Grüns besonders intensiv betrieben werden, da es sich um bodennahe Aufbauten handelt.
Für einige Seminarteilnehmer war auch die Verwendung eines grün eingefärbten Topdress-Sandes zur Ausbesserung der Divots auf den Abschlägen eine neue Erfahrung.

Heidelandschaft auf dem Burgdorfer
Die Heidelandschaft auf dem Burgdorfer Golfplatz wird sorgfältig gepflegt, damit gerade der Spätsommeraspekt erhalten bleibt.
(Fotos: K.Müller-Beck)
Erläuterungen zur Entwicklung von Ökotypen
Erläuterungen zur Entwicklung von Ökotypen der Poa annua auf dem Grün und die Möglichkeiten der Nachsaatmit Mischungen oder Reinsaat durch Otto Weilenmann (vorne)

BSA-Prüfstelle Scharnhorst

Den Abschluss der Exkursion bildete die Führung durch die Versuchsreihen zur Gräserprüfung beim Bundessortenamt am Standort Scharnhorst. Die Mitarbeiter von Herrn Dr. Freudenstein, Frau S. Gürtler und Herr M. Burkatzky, hatten die notwendigen Vorbereitungen zur Markierung und Ausschilderung der Versuche sowie zur Präsentation der erforderlichen Geräte getroffen, so dass nach kurzen Erläuterungen zu den jeweiligen Schwerpunkten der Gräserprüfung die Besichtigung beginnen konnte.
Passend zum Schwerpunktthema wurden zunächst verschiedene RSM-Mischungen in ihrer Rasenausprägung vorgestellt.
Eine intensive Diskussion entzündete sich bei der Qualitätsbewertung verschiedener RSM-Handelsmischungen (Typ 2.3) im Vergleich zu exakt nach Etikettangaben nachgestellten BSA-Mischungen mit den deklarierten Sorten. Hier wurde für alle Beobachter klar, dass bestimmte Mischungen stark von den deklarierten Arten- und Sortenangaben abwichen.
Die Deutsche Rasengesellschaft wird sich in Zukunft verstärkt mit der Prüfung von Qualitätsangaben bei Rasenmischungen befassen, damit zumindest beim Kauf von RSM-Mischungen für den Verbraucher eine Qualitätssicherheit besteht.
Größere Sortenunterschiede konnten beispielhaft an der Narbendichte oder gerade beim Wiesenrispen-Sortiment an der Rostanfälligkeit deutlich gemacht werden.

Ansaaten verschiedener RSM-Mischungstypen
Ansaaten verschiedener RSM-Mischungstypen im Vergleich mit unterschiedlichen Sortenanteilen.
(Fotos: K.Müller-Beck)
Wiesenrispensortiment
Das Wiesenrispensortiment im September mit eindeutigem Rostbefall bei verschiedenen Sorten

 

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Beurteilung von Sorteneigenschaften nicht von einem Beobachtungstermin abgeleitet werden dürfen. Erst die Auswertung einer kompletten Vegetationsperiode und die Berücksichtigung der Standorteinflüsse wie Bodenart und Niederschlagsverhältnisse führen zu einer aussagekräftigen Boniturnote, die sich dann in der Beschreibenden Sortenliste bzw. in der Broschüre „Regel-Saatgut-Mischungen“ nachlesen lässt.
So lautete das Fazit von S. Gürtler beim Bundessortenamt:
„Die Sortenwahl ist entscheidend für die RSM-Qualität!“

Mit einem Ausblick auf das kommende DRG-Frühjahrsseminar ,voraussichtlich Ende April 2009, wurde die Veranstaltung beendet.

 

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